Heilkräuter & Wildpflanzen · Grundlagen
Heilkräuter aus dem eigenen Garten: Anbauen, ernten, verarbeiten, Hausapotheke
Zwölf Pflanzen, die in jeden Garten passen, und die traditionell seit Jahrhunderten bei Husten, Halsschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Insektenstichen verwendet werden. Wo sie wachsen, wann sie geerntet werden, wie aus ihnen Tee, Sirup, Oxymel und Salbe entstehen, und wo die Grenze zum Arzt liegt. Diese Seite ist das Nachschlagewerk für die Hausapotheke aus dem Beet.
Die klassische Hausapotheke war ein Küchenschrank mit Gläsern: Kamille, Salbei, Pfefferminze, Lindenblüte, ein Sirup aus Spitzwegerich, eine Ringelblumensalbe, Hagebutten für den Winter. Nichts davon ersetzt einen Arzt, und das hat auch niemand behauptet. Traditionell wurden diese Mittel bei Halsschmerzen, Husten, Verdauungsbeschwerden und Mückenstichen eingesetzt, und alles davon wächst im Garten. Diese Seite füllt diesen Schrank neu: mit zwölf Pflanzen, ihren Erntezeiten, vier Zubereitungen und den Regeln, die dazugehören.
Was diese Seite ist, und was nicht
Alles hier beschreibt traditionelles Erfahrungswissen, so wie es die Europäische Arzneimittel-Agentur in ihren Monographien als „traditionelle Verwendung” führt: Anwendungen, die seit mindestens dreißig Jahren dokumentiert sind und als plausibel und sicher gelten, ohne dass sie in klinischen Studien wie ein Medikament belegt wären. Deshalb steht hier „traditionell verwendet bei”, nicht „hilft bei”.
Was Kräuter können: eine Erkältung angenehmer machen, die Verdauung unterstützen, kleine Wunden und Stiche versorgen, den Schlaf erleichtern, schmecken. Was sie nicht können: Fieber senken, das über drei Tage geht, eine Lungenentzündung behandeln, einen Bluthochdruck einstellen, eine Depression heilen. Die Grenze zum Arzt liegt bei allem, was länger als ein bis zwei Wochen dauert, bei Fieber, Atemnot, Blut, starken Schmerzen, bei Säuglingen, Schwangeren, Stillenden, chronisch Kranken und allen, die Medikamente nehmen, mit denen Kräuter wechselwirken können, zum Beispiel Johanniskraut mit der Pille oder Blutverdünnern.
Die zwölf Pflanzen
Zwölf Pflanzen decken den größten Teil dessen ab, wofür eine Hausapotheke gebraucht wird. Sieben davon haben einen eigenen Steckbrief, die übrigen fünf sind im Anbau ebenso einfach.
| Pflanze | Standort | Ernte | Traditionell verwendet bei | Zubereitung | Hinweis |
|---|---|---|---|---|---|
| Thymian | Sonnig, mager, trocken | Kraut vor der Blüte, Juni | Husten, Erkältung | Tee, Sirup, Oxymel, Badezusatz | Nicht in Mengen in der Schwangerschaft |
| Salbei | Sonnig, mager | Blätter vor der Blüte, Juni | Halsschmerzen zum Gurgeln, starkes Schwitzen | Tee, Gurgellösung, Oxymel | Kurweise, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, Tee nicht für Kinder unter vier Jahren |
| Rosmarin | Sonnig, geschützt, Topf | Ganzjährig | Kreislauf, Muskeln, äußerlich | Tee, Badezusatz, Öl | Bei Bluthochdruck zurückhaltend |
| Spitzwegerich | Wiese, Wegrand | Blätter Mai bis Oktober | Reizhusten, Insektenstiche | Sirup, Tee, frisches Blatt | Unverwechselbar an Rippen und Fäden |
| Holunder | Hecke, Kompost | Blüten Juni, Beeren September | Erkältung, schweißtreibend | Blütentee, Sirup, heißer Saft | Beeren nur gekocht |
| Hagebutte | Hecke, Feldrand | Früchte Oktober bis Dezember | Vitamin C, Stärkung im Winter | Tee, Mark, Suppe | Kerne und Härchen entfernen |
| Brennnessel | Fette Ecke | Junge Blätter März bis Juni | Durchspülung bei leichten Harnwegsbeschwerden | Tee, Gemüse, Samen | Nicht bei Ödemen durch Herz- oder Nierenschwäche |
| Kamille, Echte | Sonnig, Beet oder Wiese, einjährig | Blüten Mai bis Juli | Magen, Entzündungen, äußerlich | Tee, Dampfbad, Umschlag | Verwechslung mit Hundskamille ohne Duft; nicht bei Korbblütler-Allergie |
| Ringelblume | Sonnig, Beetrand, einjährig | Blüten Juni bis Oktober | Äußerlich bei kleinen Wunden, rauer Haut | Salbe, Öl, Tee | Ungefüllte, orange Sorten; nicht bei Korbblütler-Allergie |
| Pfefferminze | Halbschatten, feucht, Topf wegen Ausläufern | Blätter vor der Blüte, Juni | Verdauung, Übelkeit | Tee, Sirup | Nicht bei Sodbrennen, kein Öl für Kleinkinder |
| Zitronenmelisse | Halbschatten, feucht | Blätter vor der Blüte, Juni | Unruhe, Einschlafen, Verdauung | Tee, Sirup, Oxymel | Schnell trocknen, sonst braun |
| Löwenzahn | Wiese, überall | Wurzel im Herbst, Blätter im Frühjahr | Verdauung, Gallenfluss, Bitterstoffe | Tee, Tinktur, Salat, Wurzelkaffee | Nicht bei Gallenwegsverschluss, bei Gallensteinen ärztlich abklären |
Dazu, wo Platz ist: Fenchel und Anis für Samen, Lindenblüte vom Baum, Schafgarbe aus der Wiese, Johanniskraut für das Rotöl (macht die Haut lichtempfindlich und verträgt sich nicht mit vielen Medikamenten), Baldrian für die Wurzel, Beinwell nur äußerlich, höchstens vier bis sechs Wochen im Jahr und nicht bei Kindern. Und die Kräuter, die die Küche liefert, sind oft dieselben: Kräuter wie Thymian und Salbei sind das Beste, was Küche und Apotheke gemeinsam haben.
Der Heilkräutergarten anlegen
Heilkräuter brauchen keinen eigenen Garten, sondern drei Standorte, die fast jeder Garten hat.
Die sonnige, trockene Ecke für die Mittelmeerkräuter: Thymian, Salbei, Rosmarin, Lavendel, Ysop, Oregano. Ein Kräuterhügel aus Bauschutt, Sand und magerer Erde an der Südwand, ein Streifen am Rand des Hochbeets, eine Trockenmauer. Kein Kompost, kein Dünger, kein Wasser. Je karger, desto würziger und wirkstoffreicher.
Das normale Beet für die einjährigen und feuchteliebenden: Kamille und Ringelblume am Beetrand, wo sie sich selbst aussäen, Pfefferminze und Melisse im Halbschatten, Pfefferminze im eingegrabenen Topf, weil sie sonst den Garten übernimmt. Fenchel, Dill und Borretsch dazwischen.
Die wilde Ecke für alles, was von selbst kommt: Spitzwegerich und Löwenzahn im Wiesenstreifen, Brennnessel hinter dem Kompost, Holunder und Hundsrose in der Hecke, Schafgarbe und Johanniskraut am Zaun. Diese Ecke wird nicht angelegt, sondern zugelassen, und sie liefert die Hälfte der Hausapotheke. Wie sie aussieht, steht in der Säule Naturgarten anlegen.
Gepflanzt wird im April oder September, die Halbsträucher als Jungpflanzen, die Einjährigen aus Samen, die Wildpflanzen kommen von allein oder als Saatgut aus dem Fachhandel. Nach dem zweiten Jahr ist der Kräutergarten fertig und braucht außer dem Frühjahrsschnitt nichts mehr.
Der Erntekalender
Der Gehalt an Wirkstoffen wandert im Jahr durch die Pflanze, und die Ernte folgt ihm.
| Monat | Was geerntet wird |
|---|---|
| März, April | Junge Brennnesselblätter, Löwenzahnblätter, Gundermann, erste Spitzwegerichblätter, Birkenblätter |
| Mai | Spitzwegerich, Gänseblümchen, Löwenzahnblüten, Waldmeister, Giersch, Holunderblüten in warmen Lagen |
| Juni | Holunderblüten, Kamille, Thymian, Salbei, Pfefferminze und Melisse vor der Blüte, Lindenblüte, Johanniskraut um den 24. Juni, Rosenblüten |
| Juli | Ringelblume, Lavendel, Schafgarbe, Oregano, Dost, Königskerzenblüten, Kamille zweiter Schnitt |
| August | Ringelblume, Fenchelsamen, Dill, Zweiter Schnitt Pfefferminze und Melisse, Beifuß |
| September | Holunderbeeren, Spitzwegerich zweiter Schnitt, Thymian und Salbei leicht, Hagebutten in warmen Lagen, Brennnesselsamen |
| Oktober, November | Hagebutten, Wurzeln von Löwenzahn, Beinwell, Baldrian, Nelkenwurz, Meerrettich, letzte Ringelblumen |
| Dezember bis Februar | Rosmarin, Thymian und Salbei einzelne Zweige, Efeublätter nicht, Misteln nicht für Laien |
Die Details zur Wurzelernte stehen im Artikel Wurzeln ernten im Herbst, zu Hagebutten im Beitrag über das Ernten und Verarbeiten von Hagebutten, zu Holunder im Beitrag über Holunderbeeren. Geerntet wird immer an einem trockenen Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus, nie nach Regen, nie an der Straße, nie mehr als ein Drittel einer Pflanze und nie etwas, das nicht sicher bestimmt ist.
Trocknen und lagern
Die Hausapotheke lebt vom Vorrat, und der Vorrat lebt vom richtigen Trocknen: kleine Bündel kopfüber oder dünn ausgelegt, luftig, dunkel, warm, unter dreißig Grad, im Dörrgerät bis vierzig. Fertig, wenn Blätter rascheln und Stiele brechen, meist nach einer bis zwei Wochen. Blüten wie Kamille und Ringelblume werden lose auf Gittern getrocknet, Wurzeln in Scheiben. Dann ganz, nicht zerrieben, in dunkle, dicht schließende Gläser, beschriftet mit Art und Datum, kühl gelagert. Blätter und Blüten ein Jahr, Wurzeln und Früchte zwei. Die Regeln für jedes Kraut stehen im Artikel über das Haltbarmachen von Kräutern.
Die vier Zubereitungen
Vier Verfahren decken alles ab, was eine Hausapotheke braucht, und keines davon braucht ein Gerät.
Tee, als Aufguss oder Abkochung. Ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Kraut auf eine Tasse, mit heißem Wasser übergießen, abgedeckt zehn Minuten ziehen lassen, das ist der Aufguss für Blätter und Blüten. Wurzeln, Rinden und Samen werden zerkleinert, mit kaltem Wasser aufgesetzt und zehn Minuten leise gekocht, das ist die Abkochung. Bis zu drei Tassen am Tag, über eine bis drei Wochen, dann Pause oder Wechsel. Ein Tee ist ein Getränk mit Wirkung, kein Medikament in Dosen.
Sirup. Der Schichtsirup aus Blättern und Zucker ohne Kochen, wie im Artikel über den Spitzwegerich-Sirup beschrieben, oder der gekochte Sirup aus Saft und Zucker wie beim Holunder. Löffelweise, pur oder in warmem Wasser. Hält mit hohem Zuckeranteil Monate.
Oxymel. Honig und Apfelessig, drei zu eins, mit Kräutern vier Wochen ausgezogen, als traditioneller Auszug ohne Alkohol. Die Anleitung und fünf Herbstansätze stehen im Artikel über Oxymel. Löffelweise in Wasser oder als Dressing.
Salbe. Das Verfahren für die Ringelblume, das für jede Salbe gilt: Hundert Milliliter Olivenöl mit zwei Händen voll frischen oder einer Hand voll getrockneten Ringelblumenblüten im Wasserbad eine Stunde bei sechzig Grad ziehen lassen, oder drei Wochen im Sonnenglas. Abseihen, mit zehn Gramm Bienenwachs im Wasserbad schmelzen, in Tiegel füllen, erkalten lassen. Traditionell äußerlich bei rauer Haut, kleinen Schürfwunden und Rissen. Hält ein halbes Jahr. Für Beinwellsalbe gilt dasselbe Verfahren mit der Wurzel, und die Regel: nur äußerlich, nur auf geschlossener Haut, nur kurz.
Dazu die einfachste Anwendung, die keine Zubereitung ist: ein zerriebenes Spitzwegerichblatt auf einen Mückenstich, ein Salbeiblatt auf das Zahnfleisch, eine Handvoll Thymian im Badewasser.
Die Hausapotheke nach Beschwerden
Was traditionell wobei verwendet wird, und wo der Arzt beginnt:
| Beschwerde | Traditionell verwendet | Zubereitung | Zum Arzt, wenn |
|---|---|---|---|
| Husten, Erkältung | Thymian, Spitzwegerich, Holunderblüte, Hagebutte | Tee, Sirup, Oxymel | Fieber über drei Tage, Atemnot, Husten über zwei Wochen, Säuglinge |
| Halsschmerzen | Salbei, Kamille, Thymian | Gurgeln, Tee | Eitrige Mandeln, hohes Fieber, Schluckbeschwerden über drei Tage |
| Magen, Verdauung, Blähungen | Pfefferminze, Kamille, Fenchel, Melisse, Löwenzahn | Tee, Oxymel | Blut, Gewichtsverlust, Schmerzen, Beschwerden über zwei Wochen |
| Unruhe, Einschlafen | Melisse, Lavendel, Baldrianwurzel, Hopfen | Tee, Badezusatz | Schlafstörungen über Wochen, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit |
| Kleine Wunden, raue Haut, Stiche | Ringelblume, Spitzwegerich, Kamille | Salbe, frisches Blatt, Umschlag | Tiefe oder entzündete Wunden, Tierbisse, Zeckenstich mit Rötung |
| Muskeln, Gelenke, äußerlich | Rosmarin, Beinwell nur äußerlich, Johanniskrautöl | Einreibung, Umschlag, Bad | Anhaltende Schmerzen, Schwellung, Unfall |
| Harnwege, leichte Beschwerden | Brennnessel, Birkenblätter, Goldrute als Durchspülung | Tee mit viel Wasser | Fieber, Blut im Urin, Schmerzen, Männer, Schwangere, Nierenprobleme |
Die Tabelle ersetzt keinen Arzt und keine Apotheke, sie ordnet den Schrank. Wer unsicher ist, fragt in der Apotheke; die meisten dort kennen die traditionellen Anwendungen und die Wechselwirkungen.
Sicherheit: Die fünf Regeln
Erstens: Sicher bestimmen. Was nicht hundertprozentig erkannt ist, wird nicht geerntet. Die gefährlichen Verwechslungen sind wenige, aber tödlich: Maiglöckchen und Herbstzeitlose statt Bärlauch, Schierling statt Wilder Möhre, Eisenhut statt Baldrian, Zwerg-Holunder statt Holunder. Im eigenen Garten, wo man gepflanzt hat, ist das einfach; in der Wiese braucht es Buch, Erfahrung und im Zweifel Verzicht.
Zweitens: Sauber sammeln. Nicht an Straßen, nicht an Hundewegen, nicht auf gespritzten Flächen, nicht in Naturschutzgebieten, nicht mehr als die Handstraußregel erlaubt.
Dritten: Dosis und Dauer. Kräuter sind keine Dauermedikation. Tees kurweise über ein bis drei Wochen, Salbei wegen des Thujons nicht monatelang, Beinwell nur äußerlich, höchstens vier bis sechs Wochen im Jahr, nicht bei Kindern, Johanniskraut nicht mit Medikamenten ohne Rücksprache und nicht vor dem Sonnenbad (Photosensibilisierung), Meerrettich nicht für Kinder unter vier Jahren und nicht bei Magen-Darm-Geschwüren.
Viertens: Besondere Gruppen. Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen mit Medikamenten fragen vorher. Kein Honig unter einem Jahr, keine ätherischen Öle bei Kleinkindern, Salbei und Rosmarin nicht in der Schwangerschaft.
Fünftens: Die Grenze kennen. Fieber, Atemnot, Blut, starke Schmerzen, Beschwerden über zwei Wochen, jede Verschlechterung: Arzt. Die Hausapotheke ist für das, was von selbst besser wird, und macht es angenehmer.
Sechs Mischungen aus dem Schrank
Was im Winter aus den Gläsern wird, alles traditionelle Hausmittel, alles ohne Heilversprechen:
Hustentee. Zwei Teile Thymian, ein Teil Spitzwegerich, ein Teil Holunderblüte, eine Prise Fenchelsamen. Ein Teelöffel auf eine Tasse, zehn Minuten ziehen, mit Honig, dreimal täglich bei kratzendem Hals und Husten, so lange, bis es besser ist, höchstens zwei Wochen.
Gurgellösung. Zwei Teelöffel Salbei auf eine Tasse, zehn Minuten ziehen, abkühlen, mehrmals täglich gurgeln, nicht schlucken. Traditionell bei Halsschmerzen und wundem Zahnfleisch, kurweise, nicht in der Schwangerschaft.
Magentee. Je ein Teil Kamille, Pfefferminze und Melisse, dazu Fenchel. Nach dem Essen, bei Völlegefühl und Blähungen. Bei Sodbrennen die Pfefferminze weglassen.
Abendtee. Zwei Teile Melisse, ein Teil Lavendelblüten, ein Teil Hopfen oder ein halber Teil Baldrianwurzel. Eine Stunde vor dem Schlafen, traditionell bei Unruhe und Einschlafproblemen. Nicht dauerhaft, und nicht bei Schlafstörungen, die Wochen anhalten; die gehören zum Arzt.
Wintersirup. Der Spitzwegerich-Schichtsirup mit einem Zweig Thymian im Glas, oder der gekochte Holundersirup mit Ingwer und Zitrone. Löffelweise in heißem Wasser an kalten Abenden.
Ringelblumensalbe. Wie oben beschrieben, mit hundert Millilitern Öl und zehn Gramm Wachs. Für raue Hände nach dem Gartentag, für Risse, Schürfungen und Kinderknie. Ein Tiegel hält den Winter.
Und für den Frühling, wenn der Schrank leer wird: Brennnesseltee aus den ersten jungen Blättern im März, drei Wochen lang, mit viel Wasser, als das, was die Großmutter Frühjahrskur nannte.
Häufige Fehler
Heilversprechen glauben oder machen. Kräuter lindern, sie heilen nicht. Traditionell verwendet, mehr nicht.
Nach Regen geerntet. Schimmel beim Trocknen. Trockener Vormittag.
In der Sonne getrocknet. Öle und Farbe weg. Dunkel und luftig.
Unbeschriftet gelagert. Nach drei Monaten weiß niemand, was im Glas ist. Art und Datum.
Beinwell innerlich. Leberschädigend. Nur äußerlich.
Salbei als Dauertee. Thujon. Kurweise.
Honig für das Baby. Botulismus-Risiko. Nie unter einem Jahr.
Aus dem Bestimmungsbuch geraten. Wurzeln sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Nur sicher Bestimmtes.
Mittelmeerkräuter gedüngt und gegossen. Weniger Wirkstoffe, kürzeres Leben. Mager und trocken.
Regionale Unterschiede
Die Mittelmeerkräuter gedeihen in warmen, trockenen Regionen wie dem Oberrhein, dem Weinbauklima und Brandenburg am besten und brauchen in feuchten, kühlen Lagen im Norden und in den Mittelgebirgen einen erhöhten Platz, Sand und Winterschutz oder den Topf. Die Wildpflanzen, Spitzwegerich, Löwenzahn, Brennnessel, Holunder, Hagebutte, wachsen überall. Kamille und Ringelblume säen sich in trockenen Lagen zuverlässiger aus. Die Erntezeiten verschieben sich mit der Höhe um zwei bis drei Wochen; in Höhenlagen ist die Holunderblüte Anfang Juli und die Hagebutte im Oktober weich. Was in jedem Monat ansteht, steht im Gartenjahr.
Fazit
Zwölf Pflanzen, drei Standorte, vier Zubereitungen und fünf Regeln: Das ist die Hausapotheke aus dem eigenen Garten. Sie ersetzt keinen Arzt, aber sie füllt einen Schrank mit Dingen, die seit Jahrhunderten Husten kürzer, Hälse ruhiger und Stiche leiser machen, und alles davon wächst zwischen Südwand und Hecke.
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Darf ich Heilkräuter aus dem Garten überhaupt anwenden?
Für den Eigenbedarf ja. Tee, Sirup, Oxymel und Salben aus dem eigenen Garten sind Lebensmittel und traditionelle Hausmittel, die jeder für sich selbst herstellen darf. Was nicht geht: sie als Heilmittel mit Wirkversprechen verkaufen oder ärztliche Behandlung durch sie ersetzen. Diese Seite beschreibt traditionelle Verwendungen, keine Heilaussagen, und bei jeder Pflanze steht, wo die Grenze liegt.
Welche Kräuter sind für Anfänger am einfachsten?
Thymian, Salbei und Pfefferminze für Tee, Spitzwegerich aus der Wiese für Sirup und Stiche, Ringelblume für die Salbe, Holunder und Hagebutte aus der Hecke. Alle sind robust, unverwechselbar und liefern im ersten Jahr. Kamille und Zitronenmelisse kommen im zweiten Jahr dazu, Wurzelkräuter wie Löwenzahn und Baldrian, wenn die Bestimmung sicher ist.
Wie lange halten getrocknete Heilkräuter?
Blätter und Blüten in dunklen, dicht schließenden Gläsern ein Jahr, Wurzeln und Früchte ebenfalls etwa ein Jahr, dann lässt das Aroma nach. Danach lassen Aroma und Inhaltsstoffe nach, schädlich werden sie nicht. Beschriften mit Art und Datum, kühl lagern, und jedes Jahr mit der neuen Ernte ersetzen.
Was ist mit Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern?
Vorsicht bei allem. Salbei, Rosmarin, Thymian in größeren Mengen, Beinwell, Baldrian und Wermut sind in der Schwangerschaft nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache geeignet; Salbei hemmt beim Stillen die Milchbildung. Kinder unter einem Jahr bekommen keinen Honig, Kleinkinder keine ätherischen Öle wie Pfefferminz- oder Thymianöl. Milde Kräuter wie Kamille, Fenchel, Melisse und Lindenblüte sind die Kinderkräuter, und auch die nach Rücksprache.
Wie erkenne ich, ob eine Pflanze giftig ist?
Indem man sie sicher bestimmt, bevor man sie erntet, und im Zweifel nicht erntet. Gefährliche Verwechslungen im Garten und in der Wiese sind Bärlauch mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose, Wilde Möhre mit Schierling, Baldrian und Nelkenwurz mit Eisenhut und Wasserschierling an den Wurzeln, Holunder mit Zwerg-Holunder. Wer eine Pflanze nicht aus dem eigenen Garten kennt, nimmt ein Bestimmungsbuch, eine App als Hinweis und einen Menschen, der es weiß.
Kann ich mit Kräutern eine Erkältung behandeln?
Kräuter können eine Erkältung angenehmer machen, nicht heilen. Thymiantee bei Husten, Salbei zum Gurgeln, Holunderblüte als warmes Getränk, Spitzwegerichsirup bei Reizhusten sind traditionelle Hausmittel, die von der Europäischen Arzneimittel-Agentur als traditionelle pflanzliche Arzneimittel beschrieben werden. Fieber über drei Tage, Atemnot, Husten über zwei Wochen, Beschwerden bei Säuglingen und alten Menschen gehören zum Arzt.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Pflanzliche Arzneimittel – Übersicht und Monographien (Thymi herba, Salviae officinalis folium, Plantaginis lanceolatae folium, Sambuci flos, Matricariae flos, Calendulae flos, Menthae piperitae folium, Melissae folium, Taraxaci officinalis radix, Urticae folium)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln
- Bayerische Gartenakademie (LWG): Kräuter bis weit in den Winter hinein
- Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde, Haug Verlag – Standardwerk zu Anbau, Inhaltsstoffen und traditioneller Anwendung
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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