Igel im Garten überwintern: Zwanzig Minuten, die ein Leben retten
Ein Igel braucht jetzt keinen Bausatz für vierzig Euro. Er braucht einen Haufen, und das Material liegt bereits im Garten. Ab Oktober suchen Igel ihr Winterquartier, und wer ihnen eines baut, ein Loch im Zaun lässt und die Milch weglässt, hat im Mai einen nächtlichen Mitbewohner, der Käfer, Raupen und auch die eine oder andere Schnecke frisst.
Wann das dran ist
Jetzt idealSchwarzer Holunder
Hagebutte (Hundsrose)
Saison: Herbst, Winter. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Ein Igel, der unter einer Haselhecke überwintert, braucht kein Haus. Er braucht einen Haufen, der im Oktober in zwanzig Minuten aufgeschichtet ist, aus dem Astschnitt vom Sommer und dem Laub, das ohnehin liegt. Gekaufte Igelhäuser mit Schindeldach stehen dagegen oft jahrelang ordentlich aufgestellt und leer. Igel suchen keinen Bausatz für vierzig Euro. Sie suchen das, was ihnen ein Wald geben würde, und das kostet nichts.
Was Winterschlaf bedeutet
Igel halten echten Winterschlaf, keinen Winterruhe-Schlummer wie Eichhörnchen. Ab November, wenn die Temperaturen dauerhaft unter fünf bis sechs Grad fallen, senken sie ihre Körpertemperatur auf wenige Grad, den Herzschlag von zweihundert auf unter zehn Schläge in der Minute, die Atmung auf einen Zug alle paar Minuten. Sie leben bis März oder April vom Fett, das sie im Herbst angefressen haben. Ein Igel, der in dieser Phase gestört wird und aufwacht, braucht Stunden und einen großen Teil seiner Reserven, um den Körper hochzufahren, und findet im Freien kein Futter, um sie zu ersetzen. Zwei, drei Störungen im Winter kosten ihn das Leben.
Deshalb hat das Winterquartier zwei Aufgaben: Es muss isolieren, damit die Temperatur nicht schwankt, und es muss in Ruhe gelassen werden. Beides erledigt ein Laubhaufen, wenn er richtig liegt.
Das Quartier in zwanzig Minuten
- Platz wählen. Eine ruhige, schattige, windgeschützte Ecke, unter einer Hecke, hinter dem Schuppen, an einer Mauer, am Kompost. Wichtig: Der Boden darf nicht unter Wasser stehen, und der Platz liegt abseits von Wegen, Terrasse und Hundeauslauf. Nicht in der prallen Wintersonne, die den Haufen tagsüber erwärmt und den Schlaf stört.
- Grundgerüst aus Ästen. Unten grobes Astwerk, Reisig und ein paar dickere Äste locker aufschichten, dreißig Zentimeter hoch. Das schafft Hohlräume, in die sich der Igel einwühlt, und lässt Luft zirkulieren, damit das Laub nicht fault. Ein umgedrehter Weidenkorb oder ein alter Holzkasten mit Eingang als Kern geht auch.
- Laub, viel Laub. Darüber trockenes Laub, mindestens einen halben Meter hoch, gern mehr. Buche, Eiche und Ahorn sind ideal, weil sie langsam verrotten und lange locker bleiben. Das Laub ist Polster, Isolierung und Nistmaterial; der Igel zieht es selbst zu einem festen Nest zusammen.
- Abdecken. Obenauf ein paar größere Äste, Reisig oder Zweige, damit der Wind das Laub nicht wegträgt. Bei sehr exponierten Plätzen eine Lage Reisig rundum.
- Fertig. Mehr braucht es nicht. Kein Dach, keine Folie, kein Karton. Folie hält Feuchtigkeit und Kälte im Haufen und ist das Schlechteste, was man tun kann.
Und dann der Teil, der genauso wichtig ist wie der Bau: Lass ihn in Ruhe. Nicht nachschauen, ob jemand eingezogen ist. Nicht umschichten. Nicht im Februar beim Aufräumen abtragen. Der Haufen bleibt bis Ende April liegen, und was dann übrig ist, kommt als Mulch auf die Beete. Wie das Laub sonst genutzt wird, steht im Artikel über Laub im Garten, und warum der Garten im Herbst ohnehin nicht aufgeräumt wird, im Beitrag über das Nicht-Aufräumen.
Drei Dinge, die Igel im Garten brauchen
Das Quartier ist der Winterteil. Für den Rest des Jahres braucht der Igel drei Dinge, ohne die er den Garten nur streift oder gar nicht erst betritt.
Ein Durchlass im Zaun. Igel laufen in einer Nacht ein bis zwei Kilometer und brauchen dafür mehrere Gärten. Ein Zaun ohne Loch, eine Mauer ohne Lücke bedeutet: Der Igel läuft an deinem Grundstück vorbei. Ein Loch von dreizehn mal dreizehn Zentimetern unten im Zaun, ein Spalt unter dem Gartentor, ein fehlendes Brett am Sichtschutz reicht. Am besten auf beiden Seiten des Gartens, damit er durchlaufen kann, und mit dem Nachbarn abgesprochen. In England heißt das Igelautobahn und ist eine Bewegung; hier ist es ein Handgriff mit der Stichsäge.
Eine flache Wasserschale, ganzjährig. Igel trinken viel, und in trockenen Sommern und frostigen Wintern finden sie kein Wasser. Eine flache Schale aus Steingut oder Ton, täglich frisch gefüllt, an einer geschützten Stelle, mit einem Stein darin, damit Insekten herausklettern können. Im Winter an einem frostfreien Platz. Milch gehört nie in die Schale: Igel vertragen keine Laktose und bekommen davon Durchfall, der sie schwächt.
Kein Mähroboter in Dämmerung und Nacht. Das ist die häufigste Verletzungsursache bei Igeln überhaupt. Igel fliehen nicht, sie rollen sich zusammen, und der Roboter fährt über sie, schneidet Stacheln, Haut, Nase und Beine. Die Tiere sterben oft Tage später an den Wunden. Mähroboter laufen nur bei Tageslicht, wenn Igel schlafen, und nie in der Dämmerung. Dazu: Freischneider am Heckenfuß erst nach dem Nachsehen, Kellerschächte abdecken, Teiche mit einem Ausstiegsbrett versehen, Netze nicht am Boden liegen lassen, kein Schneckenkorn mit Metaldehyd. Wie man Schnecken stattdessen reguliert, und zwar mit dem Igel, steht im Artikel über Schnecken ohne Chemie.
Füttern: Wann, was, was nicht
Ein gesunder, erwachsener Igel in einem naturnahen Garten braucht kein Futter. Er frisst Käfer, Larven, Regenwürmer, Schnecken, Spinnen und Aas, und ein Garten mit Laubhaufen, Totholz, Wiese und ohne Gift bietet genug. Im Spätherbst, wenn die Insekten weniger werden und Jungigel aus späten Würfen noch zunehmen müssen, hilft eine Futterstelle: Katzennassfutter ohne Soße, ungewürztes Rührei, spezielles Igelfutter, dazu Wasser. Es steht in einem Karton mit einem Eingang von dreizehn Zentimetern, damit Katzen nicht mitessen, und wird täglich frisch gegeben und morgens abgeräumt. Igel stehen unter besonderem Schutz: Sie dürfen nicht aus der Natur entnommen werden. Nur ein sichtbar hilfsbedürftiges Tier, tagaktiv, verletzt oder im Spätherbst unter fünfhundert Gramm, kommt vorübergehend in menschliche Obhut, am besten über eine Igelstation.
Was nicht in die Schale gehört: Milch, Obst, Nüsse, Rosinen, Brot, Speisereste, Hundefutter mit Getreide. Igel sind Insektenfresser, kein Allesfresser.
Ein Igel, der Anfang November unter 500 Gramm wiegt, schafft den Winter nicht allein. Wer ein so leichtes Tier findet, wiegt es, hält es tagsüber in einem Karton mit Handtuch und Wärmflasche warm, gibt Futter und Wasser und ruft eine Igelstation oder den Tierarzt an. Ein Igel über 600 Gramm, der nachts unterwegs ist, braucht nichts als Ruhe.
Was ein Igelgarten sonst noch hat
Ein Igel bleibt dort, wo er das ganze Jahr etwas findet. Das sind dieselben Strukturen, die auch die anderen Nützlinge brauchen: eine Hecke aus heimischen Sträuchern mit Holunder und Hundsrose, unter der Laub liegen bleibt, ein Totholzhaufen oder eine Benjeshecke, ein Stück ungemähte Wiese, ein Komposthaufen mit Regenwürmern, kein Gift im Beet und keine Steinwüste. Wer das hat, hat den Igel. Wer dazu noch Nisthilfen und ein Sandarium baut, hat den Naturgarten, wie er in der Übersicht Naturgarten anlegen beschrieben ist.
Häufige Fehler
Bausatz ohne Laub. Bleibt leer. Haufen, oder Haus unter Laub begraben.
Im Februar aufgeräumt. Der Igel wacht auf und findet kein Futter. Bis Ende April liegen lassen.
Nachgeschaut. Jede Störung kostet Reserven. Nicht anrühren.
Milch hingestellt. Durchfall, Schwächung. Wasser.
Zaun ohne Loch. Der Igel läuft vorbei. Dreizehn mal dreizehn Zentimeter.
Mähroboter nachts. Die häufigste Verletzung. Nur bei Tageslicht.
Folie über dem Haufen. Nass und kalt. Äste als Deckel.
Obst und Nüsse gefüttert. Igel sind Insektenfresser. Katzennassfutter ohne Soße, wenn überhaupt.
Regionale Unterschiede
In milden Lagen am Rhein und an der Küste gehen Igel oft erst im Dezember in den Winterschlaf und wachen im März auf; dort wird die Futterstelle bis in den Dezember gepflegt. In mittleren Lagen, den Mittelgebirgen und im Osten beginnt der Winterschlaf meist Anfang bis Mitte November, der Haufen sollte bis Ende Oktober stehen. In Höhenlagen liegt der Igel von Ende Oktober bis Mitte April; dort wird der Haufen größer gebaut, mindestens siebzig Zentimeter Laub. Was im Oktober sonst ansteht, steht im Gartenjahr für den Oktober.
Fazit
Astwerk, ein halber Meter Laub, Äste obenauf, ruhige Ecke, und dann bis April nicht anrühren: Das Igelquartier dauert zwanzig Minuten und kostet nichts. Dazu ein Loch im Zaun, eine Wasserschale und kein Mähroboter in der Nacht, und in deiner Gartenecke überwintert ein Tier, das im Mai nachts durch deine Beete zieht und Käfer, Raupen und Schnecken mitnimmt.
Das Thema als Video
Beim Abspielen wird eine Verbindung zu YouTube (youtube-nocookie.com) aufgebaut. Vorher lädt diese Seite nichts von Google.
Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Ich sehe im November tagsüber einen Igel. Was tun?
Ein Igel, der im November oder Winter am Tag unterwegs ist, hat meist ein Problem: zu leicht für den Winterschlaf, krank oder verletzt. Faustregel: Ein Jungigel unter 500 Gramm Anfang November schafft den Winter nicht. Wiegen mit der Küchenwaage, bei Untergewicht tagsüber in einem Karton mit Handtuch und Wärmflasche warm halten, Katzennassfutter und Wasser anbieten und eine Igelstation oder den Tierarzt anrufen. Ein Igel über 600 Gramm, der nachts unterwegs ist, braucht nichts außer Ruhe und Futter.
Soll ich Igel im Herbst füttern?
Gesunde, ausgewachsene Igel brauchen kein Futter, ein naturnaher Garten ernährt sie. Im Spätherbst, wenn Insekten knapp werden, hilft eine Futterstelle mit Katzennassfutter ohne Soße, ungewürztem Rührei oder speziellem Igelfutter jungen Tieren beim Zunehmen. Kein Obst, keine Nüsse, kein Brot, keine Milch. Das Futter steht in einem Karton mit Eingang, damit Katzen und Ratten nicht mitessen, und wird täglich frisch gegeben.
Reicht ein Igelhaus aus dem Handel?
Ein Haus allein reicht nicht. Igel wollen einen Haufen, in den sie sich einwühlen, mit Laub als Polster und Isolierung. Ein gekauftes oder selbst gebautes Haus aus Holz funktioniert, wenn es unter einer Hecke steht, mit Laub gefüllt und außen mit Laub und Ästen bedeckt ist. Ohne Laub bleibt es leer. Der Haufen allein ist genauso gut und kostet nichts.
Wann wachen Igel wieder auf?
Je nach Witterung zwischen März und April, wenn die Nächte dauerhaft frostfrei bleiben und die Tage wärmer werden. Dann sind sie ausgehungert und suchen sofort Nahrung und Wasser. Deshalb bleibt der Laubhaufen bis Ende April liegen, und die Wasserschale steht ab März wieder bereit. Wer im März Laub räumt, holt den Igel aus dem Schlaf, bevor es Futter gibt.
Was ist die größte Gefahr für Igel im Garten?
Mähroboter, die in Dämmerung und Nacht laufen. Igel rollen sich bei Gefahr zusammen, statt zu fliehen, und der Roboter schneidet ihnen Stacheln, Haut und Beine ab. Danach kommen Freischneider am Heckenfuß, offene Kellerschächte und Teiche ohne Ausstieg, Netze am Boden und Schneckenkorn mit Metaldehyd. Mähroboter nur tagsüber, Schächte abdecken, Ausstiegsbrett in den Teich.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
Passt dazu