Was im Herbst stehen bleibt: Ein aufgeräumter Garten ist ein leerer Garten
Wenn dein Garten im November aussieht wie geleckt, hast du deine Nützlinge mit hinausgeräumt, und im Mai wunderst du dich über Blattläuse. Viele Helfer überwintern in dem, was wir für Unordnung halten: hohle Stängel, Laubhaufen, Totholz, Samenstände. Was bleibt, was geht, und warum die Natur im Frühjahr gründlicher aufräumt als wir.
Wann das dran ist
Erst wieder ab Anfang OktoberBrennnessel
Schwarzer Holunder
Hagebutte (Hundsrose)
Saison: Herbst, Winter. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Der Herbst ist die Jahreszeit, in der Gärten verschwinden. Stauden werden bodennah abgeschnitten, Laub abgesaugt, Totholz zum Wertstoffhof gefahren, Beete glatt geharkt, und Ende November sieht das Grundstück aus wie im Prospekt: sauber, leer, fertig. Was in diesem Bild fehlt, sind die Bewohner. Marienkäfer, Florfliegen, Wildbienen, Laufkäfer, Igel, Kröten, Zaunkönige. Sie haben in dem gewohnt, was weggeräumt wurde, und im Mai kommen die Blattläuse ohne ihre Gegenspieler.
Wer wo überwintert
Die meisten Nützlinge des Gartens überwintern in Strukturen, die wir für Unordnung halten. Eine kurze Liste, was in was wohnt:
| Struktur | Bewohner im Winter | Nutzen im Sommer |
|---|---|---|
| Hohle und markhaltige Stängel (Königskerze, Fenchel, Beifuß, Sonnenhut, Karde, Brombeere) | Wildbienen, Grabwespen, Schwebfliegen, Ohrwürmer | Bestäubung, Blattlaus- und Raupenjagd |
| Laubhaufen | Igel, Erdkröte, Blindschleiche, Laufkäfer, Marienkäfer, Florfliegen | Schnecken, Schneckeneier, Blattläuse |
| Totholz, Asthaufen, liegender Stamm | Käfer, Wildbienen, Zaunkönig, Spitzmaus, Pilze | Artenvielfalt, Schneckenfresser, Bodenaufbau |
| Samenstände (Karde, Sonnenhut, Fetthenne, Disteln, Gräser, Nachtkerze) | Stieglitz, Meise, Dompfaff, Gimpel als Futtergäste | Vögel, die im Mai Raupen sammeln |
| Steinhaufen, Trockenmauer | Eidechsen, Blindschleichen, Laufkäfer | Schnecken- und Insektenfresser |
| Ungemähter Wiesenstreifen | Schmetterlingspuppen, Heuschrecken, Raupen | Falter, Vogelnahrung |
| Efeu, Hecke, dichtes Gebüsch | Zaunkönig, Sperling, Meise als Schlafplatz | Brutplatz |
Wer alles davon entfernt, entfernt die Nützlinge des nächsten Jahres. Wer alles davon lässt, hat einen Garten, der sich im Mai zu einem großen Teil selbst reguliert. Dazwischen liegt der Kompromiss, den die meisten Gärten brauchen: Wege und Kanten sauber, Flächen dahinter stehen lassen.
Stauden stehen lassen: Der wichtigste Handgriff, weil er keiner ist
In den hohlen Stängeln von Königskerze, Fenchel, Beifuß, Sonnenhut und Wilder Karde sitzen im Winter die Brutzellen von Wildbienen und Grabwespen, in den Blattachseln Schwebfliegen und Ohrwürmer, an den Samenständen die Puppen von Faltern. Wer im Oktober alles bodennah abschneidet und auf den Kompost wirft, wirft eine ganze Generation weg. Stauden bleiben stehen. Geschnitten wird ab Mitte März, wenn die Insekten ausfliegen, und auch dann werden die Stängel gebündelt noch ein paar Wochen an eine sonnige Ecke gelegt, bis alles geschlüpft ist.
Dazu kommt, was jeder Gärtner im Winter sieht, wenn er es einmal zugelassen hat: Fetthenne, Sonnenhut und Gräser mit Raureif im Gegenlicht sind das Beste, was ein Garten im Januar zu zeigen hat. Ein leeres Beet ist nur leer.
Ausnahmen sind Stauden, die zusammenfallen: Funkien, Taglilien, Pfingstrosen, Storchschnabel. Sie bieten keine Stängel und dürfen im Herbst geräumt werden; ihr Laub bleibt als Mulch liegen.
Laubhaufen: Ein Haufen, mehr braucht es nicht
Igel, Erdkröten, Blindschleichen, Laufkäfer, Marienkäfer und Florfliegen brauchen ein frostfreies, trockenes Versteck, und ein Laubhaufen von einem halben Meter Höhe unter der Hecke, hinter dem Schuppen oder an der Mauer ist genau das. Ein paar Äste obendrauf gegen den Wind, und dann Ruhe bis April. Nicht nachschauen, nicht umschichten, nicht im Februar aufräumen. Die Florfliegenlarven, die im Mai aus diesem Haufen kommen, fressen Blattläuse, bevor du merkst, dass welche da waren. Wie das Laub sonst verwertet wird, steht im Artikel über Laub im Garten, und wie daraus ein Quartier für den Igel wird, im eigenen Beitrag.
Totholz: Das Artenreichste, was nichts kostet
Ein liegender Stamm, ein Haufen Astschnitt, ein alter Wurzelstock: Totholz ist Lebensraum für Hunderte Arten, von Pilzen über Käfer bis zu Wildbienen, die in alten Käfergängen nisten, und für den Zaunkönig, der im Geäst brütet. Es kostet nichts, macht keine Arbeit und wird jedes Jahr wertvoller. Der Astschnitt vom Februar wird deshalb nicht weggefahren, sondern zur Benjeshecke geschichtet oder als Haufen in eine Ecke gelegt. Ein sonniger Asthaufen ist außerdem der beste Platz für Eidechsen, ein schattiger für Kröten.
Samenstände: Das Vogelfutter, das am Beet hängt
Karde, Sonnenhut, Fetthenne, Disteln, Nachtkerze, Wilde Möhre, Gräser: Ihre Samenstände sind von November bis Februar die Futterstellen für Stieglitz, Meise, Dompfaff und Gimpel. Ein Stieglitzschwarm an den Karden im Dezember ist ein Bild, für das man kein Futterhaus braucht. Die Samenstände bleiben stehen, bis sie leer sind oder der März kommt, und was im Frühjahr aussamt, ist der Nachwuchs für das nächste Beet. Dasselbe gilt für die Beeren an Holunder, Hagebutte, Weißdorn und Schlehe, weshalb die Hecke im Herbst nicht geschnitten wird; die Gründe stehen im Artikel zum Heckenschnitt.
Was du trotzdem entfernst
Nicht alles darf bleiben. Kranke Pflanzenteile sind die Ausnahme, und bei ihnen ist Gründlichkeit richtig.
- Kraut- und Braunfäule an Tomaten und Kartoffeln: gesamte Pflanze samt Früchten in die Biotonne (notfalls Restmüll), nicht auf den Kompost.
- Monilia an Kirsche, Zwetschge und Apfel: die eingetrockneten Fruchtmumien vom Baum und vom Boden absammeln. Sie sind die Infektionsquelle des nächsten Jahres.
- Birnengitterrost, Sternrußtau an Rosen, Kastanienminiermotte: das befallene Laub entfernen und entsorgen, das übrige Laub bleibt.
- Kohlstrünke mit Kohlhernie: samt Wurzel raus, Biotonne, vier Jahre kein Kohl auf dem Beet.
- Wurzelunkräuter wie Giersch, Quecke und Winde: die Wurzeln kommen nicht auf den Kompost.
- Abgeerntetes Gemüse: über dem Boden abschneiden, Wurzeln bleiben im Boden, das Kraut wird gehäckselt gemulcht oder kompostiert, sofern gesund.
Dazu kommen die Arbeiten, die mit Ordnung nichts zu tun haben: Wasserleitungen entleeren, Regentonne leeren oder frostsicher machen, Werkzeug reinigen und ölen, Kübel einräumen. Das ist Winterfestmachen. Der Rest ist Aufräumen, und das kann warten. Was im November sonst ansteht, steht im Gartenjahr für den November.
Häufige Fehler
Stauden im Oktober bodennah abgeschnitten. Eine Wildbienengeneration auf dem Kompost. Stehen lassen bis März.
Laub abgesaugt. Der Laubsauger häckselt Käfer, Spinnen und Kröten. Fächerbesen, und das Laub bleibt im Garten.
Totholz weggefahren. Das artenreichste Element des Gartens auf dem Wertstoffhof. Haufen oder Benjeshecke.
Kranke Pflanzen auf den Kompost. Braunfäule und Monilia sind im nächsten Jahr wieder da. Biotonne, nicht der eigene Kompost.
Igelhaus statt Haufen. Das gekaufte Haus bleibt oft leer, der Laubhaufen wäre bewohnt gewesen. Wer eines hat: Laub drüber.
Im Februar aufgeräumt. Der schlimmste Termin: Die Tiere sind noch drin und es ist noch kalt. Mitte März.
Regionale Unterschiede
In milden Lagen am Rhein und an der Küste fliegen die ersten Wildbienen Ende Februar, dort kann ab Anfang März geschnitten werden. In mittleren Lagen und den Mittelgebirgen ist Mitte bis Ende März richtig, in Höhenlagen Anfang April. Wer in einem Neubaugebiet mit strenger Nachbarschaft wohnt, arbeitet mit sauberen Kanten und einem geschnittenen Vorgarten; der Naturgarten liegt dann hinter dem Haus, und die Tiere finden ihn trotzdem. Was ein Garten mit diesen Strukturen im Ganzen leistet, steht in der Übersicht Naturgarten anlegen.
Fazit
Stauden stehen lassen, Laub und Totholz liegen lassen, Samenstände hängen lassen, nur Krankes entfernen: Das ist die ganze Herbstarbeit im Naturgarten, und sie ist eine Stunde kürzer als das Aufräumen. Ein aufgeräumter Garten ist im November leer. Ein stehen gelassener ist im Mai voll.
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Wann darf ich die Stauden dann schneiden?
Ab Mitte März, wenn die ersten warmen Tage kommen und die Insekten ausfliegen. Wer ganz sicher gehen will, schneidet die Stängel auf zwanzig bis dreißig Zentimeter ab und lässt die Stummel stehen, oder legt die abgeschnittenen Stängel gebündelt an eine sonnige Stelle, bis alles geschlüpft ist. Der Neuaustrieb überwächst die Reste in wenigen Wochen.
Sieht das nicht unordentlich aus?
Es sieht anders aus. Ein Beet mit Raureif auf Samenständen, mit Gräsern im Gegenlicht und Vögeln an den Karden ist im Winter lebendiger als jede leere Fläche. Wer Struktur will, schneidet die Wege und Kanten sauber und lässt die Flächen dahinter stehen. Ein gerader Rasenschnitt vor einem wilden Beet wirkt gewollt.
Was ist mit Stauden, die zusammenfallen und matschig werden?
Hosta, Taglilien, Pfingstrosen und Storchschnabel fallen im Herbst in sich zusammen und bieten keine Stängel zum Überwintern. Sie dürfen im Herbst abgeräumt werden, das Laub bleibt aber als Mulch liegen. Standfeste Stauden mit hohlen oder markhaltigen Stängeln bleiben: Sonnenhut, Fetthenne, Königskerze, Fenchel, Wilde Karde, Beifuß, Astern, Gräser.
Muss ich kranke Pflanzen wirklich in die Biotonne geben?
Bei Kraut- und Braunfäule an Tomaten und Kartoffeln, Monilia an Obst, Kohlhernie, Birnengitterrost und Sternrußtau ja: in die Biotonne, deren Kompostwerk heiß genug arbeitet, oder, wo es keine gibt, in den Restmüll. Echter Mehltau ist die Ausnahme, seine Sporen überdauern auf dem Kompost nicht. Der eigene Kompost wird selten heiß genug, um die Sporen abzutöten, und im nächsten Jahr sind sie wieder im Beet. Mehltau an Zucchini und Gurken ist weniger problematisch, weil die Pilze auf lebendem Gewebe überwintern müssen.
Was mache ich mit dem Laub auf den Beeten und im Rasen?
Auf den Beeten und unter Sträuchern bleibt es liegen, eine Handbreit hoch. Vom Rasen kommt es runter und wandert auf die Beete oder auf den Laubhaufen. Ein Laubhaufen unter einer Hecke oder hinter dem Schuppen ist das Winterquartier für Igel und Kröten und wird bis April nicht angerührt.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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