Der Januar ist der Monat, in dem der Garten am Küchentisch stattfindet. Im Freien ist der Boden gefroren oder ein nasser Klumpen, und beides sagt dasselbe: nicht betreten. Drinnen liegt der Beetplan, die Saatgutliste und die Frage, was dieses Jahr anders werden soll. Wer den Januar zum Planen nutzt, ist im Mai entspannt. Wer ihn zum Säen nutzt, hat im Mai blasse Tomaten.
Erst die Liste, dann der Katalog
Die Saatgutkataloge kommen jetzt, und sie sind gefährlich. Deshalb liegt zuerst der Beetplan auf dem Tisch: vier Bereiche, was steht wo, was kommt weiter. Daraus ergibt sich die Liste: welche Kulturen, wie viele Reihen, wie viele Samen. Erst danach der Katalog, und nur zum Bestellen dessen, was auf der Liste steht. Wer es andersherum macht, hat im März dreißig Tüten Saatgut und keinen Platz. Die guten Sorten sind bis Februar ausverkauft, deshalb jetzt.
Der Obstbaumschnitt beginnt
An frostfreien Tagen, das heißt über minus fünf Grad, werden Apfel, Birne und Quitte geschnitten. Der Winterschnitt regt das Wachstum an, deshalb ist er richtig für junge Bäume und für Bäume, die zu wenig treiben. Alte, stark wachsende Bäume werden im Sommer geschnitten, das beruhigt sie. Grundregeln: Totholz raus, nach innen wachsende und sich kreuzende Triebe raus, Wasserschosse raus, die Krone lichten, damit ein Hut hindurchgeworfen werden könnte. Steinobst, also Kirsche, Pflaume, Pfirsich, wird jetzt nicht angerührt: Die Wunden heilen im Winter nicht, und Pilze wandern ein. Das kommt nach der Ernte im Sommer.
Johannisbeeren und Stachelbeeren werden ausgelichtet: Die ältesten drei bis vier Triebe bodennah raus, so bleibt der Strauch jung. Kiwi und Weinrebe schneidet man jetzt, bevor der Saft steigt und die Wunden bluten.
Was wirklich schon gesät wird
Chili, Paprika und Aubergine brauchen von der Saat bis zur Ernte über ein halbes Jahr, deshalb werden sie ab Mitte Januar vorgezogen. Aber nur mit Pflanzenlampe: zehn bis vierzehn Stunden Licht, fünf bis zehn Zentimeter über den Pflanzen, dazu zweiundzwanzig bis sechsundzwanzig Grad zum Keimen. Am Fenster wird daraus Spargel. Alles andere wartet: Tomaten bis Mitte März, Kürbis und Gurken bis April. Wer die Fensterbank trotzdem nutzen will, zieht Kresse, Sprossen und Microgreens, die brauchen kein Licht zum Keimen und stehen in einer Woche auf dem Teller.
Den Boden in Ruhe lassen
Gefrorener Rasen wird nicht betreten, die Halme brechen und werden im Frühjahr braun. Nasse Beete werden nicht betreten, der Lehm verdichtet sich und braucht Monate, um sich zu erholen. Was liegen bleibt, bleibt liegen: Laub, Stauden, der Igelhaufen. Wer im Januar Ordnung schafft, räumt die Nützlinge weg.
Regionale Hinweise
In mittleren Lagen Süddeutschlands ist der Januar meist die kälteste Zeit, mit Dauerfrost und gelegentlich Schnee, der den Beeten guttut. Apfelbäume werden an den wenigen Tagen geschnitten, an denen es über null Grad hat und trocken ist; der Rest wartet. Im Rheinland kann man oft den ganzen Monat schneiden, im Alpenraum liegt der Schnee bis März, und der Schnitt wartet auf den Februar.