Der September ist der Monat, der am häufigsten falsch verstanden wird. Viele räumen auf, weil die Saison „vorbei” ist. Dabei ist nichts vorbei. Die Kiste ist so voll wie sonst nie, der Boden ist warm, die Nächte werden feucht, und genau das sind die besten Keimbedingungen des Jahres. Was jetzt gesät wird, keimt schneller als im April.
Das Beet ist nicht fertig, es ist nur leer
Nach Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen und den ersten Kohlköpfen liegen im September plötzlich Flächen frei. Dafür gibt es drei Antworten, und alle drei sind besser als nackter Boden. Erstens Wintergemüse: Feldsalat, winterharter Spinat, Winterportulak, Rucola und Asia-Salate keimen noch bei zehn Grad und liefern von November bis in den März. Zweitens Gründüngung: Phacelia bis Mitte September, Winterroggen und Winterwicke bis in den Oktober. Die Wurzeln lockern den Boden tiefer als jede Grabegabel, im Winter frieren die Pflanzen ab und liegen als Mulch. Drittens, wenn keine Zeit ist: eine Handbreit Laub, Rasenschnitt oder Stroh. Darunter arbeiten die Regenwürmer weiter, auch wenn oben Frost liegt.
Was nicht passiert: umgraben und liegen lassen. Damit zerreißt du die Pilzgeflechte, die sich den ganzen Sommer aufgebaut haben.
Ernten, bevor die Nacht kalt wird
Tomaten reifen im September noch, aber nur, wenn die Pflanze ihre Kraft in die vorhandenen Früchte steckt. Deshalb jetzt die unteren Blätter entfernen und neue Blüten ausbrechen; entspitzt wurde Anfang August. Grüne Tomaten, die Ende des Monats noch hängen, kommen ins Haus und reifen bei Zimmertemperatur nach, gern neben einem Apfel.
Beim Kürbis entscheidet nicht der Kalender, sondern der Klopftest: dumpf und hohl heißt reif, hart und satt heißt warten. Der Stiel bleibt dran, mindestens fünf Zentimeter. Danach zwei Wochen warm nachreifen lassen, damit die Schale aushärtet. Zwiebeln werden geerntet, wenn das Laub umgefallen ist, und trocknen zwei Wochen an einem luftigen Platz, bis die Außenhaut raschelt.
Bei Äpfeln gilt die Kipp-Probe: anheben, leicht kippen, löst sich der Stiel, ist die Frucht reif. Gezogene Äpfel haben eine Wunde am Stielansatz und faulen im Lager zuerst.
Der Wegrand hängt voll
Holunderbeeren sind reif, wenn die Dolden tiefschwarz glänzen und die Stiele rot werden. Roh sind sie nichts für den Magen, gekocht sind sie Sirup, Gelee und Suppe für den ganzen Winter. Die ersten Hagebutten leuchten schon, aber sie werden nach dem ersten Frost weicher und süßer. Wer nicht warten will, legt sie eine Nacht ins Gefrierfach.
Kräuter: der letzte große Schnitt
Thymian, Rosmarin, Salbei, Oregano und Bohnenkraut werden jetzt an einem trockenen Vormittag geerntet, nur die Triebspitzen, kein kräftiger Rückschnitt vor dem Winter, und in kleinen Bündeln kopfüber getrocknet, dunkel und unter dreißig Grad. Petersilie, Schnittlauch, Dill und Basilikum trocknen schlecht; die kommen gehackt mit Öl in die Eiswürfelform oder als Kräutersalz ins Glas. Nass geerntete Kräuter schimmeln beim Trocknen, deshalb nie nach dem Regen ernten.
Regionale Hinweise
In mittleren Lagen fällt der September meistens in zwei Hälften. Bis Mitte des Monats ist es noch Sommer, mit Tomaten, Zucchini und den letzten Gurken. Ab der zweiten Hälfte kommt morgens Nebel über die Beete, und dann geht es um Aussaat, Laub und Vorrat. Lehmiger Boden speichert die Sommerwärme lange; Feldsalat, der um den 25. September gesät wird, ist im November meistens noch erntereif. Im Norden sät man zwei Wochen früher, im Alpenraum bis zu drei.