Bauanleitungen · Bauanleitung
Sandarium bauen: Die Nisthilfe für die Wildbienen, die im Boden nisten
Der Großteil unserer Wildbienen nistet im Boden, nicht in Insektenhotels. Deshalb steht dein Hotel zur Hälfte leer, egal wie teuer es war. Was diese Arten brauchen, heißt Sandarium: ein Loch, ungewaschener Sand, Sonne. Wahrscheinlich das billigste Bauprojekt in deinem Garten.
Wann das dran ist
Erst wieder ab Anfang MärzThymian
Salbei
Saison: Herbst, Frühling. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Material
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Werkzeug
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Ein Insektenhotel an der Schuppenwand ist für viele das Erste, was sie für Wildbienen bauen, und es ist die Hälfte der Miete. Die andere Hälfte liegt zwei Meter weiter auf dem Boden: ein Loch, an einem Oktobernachmittag gegraben und mit Sand aus dem Baustoffhandel gefüllt. Im April darauf sitzen die ersten Sandbienen darauf, im zweiten Jahr ist die Fläche mit kleinen Löchern übersät. Das Hotel kostet um die sechzig Euro, das Sandarium um die vierzig, und im Sandarium wohnt ein Vielfaches.
Warum die meisten Insektenhotels halb leer bleiben
In Deutschland leben über 580 Wildbienenarten, und rund drei Viertel davon nisten im Boden. Sie graben Gänge in sandige, lehmige, sonnenwarme Erde, legen darin Brutzellen an, versorgen sie mit Pollen und verschließen sie. Ein Insektenhotel mit Bohrlöchern und Schilfhalmen erreicht die übrigen etwa fünfundzwanzig Prozent, die in Hohlräumen nisten, und die nur, wenn es richtig gebaut ist. Die Mehrheit fliegt am Hotel vorbei und sucht, was in der aufgeräumten Landschaft und im gemulchten Garten kaum noch existiert: offenen, besonnten, standfesten Sandboden.
Genau das ist ein Sandarium. Ein Loch, ungewaschener Sand, Sonne. Es ist wahrscheinlich das billigste Bauprojekt im Garten, es sieht nach einem Nachmittag fertig aus, und es funktioniert.
Das Wichtigste: Der richtige Sand
Alles andere am Sandarium ist Handarbeit, der Sand ist die Entscheidung. Er muss ungewaschen sein, mit Körnung null bis zwei Millimeter, und er muss noch Lehm- und Schluffanteile enthalten. Diese Feinanteile geben dem Sand Standfestigkeit: Ein Nistgang, den eine Sandbiene gräbt, bleibt darin stehen. Gewaschener Spielsand aus dem Baumarkt hat keine Feinanteile, rieselt beim Graben zusammen, und die Bienen geben auf.
Im Baustoffhandel oder in der Kiesgrube heißt der richtige Sand Mauersand, Grubensand, Füllsand oder Sand 0/2 ungewaschen. Ein Kubikmeter kostet dort zwischen zwanzig und fünfzig Euro plus Lieferung, oder man holt ihn mit Anhänger und Schaufel. Die Probe vor dem Kauf: Eine Handvoll feuchter Sand, in der Faust gepresst, soll als Klumpen zusammenhalten und beim Antippen zerfallen. Rieselt er sofort, fehlt der Lehm; bleibt er als Klumpen kleben wie Ton, ist es zu viel.
Wer lehmigen Gartenboden hat, kann ihn auch mischen: zwei Teile Spielsand, ein Teil lehmige Gartenerde, gesiebt. Das ist mehr Arbeit und weniger zuverlässig, funktioniert aber.
Der Platz
Sonne ist das zweite Kriterium. Bodennister brauchen Wärme, damit die Brut sich entwickelt, und sie brauchen einen Platz, der nach Regen schnell abtrocknet. Vollsonnig, nach Süden oder Südwesten offen, windgeschützt, kein Schatten von Bäumen und Sträuchern, kein stehendes Wasser. Ein Hang, eine Böschung oder ein leicht abschüssiges Stück Rasen ist ideal; in der Ebene wird die Fläche am Ende über das Bodenniveau aufgeschüttet, damit Wasser abläuft.
Und in der Nähe muss etwas blühen. Wildbienen fliegen selten weiter als zwei- bis dreihundert Meter zwischen Nest und Nahrung. Ein Sandarium neben einem Rasen mit Thuja bleibt leer. Ein Sandarium neben Wildblumen, Thymian, Glockenblumen, Natternkopf, Weidenkätzchen im März und Fetthenne im September wird voll. Erst Blüten, dann Wohnung; wie der Garten dafür aussieht, steht in der Übersicht Naturgarten anlegen.
Nach dem Bau: Nichts tun
Der schwerste Teil eines Sandariums ist die Pflege, weil sie im Nichtstun besteht. Nicht bepflanzen, nicht harken, nicht wässern, nicht als Sandkasten nutzen, nicht im Winter abdecken. Wenn Pflanzen einwandern, was sie tun, werden ein- bis zweimal im Jahr die größten herausgezogen, damit mindestens zwei Drittel der Fläche offen bleiben. Laub, das sich im Herbst sammelt, kommt im März herunter. Das ist alles.
Die Besiedlung beginnt im ersten Frühjahr mit einzelnen Sandbienen, die man an den kleinen Sandhäufchen neben den Löchern erkennt. Im zweiten und dritten Jahr kommen Furchenbienen, Seidenbienen, Pelzbienen, Grabwespen, Wegwespen und ihre Kuckucksbienen dazu, und die Fläche sieht im Juni aus wie ein winziges Krater-Feld. Wer daneben sitzt, kann zuschauen; keine dieser Arten sticht, keine verteidigt ein Volk.
Häufige Fehler
Spielsand. Rieselt, keine Besiedlung. Ungewaschener Sand mit Lehmanteil.
Zu flach. Unter dreißig Zentimeter erreicht der Frost die Brut. Fünfzig bis achtzig.
Schatten. Bodennister brauchen Sonne. Südseite, frei.
Bepflanzt. Wurzeln und Schatten. Zwei Drittel bleiben offen.
Aus Ordnung geharkt oder gewässert. Nester zerstört. In Ruhe lassen.
Keine Blüten im Umkreis. Leere Wohnung. Erst Nahrung.
Als Sandkasten genutzt. Für Kinder ein eigener Sandkasten daneben, für die Bienen die Ruhe.
Regionale Unterschiede
In warmen, trockenen Regionen wie dem Oberrhein, Brandenburg oder den Trockengebieten Süddeutschlands ist die Artenvielfalt an Bodennistern am größten und die Besiedlung geht schnell; dort reicht oft ein halber Quadratmeter. In feuchten, kühlen Lagen im Norden, Westen und in den Mittelgebirgen ist die Drainage wichtiger: Kies unten, deutlich über Bodenniveau aufgeschüttet, und die sonnigste Stelle, die es gibt. In Höhenlagen fliegen die Arten später und die Bauzeit verschiebt sich auf Anfang April. Was im Oktober sonst zu bauen ist, steht im Gartenjahr für den Oktober.
Fazit
Ein Loch von fünfzig bis achtzig Zentimetern, ungewaschener Sand mit Lehmanteil, lagenweise verdichtet, über Bodenniveau aufgeschüttet, Steine und Totholz am Rand, und dann nichts mehr tun: Das Sandarium erreicht die drei Viertel der Wildbienen, die jedes Insektenhotel verfehlt, und kostet einen Nachmittag.
Schritt für Schritt
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Platz wählen und abstecken
Such die sonnigste Stelle des Gartens, nach Süden oder Südwesten offen, windgeschützt, ohne Schatten von Bäumen und ohne Staunässe. Ein leicht abschüssiger Platz oder eine kleine Böschung ist ideal, weil Regenwasser abläuft. Steck mit Schnur eine Fläche von einem bis zwei Quadratmetern ab, gern unregelmäßig geformt. Nicht direkt an Wegen mit viel Betrieb, aber sichtbar genug, dass man zuschauen kann.
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Grube ausheben
Hebe die Fläche vierzig bis fünfzig Zentimeter tief aus; wer Kraft und Sand hat, geht auf achtzig, das sind aber schon 1,5 Tonnen Sand je Quadratmeter. Das ist der Teil, der Arbeit macht, der Rest ist einfach. Der Aushub geht auf ein Hügelbeet, in ein Hochbeet oder bildet hinter dem Sandarium einen kleinen Wall, der die Fläche nach Norden abschirmt. Bei schwerem Lehm unten zehn Zentimeter Kies oder Splitt als Drainage einbringen, damit kein Wasser steht.
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Den richtigen Sand besorgen
Entscheidend ist ungewaschener Sand mit Körnung null bis zwei Millimeter. Ungewaschen heißt, er enthält noch Lehm- und Schluffanteile, die dem Sand Standfestigkeit geben, sodass die Nistgänge nicht einstürzen. Frag im Baustoffhandel oder in der Kiesgrube nach Mauersand, Grubensand oder Füllsand. Gewaschener Spielsand rieselt zusammen und ist ungeeignet. Probe: Eine Handvoll feuchter Sand, in der Faust gepresst, soll als Klumpen zusammenhalten.
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Lagenweise einfüllen und verdichten
Fülle den Sand in Lagen von zehn bis fünfzehn Zentimetern ein, feuchte jede Lage mit der Gießkanne leicht an und drücke sie mit dem Stampfer oder einem Kantholz an. Nicht festbetonieren, nur so fest, dass ein mit dem Finger gebohrtes Loch stehen bleibt. So arbeitest du dich bis zur Oberkante hoch. Der Sand setzt sich in den ersten Wochen noch etwas.
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Oberfläche über Bodenniveau anhäufen
Die Oberfläche wird zehn bis zwanzig Zentimeter über das umgebende Bodenniveau aufgeschüttet und leicht gewölbt oder zur Sonne hin geneigt geglättet. So läuft Regenwasser ab und die Fläche trocknet schnell wieder. Eine leicht geneigte Südflanke ist für viele Arten der bevorzugte Nistplatz. Ränder mit der Hand glatt streichen, nicht scharfkantig.
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Steine, Totholz und Rand gestalten
Lege einige Natursteine, Ziegelbrocken und zwei bis drei Stücke Totholz an den Rand und teilweise in die Fläche. Sie speichern Wärme, dienen als Sonnenplätze, halten den Sand am Rand fest und bieten weiteren Arten Nistplätze. Ein paar Trockenpflanzen wie Sandthymian oder Fetthenne am äußeren Rand sind Nahrung und Struktur. Die Sandfläche selbst bleibt zu mindestens zwei Dritteln offen und unbepflanzt. Und dann: nichts mehr tun.
Was oft schiefgeht
- Gewaschener Spielsand verwendet: Die Gänge stürzen ein, keine Besiedlung. Nur ungewaschener Sand mit Lehmanteil.
- Zu flach gegraben: Unter dreißig Zentimetern bleiben die Nester zu warm und zu trocken oder werden vom Frost erreicht. Fünfzig bis achtzig Zentimeter.
- Schattiger Platz: Bodennister brauchen Wärme. Vollsonnig nach Süden.
- Fläche bepflanzt oder bewachsen gelassen: Wurzeln und Schatten machen den Sand unbrauchbar. Ein- bis zweimal im Jahr die größten Pflanzen herausziehen.
- Gewässert oder geharkt aus Ordnungsliebe: Zerstört die Nester. Das Sandarium wird in Ruhe gelassen.
- Keine Blüten in der Nähe: Wildbienen fliegen selten weiter als dreihundert Meter. Erst Nahrung, dann Wohnung.
Das Thema als Video
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Welche Wildbienen ziehen in ein Sandarium?
Sandbienen, Furchenbienen, Schmalbienen, Seidenbienen, Pelzbienen, Blutbienen als Kuckucksbienen, dazu Grabwespen und Wegwespen, die Blattläuse und Spinnen jagen. Viele davon sind spezialisiert und selten geworden, weil offene Sandflächen in der Landschaft fehlen. Die ersten Arten kommen meist im Frühjahr nach dem Bau, die Fläche wird über Jahre immer dichter besiedelt.
Ist ein Sandarium gefährlich für Kinder?
Nein. Wildbienen sind nicht aggressiv, die meisten Arten können mit ihrem Stachel menschliche Haut nicht durchdringen, und sie verteidigen kein Volk, weil sie einzeln leben. Man kann direkt daneben sitzen und zuschauen. Nur sollte die Fläche nicht als Sandkasten benutzt werden, das zerstört die Nester.
Muss ich das Sandarium im Winter abdecken?
Nein. Die Brut überwintert in fünfzehn bis fünfzig Zentimeter Tiefe, frostsicher, und schlüpft im Frühjahr. Regen, Schnee und Frost gehören dazu. Nur Laub, das sich im Herbst darauf sammelt, wird abgenommen, damit die Fläche im März offen und warm ist.
Kann ich ein Sandarium auch auf dem Balkon oder in einem Kübel anlegen?
In einer großen Zinkwanne, einem Mörtelkübel oder einem Pflanzkasten mit mindestens vierzig Zentimeter Tiefe und Abflusslöchern geht eine kleine Version: unten Kies, dann ungewaschener Sand, verdichtet, sonnig aufgestellt. Sie wird von kleineren Arten besiedelt und ist besser als jedes Balkon-Insektenhotel. Im Winter bleibt sie stehen.
Wann ist die beste Bauzeit?
Herbst oder zeitiges Frühjahr. Im Herbst gebaut setzt sich der Sand über Winter, und im März ist die Fläche bezugsfertig, wenn die ersten Sandbienen fliegen. Wer im Frühjahr baut, sollte bis Ende März fertig sein. Auch im Sommer funktioniert es, dann kommen die spät fliegenden Arten.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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