Wildpflanze · traditionell in der Hausapotheke · bienenfreundlich
Johanniskraut
Jetzt säenEinsteigerwinterhartmehrjährig
Hypericum perforatum
Die Staude vom sonnigen Wegrand, die um Johanni gelb blüht: Blüten im Öl ergeben das Rotöl für die Haut. Innerlich nur als geprüftes Präparat, wegen Wechselwirkungen und Lichtempfindlichkeit.
Das Jahr auf einen Blick
Jetzt idealNoch möglichAktueller Monat
Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Johanniskraut ist die Pflanze der Sommersonnenwende: Um den 24. Juni öffnet es am sonnigen Wegrand seine gelben Blüten, und wer eine zerreibt, hat roten Saft an den Fingern. Aus diesen Blüten entsteht das Rotöl, das seit Jahrhunderten auf die Haut kommt. Innerlich ist Johanniskraut eine wirksame Arzneipflanze und genau deshalb nichts für den Teeschrank: Es verändert den Abbau vieler Medikamente und macht die Haut lichtempfindlich.
Aussaat und Pflanzen. Breitwürfig auf mageren, offenen Boden im April oder September, Lichtkeimer, nur andrücken; oder Topfpflanzen im Frühjahr, dreißig Zentimeter Abstand, am Wegrand, im Wiesenstreifen, auf der Böschung oder im Kräuterhügel neben Schafgarbe, Thymian und Lavendel. Kein Kompost, kein Dünger; auf fettem Boden wird es weich und kippt.
Pflege. Keine. Nach der Blüte im August auf zehn Zentimeter zurückschneiden, das verhindert die Aussaat dort, wo sie nicht erwünscht ist, und hält die Pflanze kompakt. Im Wiesenstreifen wird sie mit der Wiese gemäht. Alle vier bis fünf Jahre teilen.
Erkennen. Echtes Johanniskraut hat einen zweikantigen Stängel, den man zwischen den Fingern fühlt, Blätter, die gegen das Licht gehalten durchscheinend punktiert sind, wie perforiert, daher der Name, und Blüten, die beim Zerreiben rot färben. Die Zierarten im Staudenbeet, etwa Hypericum calycinum oder die großblütigen Sträucher, haben keine dieser Merkmale und sind keine Heilpflanzen.
Ernte. Die blühenden Triebspitzen von Ende Juni bis August, an einem sonnigen Vormittag, wenn die Blüten offen sind; die ersten Blüten um Johanni sind die kräftigsten. Für Rotöl frische Blüten, für Tee getrocknete: in Bündeln dunkel und luftig, dann in dunkle Gläser.
Rotöl. Ein Glas locker mit frischen Blüten füllen, mit Olivenöl bedecken, mit einem Tuch statt Deckel verschließen und vier bis sechs Wochen in die Sonne stellen, täglich schwenken. Das Öl färbt sich tiefrot. Abseihen, in dunkle Flaschen, ein Jahr haltbar. Es wird traditionell bei leichten Hautentzündungen, Schürfungen, Sonnenbrand, Narben und als Einreibung bei Muskelschmerzen genutzt; die europäische Arzneimittelagentur führt Johanniskrautöl für die äußerliche Anwendung. Danach keine Sonne auf die behandelte Stelle.
Hausapotheke und Sicherheit. Innerlich wird Johanniskraut bei leichter depressiver Verstimmung eingesetzt, dafür gibt es standardisierte Präparate aus der Apotheke, und nur die sind sinnvoll, weil der Wirkstoffgehalt im Tee schwankt. Johanniskraut beschleunigt den Abbau vieler Medikamente: Die Pille verliert ihre Sicherheit, Blutverdünner, Immunsuppressiva, Herz- und HIV-Medikamente werden abgeschwächt. Deshalb nie innerlich ohne ärztlichen oder pharmazeutischen Rat, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht bei Kindern, und während der Anwendung keine intensive Sonne und kein Solarium. Für Weidetiere ist Johanniskraut giftig.
Quellen. Europäische Arzneimittel-Agentur (HMPC): Monographien Hyperici herba (traditionelle äußerliche Anwendung) und Hyperici herba (well-established use). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Wechselwirkungen von Johanniskraut.
Mischkultur: Wer passt daneben
Gute Nachbarn: SchafgarbeThymianLavendelSalbei
Schlechte Nachbarn: keine bekannten
Häufige Probleme
Verwechslung mit anderen Hypericum-Arten
Echtes Johanniskraut erkennt man am zweikantigen Stängel, den durchscheinend punktierten Blättern gegen das Licht und dem roten Saft beim Zerreiben der Blüte. Zierarten wie Hypericum calycinum sind keine Heilpflanzen.
Sät sich aus
Vor der Samenreife im September zurückschneiden, wo es nicht hin soll.
Kippt bei fettem Boden
Mager halten, nach der Blüte schneiden.
Lichtempfindliche Haut nach Anwendung
Hypericin macht die Haut lichtempfindlich. Nach Rotöl keine Sonne, innerlich kein Solarium.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Johanniskraut innerlich schwächt viele Arzneimittel ab (Pille, Blutverdünner, Immunsuppressiva, Herzmittel). Nie ohne ärztlichen Rat.
In der Küche
Keine Küchenverwendung; die Blüten als Tee in kleinen Mengen.
Traditionell in der Hausapotheke
Johanniskrautöl (Rotöl) wird traditionell äußerlich bei leichten Hautentzündungen, kleinen Wunden, Sonnenbrand und Muskelschmerzen genutzt (HMPC). Innerlich bei leichter depressiver Verstimmung nur als standardisiertes Präparat und nach ärztlicher Rücksprache: Wechselwirkungen mit Pille, Blutverdünnern, Immunsuppressiva und vielen anderen; danach keine Sonne.