Der Mai ist der Monat, in dem der Garten voll wird, und zwar innerhalb von zwei Wochen. Bis zum 15. wird gewartet. Danach kommen an zwei oder drei Nachmittagen alle Tomaten, Kürbisse, Gurken, Zucchini, Bohnen und das Basilikum ins Beet, und aus einem Garten mit Lücken wird ein Garten, in dem kein Boden mehr zu sehen ist. Wer diese Reihenfolge einhält, hat im August eine Ernte. Wer sie Anfang Mai bricht, hat oft nichts.
Die Eisheiligen sind eine Statistik
Vom 11. bis 15. Mai heißen die Tage Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Kalte Sophie, und die Bauernregel dahinter ist eine Wetterstatistik: Bis Mitte Mai sind späte Nachtfröste in Mitteleuropa normal, in vielen Jahren gibt es Anfang Mai noch eine Frostnacht, in manchen sogar um den 20. Deshalb bleibt alles Frostempfindliche bis nach den Eisheiligen drinnen, und das Vlies bleibt bis Ende Mai griffbereit. Ein warmer April lügt.
Tomaten richtig pflanzen
Nach dem 15. Mai kommen die Tomaten ins Beet. Sechzig Zentimeter Abstand, damit Luft durchgeht. Das Pflanzloch so tief, dass die Pflanze bis zum ersten Blattpaar in der Erde steht: Der Stängel bildet Wurzeln, und die Pflanze steht fest. Eine Handvoll Kompost ins Loch, sofort anbinden. Gießen nur am Fuß, morgens, gründlich und selten. Untere Blätter entfernen, damit kein Blatt den Boden berührt. Stabtomaten werden ab jetzt wöchentlich ausgegeizt: Die Seitentriebe in den Blattachseln kommen raus, solange sie klein sind. Wer die Möglichkeit hat, pflanzt unter ein Dach, das ist der beste Schutz gegen Braunfäule.
Kürbis, Zucchini, Gurke, Bohne
Kürbis und Zucchini brauchen Platz, einen Meter je Pflanze, und eine Kompostgabe ins Pflanzloch, sie sind Starkzehrer. Gurken kommen ans Gerüst oder dürfen kriechen. Bohnen werden direkt gesät, sobald der Boden fünfzehn Grad hat, meist ab Mitte Mai: Buschbohnen in Reihen, Stangenbohnen mit sechs bis acht Korn um jede Stange. Zuckermais in Blöcken, nicht in einzelnen Reihen, sonst bestäubt er sich nicht.
Mulchen ab jetzt
Sobald der Boden richtig warm ist, Ende Mai, beginnt das Mulchen: fünf Zentimeter Rasenschnitt (angetrocknet, dünn), Stroh oder Laub zwischen die Pflanzen. Nicht früher, sonst bleibt der Boden unter der Decke kalt. Mulch hält die Feuchtigkeit, unterdrückt Beikraut und ist im Sommer der Unterschied zwischen dreimal und einmal Gießen pro Woche. Bei Tomaten und Kürbis eine Handbreit Abstand zum Stängel.
Die erste Ernte
Der Mai ist der erste Monat, in dem der Garten den Tisch deckt: Salat, Radieschen, Rucola, Kohlrabi, Bundmöhren, Spargel und Rhabarber bis Johanni, ab Ende Mai die ersten Erdbeeren und Erbsen. Und die Holunderblüten öffnen sich: an einem sonnigen Vormittag gepflückt, wenn der Pollen fliegt, nicht gewaschen, nur ausgeschüttelt, werden sie zu Sirup für den ganzen Sommer.
Regionale Hinweise
In mittleren Lagen ist der 16. Mai der Tag, an dem der Garten auf einmal voll ist. Am Wochenende davor stehen die Töpfe auf der Terrasse und härten ab, dann kommen alle rein, Tomaten, Kürbisse, Zucchini, Gurken, Basilikum, und am Abend sieht der Garten aus wie ein anderer. Im Rheinland pflanzt man oft schon Anfang Mai, im Alpenraum wartet man bis Ende des Monats und nimmt die Tomaten unter Dach.