Der Juni ist der Monat, in dem der Garten zum ersten Mal mehr gibt, als man an einem Abend essen kann. Erdbeeren, Erbsen, Salat, Kohlrabi, die ersten Zucchini und Frühkartoffeln kommen gleichzeitig. Und gleichzeitig beginnt die Zeit, in der Wasser über die Ernte entscheidet. Wer im Juni die Gießgewohnheiten richtig setzt, hat es im Juli und August leicht.
Gießen: selten, gründlich, morgens, unten
Die einzige Regel, die zählt: lieber zweimal pro Woche zwanzig Liter je Quadratmeter als täglich einen Schluck. Tiefes Gießen bringt das Wasser dreißig Zentimeter hinunter, und die Wurzeln folgen ihm dorthin, wo es kühl bleibt. Morgens, weil abends gegossene Blätter über Nacht nass bleiben und Pilze einladen. Am Boden, nie über das Blatt. Eine Gießrinne, ein Tropfschlauch oder ein Tontopf im Boden, eine Olla, bringt das Wasser dorthin, wo es hingehört. Der Fingertest ersetzt jeden Zeitplan: Ist die Erde fünf Zentimeter tief feucht, wird nicht gegossen.
Und Mulch. Wo Boden zu sehen ist, kommt jetzt eine Schicht Rasenschnitt, Stroh oder Laub darauf. Fünf Zentimeter halbieren die Verdunstung, halten die Erde kühl und ersparen im Hochsommer jeden zweiten Gießgang.
Die Lücken sofort füllen
Wo Erbsen, Salat und Radieschen abgeerntet sind, wird noch am selben Tag nachgesät oder gepflanzt. Buschbohnen bis Anfang Juli, Rote Bete für die Lagerung, Möhren bis Mitte Juni, Fenchel, Kohlrabi, hitzeverträglicher Salat. Und die Winterkohle kommen als Jungpflanzen ins Beet: Grünkohl, Rosenkohl, Wirsing, Rotkohl, dazu Lauch, tief gesetzt, damit der Schaft weiß wird. Ein Beet ist im Juni nie fertig, es ist nur kurz leer.
Tomaten und Steinobst
Tomaten werden wöchentlich ausgegeizt und angebunden, die unteren Blätter kommen ab, sobald Früchte hängen, damit nichts den Boden berührt. Kirschen werden direkt nach der Ernte geschnitten, im Sommer heilen die Wunden schnell, und der Pilz Monilia findet keinen Eingang. Das gilt für alles Steinobst: Pflaume, Pfirsich, Aprikose schneidet man im Sommer, nicht im Winter.
Johanni
Der 24. Juni ist der Tag, an dem Spargel und Rhabarber in Ruhe gelassen werden. Beide brauchen den Rest des Jahres, um Kraft für nächstes Jahr zu sammeln. Rhabarber wird ohnehin oxalsäurereicher, je länger der Sommer dauert. Um Johanni herum werden traditionell auch die Kräuter geerntet: Johanniskraut für das Rotöl, Kamille, Ringelblume, Lindenblüten. Thymian, Salbei und Oregano werden vor der Blüte geschnitten und getrocknet, dann sind die Öle am stärksten.
Regionale Hinweise
Der Juni ist der Monat der Erdbeerschüsseln und der Bohnen-Nachsaat, und die Erbsen werden oft direkt aus den Schoten gegessen, bevor sie die Küche erreichen. Die Trockenheit beginnt in mittleren Lagen meist Mitte Juni; Lehm hält Wasser lange, aber wenn er einmal trocken ist, dauert es Stunden, bis er wieder etwas aufnimmt. Deshalb wird vor der ersten Hitzewelle gemulcht, nicht danach. Im Norden ist der Juni oft feuchter und die Erdbeeren kommen zwei Wochen später; im Rheinland ist die Kirschernte Mitte Juni schon in vollem Gang.