Im Oktober sieht man nichts wachsen, und trotzdem entscheidet er über die Ernte des nächsten Jahres. Das ist keine Floskel. Knoblauch braucht Wochen unter zehn Grad, um große Zehen zu bilden. Blumenzwiebeln brauchen den Winter, um zu blühen. Der Boden braucht die Decke aus Laub, damit die Regenwürmer bis in den Dezember arbeiten. Und das Hochbeet braucht die Ruhe bis März, damit sich die neue Füllung setzt. Wer im Oktober vier Nachmittage in den Garten steckt, spart sich im Mai zehn.
Stecken, was Kälte braucht
Knoblauch geht Oktober bis Mitte November in die Erde: fünf Zentimeter tief, fünfzehn Zentimeter Abstand, Spitze nach oben. Auf schwerem Lehmboden kommt eine Handvoll Splitt ins Pflanzloch, sonst fault er über Winter. Danach eine Handbreit Laub drüber und bis Juli Ruhe.
Blumenzwiebeln folgen der Drei-fache-Höhe-Regel: Eine fünf Zentimeter hohe Zwiebel kommt fünfzehn Zentimeter tief. Wer drei Monate Blüte auf einer Fläche will, gräbt ein Loch von 25 Zentimetern und schichtet: Tulpen unten, Narzissen in der Mitte, Krokusse und Traubenhyazinthen oben. Die Krokusse blühen im Februar, die Narzissen im März, die Tulpen im April. Ohne dass du nachpflanzt.
Der Boden wird zugedeckt, nicht umgegraben
Alles Laub, das auf Beete und unter Hecken fällt, bleibt liegen. Eine Handbreit, nicht mehr. Bis Mai haben die Regenwürmer es eingezogen. Vom Rasen muss es runter, dort erstickt es die Gräser. Walnuss- und Eichenlaub verrottet wegen der Gerbstoffe langsamer und kommt auf einen eigenen Haufen.
Freie Beete bekommen bis Ende Oktober noch Winterroggen als Gründüngung oder eine Mulchschicht. Was nicht passiert: umgraben. Der Boden ist ein Stockwerk-System, und Umgraben tauscht die Stockwerke. Lockern mit der Grabegabel reicht, und Wurzelreste bleiben drin, sie hinterlassen Kanäle für Wasser und Luft.
Ernte, die bis März halten soll
Kürbis vor dem ersten Frost ernten, mit fünf Zentimeter Stiel, zwei Wochen warm nachreifen lassen und dann bei zehn bis fünfzehn Grad trocken und luftig lagern, nie neben Äpfeln. Lageräpfel werden zuletzt gepflückt: Boskoop, Topaz, Jonagold. Sie kommen nebeneinander in flache Kisten, bei zwei bis sechs Grad, feucht und dunkel, und in einen eigenen Raum, weil sie Ethylen abgeben.
Möhren, Rote Bete und Sellerie werden vor dem Dauerfrost geerntet und in feuchtem Sand eingeschlagen; Pastinaken und Schwarzwurzeln dürfen unter Laub im Beet bleiben. Grünkohl und Rosenkohl bleiben stehen: Anhaltende Kälte und die Reife machen sie ab November milder, nicht der Frost selbst.
Was stehen bleibt
Stauden mit hohlen Stängeln, Samenstände, Laubhaufen und Totholz bleiben bis März. Darin überwintern Wildbienen, Florfliegen, Igel und Laufkäfer, also genau die Helfer, die im Mai die Blattläuse fressen. Entfernt wird nur Krankes: Braunfäule an Tomaten, Mehltau, Monilia an Obst. Das kommt in den Restmüll, nicht auf den Kompost.
Am Wegrand
Hagebutten sind nach dem ersten Frost am besten: weich, süß, leicht zu passieren. Schlehen ebenso. Löwenzahnwurzeln, Beinwell und Meerrettich werden jetzt geerntet, wenn das Kraut einzieht und die Inhaltsstoffe in der Wurzel sitzen, allerdings nur im eigenen Garten: Das Ausgraben von Wurzeln in der freien Landschaft ist von der Handstraußregel nicht gedeckt. Nur ernten, was zweifelsfrei bestimmt ist: Unter der Erde sehen sich viele Wurzeln ähnlich.
Regionale Hinweise
Der Oktober ist in mittleren Lagen der Monat mit dem meisten Nebel und der besten Erde. Der Boden ist nach dem Sommer trocken genug, um zu arbeiten, und noch warm genug, damit Knoblauch und Zwiebeln Wurzeln bilden. Der erste Frost kommt in Süddeutschland meist in der zweiten Oktoberhälfte; im Rheinland oft erst im November, im Alpenraum manchmal schon Ende September. Danach richtet man sich, nicht nach dem Kalender.