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Kübelpflanzen überwintern: Warum die meisten drinnen sterben und nicht im Freien

Viele Kübelpflanzen sterben nicht am Frost. Sie sterben im Winterquartier, weil sie zu früh hineinkamen, zu warm stehen und zu viel Wasser bekommen. Der richtige Zeitpunkt, die richtige Reihenfolge und eine Übersicht, welche Pflanze welches Quartier braucht.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht 9 Min. Lesezeit Einsteiger Dauer: Ein Nachmittag für zehn Kübel

Wann das dran ist

Erst wieder ab Anfang Oktober

Rosmarin

Thymian

Salbei

Saison: Herbst, Winter. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.

Olive, Rosmarin und Zitrus stehen in Kübeln im Morgennebel vor einer kühlen offenen Tür.
Olive, Rosmarin und Zitrus im Morgennebel: Kühle Nächte sind das Signal, das die Pflanzen für die Winterhärte brauchen.

Anfang September kommt die erste kühle Nacht, acht, neun Grad, Nebel über den Beeten. Am nächsten Morgen wandern in vielen Straßen die Oleander ins Treppenhaus. Das ist gut gemeint und der erste Schritt in Richtung einer Pflanze, die im Januar Blätter abwirft, Schildläuse bekommt und im März tot ist. Kübelpflanzen sterben selten im Freien. Sie sterben drinnen, und der Fehler beginnt beim Zeitpunkt.

Warum zu früh schlimmer ist als zu spät

Eine Pflanze muss sich auf den Winter vorbereiten dürfen. Kühle Nächte im September und Oktober sind das Signal, den Stoffwechsel herunterzufahren, Wasser aus den Zellen zu ziehen, Zucker einzulagern und das Holz reifen zu lassen. Erst dann ist sie für die Ruhe im Quartier bereit. Wer sie im September bei zehn Grad einräumt, nimmt ihr genau dieses Signal. Sie steht dann im Oktober bei achtzehn Grad im Haus, wächst weiter, bildet weiche, lichthungrige Triebe und ist bei Beginn des Winters genauso empfindlich wie im Sommer, nur ohne Licht.

Dazu kommt: Olive, Feige, Lorbeer und Granatapfel werden durch leichte Fröste härter. Ein paar Nächte um minus zwei Grad schaden ihnen nicht, sie helfen. Ein Rosmarin an einer geschützten Südwand kann bis etwa minus fünf Grad im Freien bleiben und ist danach robuster als einer, der im Oktober ins Haus kam.

Die einfache Regel lautet deshalb: Erst rein, wenn die Temperatur es verlangt, nicht wenn es ungemütlich wird. Für die Robusten heißt das: bis zum ersten angekündigten Frost im Freien bleiben. Für die Empfindlichen heißt es: bei Nächten unter fünf Grad (Zitrus, Bougainvillea, Engelstrompete) beziehungsweise unter zehn Grad (Hibiskus, Dipladenia) hinein. Die Tabelle unten ordnet das, und dann geht es in der richtigen Reihenfolge.

Die Reihenfolge beim Einräumen

Kübelpflanzen sind nicht gleich empfindlich. Wer sie nach ihrer Frosttoleranz einräumt, hat drei Termine statt einem und lässt jede so lange im Freien wie möglich.

GruppePflanzenEinräumen beiQuartier
Sehr empfindlichBougainvillea, Hibiskus, Dipladenia, Wandelröschen, Fuchsie, Engelstrompete, Zitrus, ZylinderputzerNächte unter 5 Grad angekündigtHell, 5 bis 12 Grad; Hibiskus und Dipladenia auch warm und hell
EmpfindlichOleander, Schmucklilie (Agapanthus), Kübel-Palmen (Hanfpalme im Topf), Enzianstrauch, BleiwurzErste Frostnacht angekündigt, um 0 GradHell, 2 bis 10 Grad, Oleander auch dunkel bei 0 bis 5 Grad
RobustOlive, Feige, Lorbeer, Granatapfel, Rosmarin, Erdbeerbaum, KamelieDauerfrost unter minus 3 bis minus 5 Grad angekündigtHell, 0 bis 8 Grad, Garage mit Fenster, ungeheiztes Treppenhaus
Bleiben im FreienBuchs, Hortensie, Rose, Bambus, Salbei, Lavendel, Thymian, Zwerggehölze, GräserNieTopf einpacken, an die Hauswand, auf Holz oder Styropor

Die Gruppe „Bleiben im Freien” ist die größte und wird am häufigsten falsch behandelt. Winterharte Pflanzen im Topf frieren nicht an der Krone, sondern am Ballen: Im Beet schützt der umgebende Boden die Wurzeln, im Topf friert der Ballen von allen Seiten durch. Deshalb kommt der Topf in Kokosmatte, Jute oder Luftpolsterfolie gewickelt an eine geschützte Wand, auf ein Holzbrett oder Styropor, damit er nicht am Boden festfriert, und wird an frostfreien Tagen gegossen. Immergrüne wie Buchs brauchen auch im Winter Wasser, sie sterben häufiger an Trockenheit als an Kälte.

Drei Fehler im Winterquartier

Erstens: zu warm. Die meisten mediterranen Pflanzen wollen fünf bis zehn Grad. Bei achtzehn Grad im Wohnzimmer verbrauchen sie im Dunkeln ihre Reserven, treiben blasse Geiltriebe, werfen Blätter ab und werden von Schildläusen, Spinnmilben und Weißer Fliege besiedelt, die in trockener Heizungsluft explodieren. Das richtige Quartier ist kühl: ein ungeheiztes Treppenhaus, eine Garage mit Fenster, ein kühler Keller mit Licht, ein Wintergarten ohne Heizung, ein frostfreies Gewächshaus. Wer nur warm kann, stellt so hell wie möglich, gießt sehr sparsam und lüftet oft.

Zweitens: zu dunkel für Immergrüne. Wer Blätter behält, braucht Licht, sonst wirft er sie ab. Olive, Zitrus, Lorbeer, Oleander und Rosmarin brauchen ein Fenster. Nur laubabwerfende Pflanzen wie Feige, Engelstrompete, Fuchsie und Granatapfel dürfen dunkel stehen, sobald sie das Laub verloren haben; sie ruhen dann komplett und brauchen fast nichts.

Drittens: gießen wie im Sommer. Bei fünf bis zehn Grad verbraucht eine Pflanze einen Bruchteil des Sommerbedarfs. Wer weiter jede Woche gießt, hat nach vier Wochen einen nassen, kalten Ballen, in dem die Wurzeln ersticken und faulen. Der häufigste Todesgrund im Quartier ist nicht Kälte, sondern Wurzelfäule. Gegossen wird, wenn die Erde einige Zentimeter tief trocken ist, meist alle zwei bis vier Wochen, wenig, und nie in den Untersetzer.

So räumst du richtig ein

  1. Kontrollieren. Blätter oben und unten auf Schildläuse, Spinnmilben, Blattläuse und Weiße Fliege absuchen. Befall im Quartier breitet sich aus. Abbrausen, bei Schildläusen mit einem Tuch abwischen, stark befallene Triebe abschneiden.
  2. Zurückschneiden, was zu groß ist, um ein Drittel, aber nicht mehr. Bei Oleander und Zitrus lieber im Frühjahr schneiden. Verblühtes und Krankes raus.
  3. Abtrocknen lassen. Nicht mit nassem Ballen einräumen; ein trockener Ballen fault nicht.
  4. Unkraut und Laub aus dem Topf, Untersetzer leeren.
  5. Stellen: hell und kühl, mit Abstand zueinander, damit Luft zirkuliert. Nicht direkt an die Heizung, nicht direkt an eine kalte Außentür, wo es zieht.
  6. Thermometer mit Minimum-Anzeige daneben. Was nachts passiert, sieht man sonst nicht.
  7. Alle zwei Wochen kontrollieren: Schädlinge, Feuchtigkeit, gelbe Blätter. Lüften an milden Tagen.

Gedüngt wird im Winter nicht. Ab März, wenn das Licht zurückkommt, beginnt man langsam wieder.

Die Kräuter im Topf

Rosmarin ist das häufigste Opfer unter den Kübelkräutern und stirbt auf zwei Arten: im warmen Wohnzimmer an Trockenheit und Schildläusen, oder im Freien an Frosttrocknis, wenn der gefrorene Ballen kein Wasser liefert und die Wintersonne die Nadeln austrocknet. Der richtige Platz ist hell und kühl, fünf bis zehn Grad, mit einem Schluck Wasser alle drei Wochen. Harte Sorten wie Arp oder Veitshöchheim überstehen an geschützter Südwand im eingepackten Topf auch kalte Winter in mittleren Lagen, wenn man sie an frostfreien Tagen gießt und bei Sonne schattiert.

Salbei und Thymian bleiben im Freien, eingepackt, auf Holz, an der Wand. Sie brauchen keinen Rückschnitt vor dem Winter, die alten Triebe schützen. Lorbeer kommt hell und kühl ins Haus, Zitronenverbene wirft das Laub ab und darf dunkel bei fünf Grad stehen, Basilikum ist einjährig und wird geerntet, nicht überwintert. Wie man die Kräuter vor dem Einräumen noch für den Winter haltbar macht, steht im eigenen Artikel.

Zitrus, Olive, Feige: Die drei Sonderfälle

Zitrus ist die anspruchsvollste Kübelpflanze. Sie will fünf bis zwölf Grad und viel Licht; steht sie warm und dunkel, wirft sie alle Blätter. Der Ballen darf nicht kalt und nass stehen, sonst sterben die Wurzeln, während die Krone im Licht weiterarbeitet. Deshalb den Topf auf Styropor stellen, damit die Wurzeln nicht kälter sind als die Blätter. Gießen mit temperiertem Wasser, sehr sparsam.

Olive ist zäh. Bis minus fünf Grad bleibt sie im Freien, danach hell und kühl. Sie verträgt auch null Grad im Quartier. Gegossen wird alle drei bis vier Wochen. Wer ein frostfreies Gewächshaus hat, hat den idealen Platz.

Feige wirft das Laub und ruht. Sie darf dann dunkel bei null bis fünf Grad stehen, in der Garage oder im Keller, und braucht bis März fast kein Wasser. Ausgepflanzt an einer Südwand überstehen robuste Sorten wie Brown Turkey oder Bornholm in mittleren Lagen mit Winterschutz die meisten Winter.

Was im Oktober sonst noch ansteht, vom Laub bis zum Knoblauch, steht im Gartenjahr für den Oktober.

Winterschutz für alles, was im Freien bleibt: Schritt für Schritt

Die Töpfe, die im Freien bleiben, brauchen ihren Schutz vor dem ersten Dauerfrost, in mittleren Lagen also spätestens Ende November.

  1. Standort wechseln. An eine Hauswand, möglichst nach Osten oder Norden. Die Südwand ist im Winter der schlechteste Platz, weil die Sonne den gefrorenen Ballen tagsüber anwärmt und die Krone zum Verdunsten zwingt, während die Wurzeln kein Wasser liefern. Das ist die Frosttrocknis, an der Buchs, Rosmarin und Bambus sterben.
  2. Vom Boden hochstellen. Auf Holzlatten, Styroporplatten oder Topffüße, damit der Topf nicht am Boden festfriert und Wasser ablaufen kann. Untersetzer weg.
  3. Topf einpacken. Kokosmatte, Jutesack, Luftpolsterfolie oder ein alter Wollpullover, mit Schnur fixiert. Isoliert wird der Topf, nicht die Pflanze; die Krone von Buchs, Salbei oder Gräsern bleibt frei.
  4. Erde abdecken. Eine Schicht Laub, Rindenmulch oder Tannenzweige auf die Topferde gegen das Durchfrieren von oben und gegen Austrocknung.
  5. Empfindliche Kronen einhüllen, bei Hortensien, jungen Rosen und Kamelien: Vlies oder Jute locker über die Pflanze, nie Plastikfolie, darunter schwitzt und schimmelt es.
  6. Gießen nicht vergessen. An frostfreien Tagen alle zwei bis drei Wochen ein wenig Wasser, vor allem für Immergrüne. Ein trockener Ballen friert schneller und tiefer als ein leicht feuchter.
  7. Töpfe zusammenrücken. Eine Gruppe von Töpfen schützt sich gegenseitig; die Außenseite bekommt den dicksten Mantel.

Ab Ende Februar werden die Hüllen an milden Tagen gelockert und im März ganz entfernt, damit sich unter der Verpackung kein Schimmel bildet und die Pflanzen den Frühling mitbekommen.

Häufige Fehler

Im September eingeräumt. Die Pflanze bekommt kein Abhärtungssignal und ist im Quartier so empfindlich wie im Juli.

Wohnzimmer. Zu warm, zu dunkel, zu trocken. Schildläuse, Blattfall, Tod im Februar.

Gießen wie im Sommer. Wurzelfäule ist Todesursache Nummer eins im Winterquartier.

Winterharte Töpfe ohne Schutz. Der Ballen friert durch. Einpacken, auf Holz stellen, an die Wand.

Immergrüne im Dunkeln. Olive, Lorbeer und Zitrus werfen ohne Licht alle Blätter.

Im Frühjahr zu früh in die Sonne. Nach fünf Monaten Halbschatten verbrennen die Blätter in zwei Tagen. Erst schattig, dann sonnig.

Kein Thermometer. Viele Garagen fallen nachts unter null, viele Treppenhäuser sind über fünfzehn Grad. Ohne Minimumanzeige weiß man es nicht.

Regionale Unterschiede

In mittleren Lagen und den Mittelgebirgen liegt der erste Frost meist zwischen Mitte Oktober und Anfang November, Dauerfrost kommt im Dezember. In milden Lagen am Rhein, am Bodensee und an der Nordsee stehen Olive und Feige oft bis Dezember im Freien und überwintern eingepackt an der Hauswand ganz ohne Quartier. In Höhenlagen über 700 Metern räumt man zwei bis drei Wochen früher ein, und die Gruppe „Bleiben im Freien” bekommt einen dickeren Mantel.

Fazit

Erst bei angekündigtem Frost einräumen, dann kühl und hell, und im Winter fast nicht gießen. Wer diese drei Regeln hält, verliert im Quartier keine Pflanze mehr. Wer sie bricht, verliert die Pflanze nicht an den Winter, sondern an die Fürsorge.

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Häufige Fragen

Wann muss ich meine Kübelpflanzen reinholen?

Wenn für die kommenden Nächte Frost angekündigt ist, in mittleren Lagen meist zwischen Mitte Oktober und Anfang November. Empfindliche Arten wie Zitrus und Bougainvillea kommen bei angekündigten Nächten unter fünf Grad hinein, robuste wie Olive, Feige und Lorbeer erst bei minus drei bis minus fünf Grad. Eine einzelne kühle Nacht im September ist kein Grund.

Kann ich Kübelpflanzen im Wohnzimmer überwintern?

Mediterrane Pflanzen nicht. Bei zwanzig Grad und wenig Licht treiben sie weiche, blasse Triebe, werfen Blätter ab und bekommen Schildläuse und Spinnmilben. Sie brauchen fünf bis zehn Grad. Nur echte Tropenpflanzen wie Hibiskus oder Dipladenia vertragen ein warmes, helles Zimmer.

Wie oft gieße ich im Winterquartier?

So selten wie möglich. Bei fünf bis zehn Grad verbraucht die Pflanze fast kein Wasser; alle zwei bis vier Wochen ein Schluck, wenn die Erde einige Zentimeter tief trocken ist, reicht meist. Der Ballen darf nie nass stehen. Im Dunkeln überwinterte laubabwerfende Pflanzen brauchen noch weniger.

Was ist mit Rosmarin, Salbei und Lavendel im Topf?

Alle drei sind bedingt winterhart. Im Beet überstehen sie milde Winter, im Topf friert der Ballen aber durch. Rosmarin im Topf kommt an eine geschützte Wand oder in ein kühles, helles Quartier. Salbei und Lavendel bleiben im Freien, der Topf wird in Vlies oder Jute gewickelt und auf Holz oder Styropor gestellt. Nie im Winter schneiden.

Wann kommen die Pflanzen im Frühjahr wieder raus?

Ab Ende März an milden Tagen zur Gewöhnung, nachts wieder rein, endgültig nach den Eisheiligen Mitte Mai. Erst in den Schatten, dann in die Sonne, sonst verbrennen die Blätter. Mit dem Ausräumen beginnt auch das normale Gießen und Düngen.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Bayerische Gartenakademie (LWG): Wann müssen Kübelpflanzen ins Winterquartier?
  2. Gartenakademie Rheinland-Pfalz: Kübelpflanzen überwintern
  3. Royal Horticultural Society: Overwintering tender plants – wrapping
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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