Laub im Garten richtig nutzen: Der Dünger, den du gerade zum Wertstoffhof fährst
Was im Herbst in Laubsäcken am Straßenrand steht, kaufst du im Frühjahr als Pflanzerde, Humus und Bodenaktivator zurück. Laub ist der Bodenverbesserer, den ein Baum ein ganzes Jahr lang produziert und dir kostenlos vor die Füße legt. Drei Verwendungen, zwei Ausnahmen, und wie aus einem Drahtring in zwölf Monaten Laubhumus wird.
Wann das dran ist
Erst wieder ab Anfang OktoberKnoblauch
Feldsalat
Brennnessel
Saison: Herbst. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
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Jedes Jahr Ende Oktober stehen in vielen Orten die braunen Säcke am Straßenrand. Zwanzig, dreißig Stück vor manchem Haus, prall gefüllt mit Ahorn, Linde und Birke, abgeholt vom Wertstoffhof, kompostiert, verkauft. Im April fahren dieselben Leute in den Baumarkt und laden Säcke mit Pflanzerde ein. Dazwischen liegt eine Umwandlung, die im eigenen Garten schneller, billiger und besser funktioniert, und die keinen Handgriff mehr kostet als das Einsacken.
Was Laub für den Boden ist
Ein ausgewachsener Baum wirft im Herbst zwischen zwanzig und fünfzig Kilo Laub ab. Darin steckt, was er im Sommer aus dem Boden gezogen und mit Sonnenlicht in Kohlenstoff verwandelt hat: Zellulose, Lignin, Mineralien, Spurenelemente. Im Wald fällt das alles auf den Boden und wird innerhalb eines Jahres von Pilzen, Springschwänzen, Asseln und Regenwürmern zu Humus umgebaut. Ein Buchenwald düngt sich seit Jahrtausenden ausschließlich mit seinem Laub.
Laub ist dabei kein Dünger im Sinne von Stickstoff, sondern der Baustoff für das, was im Boden zählt: Humus. Humus speichert Wasser wie ein Schwamm, hält Nährstoffe fest, macht schweren Lehm krümelig und leichten Sand bindig. Auf schwerem Lehm ist Laub oft das einzige Material, das in Mengen anfällt und den Boden von Jahr zu Jahr lockerer macht.
Erste Verwendung: Mulch auf den Beeten
Die einfachste Verwendung ist auch die wirksamste. Das Laub kommt auf die abgeernteten Gemüsebeete, unter Beerensträucher, auf Staudenrabatten und um das Wintergemüse.
Die Regel heißt: eine Handbreit, also fünf bis acht Zentimeter. Das reicht, um den Boden vor Regen, Frost und Austrocknung zu schützen, und ist dünn genug, dass Luft durchkommt. Dicker gemulcht verklebt das Laub zu einer nassen Matte, darunter fault es, und im Frühjahr liegt es immer noch da, kalt und sauer.
Bis zum Mai ist von der Handbreit fast nichts mehr zu sehen. Die Regenwürmer ziehen das Laub nachts in ihre Gänge, zerkleinern es und geben es als Wurmhumus wieder ab. Ein Beet mit Laubmulch hat im Frühjahr zwei- bis dreimal so viele Regenwürmer wie ein nacktes. Man kann es zählen, wenn man im April eine Grabegabel hineinsteckt.
Wichtig ist der Zeitpunkt bei Aussaaten. Auf ein Beet mit Feldsalat oder Spinat kommt das Laub erst, wenn die Pflanzen fünf Zentimeter hoch sind, sonst kommen die Keimlinge nicht durch. Um Knoblauch, der im Oktober gesteckt wird, ist eine Handbreit Laub genau richtig; die Spitzen finden im März von selbst hindurch. Mehr zur Schichtdicke bei verschiedenen Materialien steht im Artikel über das richtige Mulchen.
Bei Wind hilft es, das Laub mit etwas Rasenschnitt, ein paar Zweigen oder einem Spritzer Wasser zu beschweren. Trockenes Buchenlaub liegt sonst am nächsten Morgen beim Nachbarn.
Zweite Verwendung: Laubkompost im Drahtring
Wer mehr Laub hat, als auf die Beete passt, macht Laubhumus. Das ist etwas anderes als normaler Kompost: Laub allein verrottet langsam, kühl und vor allem durch Pilze statt Bakterien. Das Ergebnis nach einem Jahr ist ein dunkler, feiner, leicht saurer Humus mit wenig Nährstoffen, dafür mit hervorragender Struktur. Genau das braucht man für Anzuchterde, für Rhododendron und Heidelbeeren, zum Verbessern von schwerem Boden und als Zuschlag für Kübelerde.
So geht es:
- Drahtring aufstellen. Ein Stück Estrichgitter oder Maschendraht, etwa drei Meter lang und einen Meter hoch, zu einem Ring gebogen und mit Draht geschlossen. Durchmesser rund ein Meter. Platz: schattig, direkt auf der Erde, gern unter einem Baum.
- Laub einfüllen. Locker, immer wieder antreten, bis der Ring voll ist. Er sackt in den ersten Wochen auf die Hälfte zusammen, dann nachfüllen.
- Feucht halten. Der häufigste Grund für einen Laubhaufen, der nach zwei Jahren aussieht wie am ersten Tag, ist Trockenheit. Im Herbst regnet es meist genug, im Frühjahr und Sommer gießt du bei längerer Trockenheit durch. Eine Lage Rasenschnitt oder eine Schaufel fertiger Kompost oben drauf bringen Stickstoff und Mikroorganismen und beschleunigen alles.
- Ein Jahr vergessen. Im folgenden Herbst öffnest du den Ring. Oben liegt noch erkennbares Laub, unten ist dunkler, krümeliger Laubhumus. Den oberen Teil in den neuen Ring, den unteren durch ein grobes Sieb.
Zwei Ringe nebeneinander sind ideal: Einer wird gefüllt, einer reift. Wer schneller Ergebnisse will, fährt vor dem Einfüllen mit dem Rasenmäher über das Laub. Zerkleinert verrottet es in der halben Zeit. Im Kompost-Rechner siehst du, wie sich Laub als Braunmaterial mit Grünschnitt zu einem heißen Kompost mischen lässt, wenn du lieber nährstoffreichen Kompost willst als reinen Laubhumus.
Dritte Verwendung: Ein Haufen bleibt liegen
Ein Teil des Laubs kommt weder auf das Beet noch in den Ring, sondern einfach in die Ecke. Unter die Hecke, hinter den Schuppen, an den Zaun. Ein Haufen, mindestens einen halben Meter hoch, mit ein paar Zweigen obenauf gegen den Wind.
In diesem Haufen überwintern Igel, Erdkröten, Blindschleichen, Laufkäfer, Marienkäfer und Florfliegen. Die Florfliegenlarven fressen im nächsten Jahr Blattläuse, bevor du merkst, dass welche da waren. Die Laufkäfer holen sich Schneckeneier. Der Igel frisst im Mai, was du im Beet nicht haben willst. Ein Laubhaufen ist die günstigste Nützlingsförderung, die es gibt, und sie kostet keine Arbeit, sondern spart welche. Wie du daraus ein richtiges Winterquartier für den Igel machst, steht im eigenen Artikel, und warum der Garten im Herbst ohnehin nicht zu ordentlich werden sollte, im Beitrag über das Nicht-Aufräumen.
Der Haufen bleibt bis April unangetastet. Nicht umschichten, nicht kontrollieren, nicht im Februar abtragen. Wer im Frühjahr aufräumt, findet oft einen halb verrotteten Kern, der direkt auf die Beete kann.
Welches Laub sich wie verhält
Nicht jedes Laub ist gleich. Der Unterschied liegt im Gerbstoffgehalt und in der Blattdicke.
| Laub | Verrottung | Verwendung |
|---|---|---|
| Linde, Ahorn, Birke, Hasel, Esche, Obstbäume | Schnell, sechs bis zwölf Monate | Beetmulch, Laubkompost, alles |
| Buche, Hainbuche | Mittel, ein bis zwei Jahre | Laubkompost, Mulch unter Sträuchern |
| Eiche, Kastanie, Platane | Langsam, zwei bis drei Jahre, viele Gerbstoffe | Eigener Haufen, Mulch unter Hecken, für Heidelbeeren und Rhododendron |
| Walnuss | Langsam, enthält Juglon | Eigener Haufen, nicht auf Gemüsebeete, nach zwei Jahren unbedenklich |
| Pappel, Weide | Schnell | Alles, aber oft mit Pilzflecken |
| Nadelstreu | Sehr langsam, sauer | Nur für Moorbeetpflanzen und Wege |
| Kranke Blätter (Sternrußtau, Miniermotte, Gitterrost) | Träger von Krankheiten | Biotonne oder heißer Kompost |
Walnusslaub wird oft verteufelt. Das Juglon darin hemmt tatsächlich die Keimung, deshalb gehört es nicht frisch auf Gemüsebeete. Nach einem Jahr im eigenen Haufen ist es abgebaut, und der Humus ist so gut wie jeder andere.
Was nicht auf den Rasen gehört
Die eine Stelle, auf der Laub nicht bleiben darf, ist der Rasen. Unter einer Laubdecke fehlt den Gräsern das Licht, es bleibt nass, und Schneeschimmel und Fäulnis breiten sich aus. Im Frühjahr hast du gelbe, kahle Flecken. Also wird Laub vom Rasen gerecht, und zwar regelmäßig, nicht erst im Dezember.
Der beste Weg, es dabei gleich zu verwerten: mit dem Rasenmäher mit Fangkorb aufsammeln. Der Mäher zerkleinert das Laub, mischt es mit etwas Grasschnitt, und diese Mischung ist der ideale Beetmulch oder Kompoststart. Was du sonst noch im Herbst am Rasen tust, steht im Beitrag Rasen im Herbst.
Laub im Kompost und im Hochbeet
Laub ist im Kompost das Braunmaterial, das im Herbst fehlt, wenn die Küche Grünabfälle liefert und der Rasen nicht mehr wächst. Wer im Oktober einen neuen Haufen aufsetzt, schichtet zehn Zentimeter Laub mit zehn Zentimeter Küchenabfällen, Rasenschnitt oder Gründüngungsschnitt im Wechsel; das Verhältnis liegt bei etwa einem Teil Grün auf zwei bis drei Teile Laub. Ein Sack Laub neben dem Komposter ist deshalb der praktischste Vorrat des Winters: Auf jede Schüssel Kartoffelschalen kommt eine Handvoll Laub, und der Haufen stinkt nie. Die Regeln dazu stehen im Artikel über das richtige Anlegen eines Komposts.
Im Hochbeet ersetzt Laub die Schicht, die jedes Jahr fehlt. Ein Hochbeet sackt zehn bis fünfzehn Zentimeter pro Saison, und der Herbst ist der Moment, in dem das Material dafür kostenlos vor der Tür liegt: unten grober Astschnitt, darüber Laub und Grünschnitt im Wechsel, dann halbreifer Kompost, oben die alte Erde zurück. Bis März hat sich alles gesetzt und arbeitet. Die vollständige Schichtung steht in der Anleitung zum Nachfüllen des Hochbeets.
Ein dritter Ort, an dem Laub im Herbst arbeitet, ist der Boden unter Beerensträuchern und Obstbäumen. Johannisbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren sind Flachwurzler aus dem Waldrand und wollen genau das, was sie dort bekommen: eine dauerhafte Laubdecke, die im Sommer die Feuchtigkeit hält. Zehn Zentimeter unter den Sträuchern, eine Handbreit vom Stamm entfernt, und im nächsten Jahr gießt man dort halb so oft.
Häufige Fehler
Alles wegfahren. Der teuerste Fehler, weil du den Humus im Frühjahr zurückkaufst.
Zu dick gemulcht. Zwanzig Zentimeter Laub auf dem Beet werden zu einer nassen Matte. Eine Handbreit, der Rest in den Ring oder auf den Haufen.
Laubkompost trocken. Ein trockener Laubhaufen ist nach zwei Jahren noch ein Laubhaufen. Gießen, mit Grünschnitt oder Kompost impfen.
Laub mit Sauger und Bläser bearbeitet. Der Sauger häckselt Käfer, Spinnen und Kröten mit, der Bläser nimmt der Hecke die Bodendecke. Ein Fächerbesen ist schneller, als man denkt.
Kranke Blätter auf dem Beet. Rosenlaub mit Sternrußtau und Kastanienlaub mit Miniermotte zünden im nächsten Jahr die nächste Runde. Diese Blätter kommen in die Biotonne.
Im Frühjahr weggeräumt. Wer im März das restliche Laub von den Beeten harkt, nimmt den Würmern die Arbeit weg. Es verschwindet bis Mai von selbst.
Regionale Unterschiede
In feuchten Lagen im Norden und Westen verrottet Laub schneller, dort ist Mulch auf dem Beet im Frühjahr oft schon verschwunden. In trockenen Gegenden wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder den Trockengebieten im Süden liegt es länger und der Laubkompost braucht gelegentliches Gießen. In Höhenlagen fällt das Laub früher und der Boden ist früher gefroren; dort sollte der Mulch bis Ende Oktober liegen.
Fazit
Laub gehört in den Garten, nicht in den Sack. Eine Handbreit auf die Beete, der Rest in den Drahtring, und ein Haufen bleibt für die Tiere liegen. Im nächsten Herbst hast du Humus, den du nirgends kaufen kannst.
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Kann ich Laub direkt auf das Gemüsebeet legen?
Ja, das ist die einfachste und beste Verwendung. Eine Handbreit hoch, also fünf bis acht Zentimeter, auf die abgeernteten Beete und um Wintergemüse wie Grünkohl oder Lauch. Bei Aussaaten wie Feldsalat oder Spinat wartest du, bis die Pflanzen fünf Zentimeter hoch sind, sonst erstickt die Decke die Keimlinge.
Warum verrottet mein Laubhaufen nicht?
Meist ist er zu trocken oder zu dicht. Laub verrottet nur feucht und mit Luft. Den Haufen bei Trockenheit gießen, einmal im Frühjahr mit der Grabegabel lockern und eine Schaufel fertigen Kompost oder eine Lage Rasenschnitt untermischen, das bringt Stickstoff und Mikroorganismen. Eichen- und Walnusslaub brauchen ohnehin zwei Jahre.
Darf Laub von Straßenbäumen in den Garten?
Laub von ruhigen Wohnstraßen ist unbedenklich. Laub von stark befahrenen Straßen enthält Reifenabrieb und Schwermetalle; das kommt nicht auf das Gemüsebeet, allenfalls unter Ziersträucher. Laub aus dem Wald sollte dort bleiben, es fehlt dann im Wald.
Was mache ich mit Laub von kranken Bäumen?
Laub mit Pilzkrankheiten wie Sternrußtau an Rosen, Kastanienminiermotte oder Birnengitterrost gehört nicht auf das Beet und nicht in den Laubkompost, sondern in die Biotonne oder auf den heißen Kompost in der Mitte. Der Rest des Laubs darf bleiben.
Brauche ich einen Laubsauger?
Nein. Ein Laubbesen aus Kunststoff oder ein Fächerbesen aus Metall reicht für einen Garten unter tausend Quadratmetern. Laubsauger und -bläser töten Kleintiere, zerstören die Laubschicht unter Hecken und sind laut. Wer Laub häckseln will, fährt einmal mit dem Rasenmäher darüber.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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