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Permakultur

Bodenleben aufbauen: Warum der Spaten im Herbst mehr zerstört als der Winter

In einer Handvoll gesunder Erde leben mehr Organismen, als es Menschen auf diesem Planeten gibt. Viele Gärtner schaden ihnen jeden Herbst mit dem Spaten, ohne es zu merken. Was beim Umgraben passiert, was stattdessen funktioniert, und wie ein Boden Schritt für Schritt lebendiger wird.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit Einsteiger Dauer: Eine Stunde je zehn Quadratmeter im Herbst, dann Ruhe

Wann das dran ist

Erst wieder ab Anfang Oktober

Brennnessel

Erbse

Saison: Herbst, Frühling. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.

Hand hält krümelige dunkle Erde mit Regenwurm und weißem Pilzgeflecht.
Krümel, Regenwurm und weißes Pilzgeflecht: So sieht ein Boden aus, der nicht gewendet wird.

Umgraben fühlt sich richtig an. Das Beet sieht danach ordentlich aus, dunkel, glatt, man hat etwas geschafft, und der Rücken bestätigt es. Viele machen das jahrelang, jeden Herbst, auf schwerem Lehm, und wundern sich jeden Frühling, warum der Boden hart wie Beton ist. Der Boden ist nicht hart, weil zu wenig gegraben wurde. Er ist hart, weil gegraben wurde.

Der Boden ist ein Haus mit Stockwerken

Boden ist keine Masse, in die man Pflanzen steckt. Er ist ein Gebäude mit Stockwerken, in denen unterschiedliche Bewohner leben. In den oberen fünf bis zehn Zentimetern arbeiten die Organismen, die Sauerstoff brauchen: Bakterien, die Laub zersetzen, Springschwänze, Milben, Asseln, die Pilze der Streuschicht. Darunter, in zwanzig, dreißig Zentimetern, leben andere, die mit wenig Sauerstoff zurechtkommen und die ihn zum Teil nicht vertragen. Dazwischen ziehen Regenwürmer ihre Gänge, senkrecht, bis in zwei Meter Tiefe, und schaffen den Austausch.

Wenn du umgräbst, tauschst du die Stockwerke. Die Bewohner von oben landen unten, wo ihnen die Luft fehlt, die von unten landen oben, wo sie nicht hingehören. Nicht alle sterben, aber beide Gruppen werden empfindlich gestört und brauchen Wochen bis Monate, um sich neu zu ordnen, und der Boden ist bis Juni damit beschäftigt, seine Ordnung wiederherzustellen, statt deine Pflanzen zu ernähren. In einer Handvoll gesunder Erde leben mehr Organismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Ein Spatenstich sortiert sie um.

Was der Spaten zerreißt: Mykorrhiza

Der zweite Schaden ist unsichtbar und größer. Die meisten Gartenpflanzen leben mit Mykorrhiza-Pilzen zusammen: Pilzfäden, die in die Wurzeln hineinwachsen und von dort in den Boden hinaus, ein Netz, das die Reichweite einer Wurzel um das Hundertfache erweitert. Die Pilze holen Wasser und Phosphor aus Bereichen, an die keine Wurzel kommt, und bekommen dafür Zucker von der Pflanze. Ein Beet mit intakter Mykorrhiza braucht weniger Wasser, weniger Dünger und hat gesündere Pflanzen. Das ist keine Theorie, das ist mit dem bloßen Auge sichtbar: die weißen Fäden an Laubresten und Wurzeln, wenn man im Herbst eine Handvoll Erde aus einem ungestörten Beet nimmt.

Diese Netze brauchen eine ganze Saison, um sich aufzubauen. Ein Spatenstich zerreißt sie, ein Herbst voller Spatenstiche zerstört sie flächig. Im Frühjahr fängt der Aufbau von vorn an, und die Tomaten im Juni haben ein halbes Pilznetz statt eines ganzen.

Drei Dinge statt umgraben, alle im Herbst

Erstens: Lockern, nicht wenden. Wo der Boden verdichtet ist, kommt die Grabegabel oder der Sauzahn zum Einsatz. Grabegabel senkrecht einstechen, hin und her wippen, herausziehen, zwanzig Zentimeter weiter dasselbe. Der Boden wird belüftet, Risse entstehen, die Schichten bleiben, wo sie sind. Der Sauzahn zieht mit seinem gebogenen Zinken eine Rille durch den Boden und lockert in fünfzehn Zentimeter Tiefe, ohne etwas nach oben zu holen. Beides dauert ein Drittel der Zeit des Umgrabens und schont den Rücken.

Zweitens: Von oben füttern. Kompost, Laub, Mulch werden auf den Boden gelegt, nicht eingearbeitet. Das ist die Waldregel: Im Wald arbeitet niemand das Laub unter, und der Waldboden ist der fruchtbarste, den es gibt. Die Regenwürmer holen sich das Material nachts von der Oberfläche, ziehen es in ihre Gänge, zerkleinern und verdauen es und geben es als Wurmhumus in genau den Schichten ab, in denen die Wurzeln es brauchen. Sie machen dabei bessere Arbeit als jede Fräse, und sie verlangen dafür nichts als Futter. Eine Handbreit Laub oder zwei Zentimeter Kompost im Herbst, und im Mai ist beides verschwunden. Wie viel und was, steht im Artikel über das richtige Mulchen.

Drittens: Wurzeln im Boden lassen. Abgeerntete Pflanzen werden über dem Boden abgeschnitten, nicht herausgezogen. Die Wurzel bleibt, verrottet über Winter und hinterlässt einen Kanal, in dem im Frühjahr Wasser versickert, Luft eindringt und die nächste Wurzel ihren Weg findet. Bei Bohnen und Erbsen sitzt in den Knöllchen an den Wurzeln zusätzlich der Stickstoff, den sie im Sommer gesammelt haben; wer sie herauszieht, wirft ihn weg. Ein Beet nach Bohnen mit belassenen Wurzeln ist im Frühjahr ohne Zutun gedüngt.

Dazu kommt, was kein Herbst auslassen sollte: Der Boden bleibt bedeckt. Mit Gründüngung, deren Wurzeln den Boden erschließen und die Pilze füttern, oder mit Mulch. Nackter Boden im Winter verliert Struktur und Bewohner, egal ob er gegraben wurde oder nicht.

Was das Bodenleben sonst noch braucht

Neben Ruhe und Futter von oben sind es drei Dinge.

Feuchtigkeit. Ein trockener Boden ist ein toter Boden; Regenwürmer ziehen sich bei Trockenheit in die Tiefe zurück und stellen die Arbeit ein. Mulch hält die Feuchtigkeit, und im Sommer wird gründlich und selten gegossen statt täglich oberflächlich.

Vielfalt an Wurzeln. Jede Pflanzenart füttert andere Bodenorganismen. Mischkultur, Fruchtfolge und Gründüngung mit verschiedenen Familien halten das Bodenleben vielfältig. Ein Beet, auf dem drei Jahre nur Kohl stand, hat ein einseitiges, erschöpftes Bodenleben.

Kein Gift, kein Salz. Mineraldünger in hohen Gaben wirkt auf Bodenorganismen wie Salz, Fungizide treffen die Mykorrhiza direkt. Wer Kompost, Mulch und Jauche aus Brennnesseln oder Beinwell nutzt, braucht beides nicht.

Und Zeit. Ein Boden, der zehn Jahre gegraben wurde, braucht zwei bis drei Jahre, um wieder ein Gefüge zu bilden. Das erste Jahr sieht man wenig, im zweiten kommen die Würmer, im dritten krümelt der Lehm, wenn man ihn in die Hand nimmt.

Der Spatentest: In fünf Minuten wissen, wo du stehst

Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr sticht man einen Spaten voll Erde, zwanzig Zentimeter tief, aus dem Beet und legt ihn auf eine Plane. Dann schaut man hin.

MerkmalLebendiger BodenErschöpfter Boden
Regenwürmer je SpatenstichZehn und mehr, verschiedene GrößenUnter drei
StrukturZerfällt in bohnen- bis erbsengroße KrümelZerfällt in Platten, Klumpen oder Staub
WurzelnFeine, weiße Wurzeln bis in die Tiefe, oft mit weißem PilzgeflechtWenige, dicke, oft nur oberflächlich
FarbeDunkelbraun bis schwarz in den oberen zehn ZentimeternHellbraun, grau, gleichmäßig
GeruchNach Wald, Pilzen, feuchtem LaubNach nichts, muffig oder sauer
WasserSickert nach Regen in Minuten einSteht in Pfützen oder läuft ab

Wer im ersten Herbst wenige Würmer findet, hat keinen schlechten Garten, sondern eine Ausgangslage. Im zweiten Herbst nach Mulch, Kompost und ohne Spaten sind es doppelt so viele. Der Kompost-Rechner hilft, aus dem Herbstmaterial den Kompost zu machen, der das Bodenleben von oben füttert; die Regeln dafür stehen im Beitrag über den Kompost.

Häufige Fehler

Umgraben, weil man es immer so gemacht hat. Stockwerke getauscht, Pilznetz zerrissen, Boden im Frühjahr verschlämmt. Lockern statt wenden.

Kompost eingearbeitet. Er gehört obenauf, die Würmer holen ihn sich. Eingegraben fehlt oben das Futter und unten die Luft.

Wurzeln herausgezogen. Die Kanäle und der Stickstoff der Hülsenfrüchte gehen verloren. Abschneiden, Wurzel bleibt.

Nackter Boden über Winter. Verschlämmt, verkrustet, verliert Nährstoffe. Gründüngung oder Mulch.

Aus Gewohnheit gekalkt. Ohne Bodentest schadet Kalk häufiger, als er nützt.

Auf nassem Boden gearbeitet. Tritte und Werkzeug verdichten nassen Lehm für Jahre. Nur bearbeiten, wenn die Erde nicht am Stiefel klebt.

Mit Bodenaktivator statt mit Futter. Organismen ohne Nahrung verschwinden. Kompost und Mulch sind der Aktivator.

Regionale Unterschiede

Auf schwerem Lehm wie in vielen Lagen Süddeutschlands, im Voralpenland oder in Niedersachsens Marschen ist der Verzicht auf den Spaten am wichtigsten und die Umstellung dauert am längsten; hier hilft im ersten Jahr eine tief wurzelnde Gründüngung wie Ölrettich oder Winterroggen, die den Boden von innen aufbricht. Auf Sandböden in Brandenburg oder Ostwestfalen ist die Frage weniger die Verdichtung als der Humus: Dort zählt vor allem das Füttern von oben, weil Sand Humus schnell abbaut. Was im Oktober sonst ansteht, steht im Gartenjahr für den Oktober, und die Grundlagen zum Boden in der Übersicht Gesunder Gartenboden.

Fazit

Lockern statt wenden, von oben füttern statt einarbeiten, Wurzeln im Boden lassen und den Boden bedecken: Das ist die ganze Herbstarbeit für einen Boden, der lebt. Ein guter Boden wird nicht gemacht. Er wird nicht gestört.

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Häufige Fragen

Muss ich schweren Lehmboden nicht doch umgraben?

Nein, gerade Lehm nicht. Umgraben bringt bei schwerem Boden kurzfristig Luft und langfristig Verdichtung, weil die Struktur zerfällt und die Feinteile beim nächsten Regen die Poren verschließen. Lehm wird locker durch Humus, Regenwürmer und Wurzeln: Kompost obenauf, Mulch, Gründüngung mit tiefen Wurzeln wie Ölrettich oder Roggen, und im Frühjahr die Grabegabel zum Lockern ohne Wenden. Nach etwa drei Jahren krümelt er von selbst.

Was ist mit einem neuen Beet auf Rasen?

Auch da braucht es keinen Spaten. Rasen mähen, unbedruckte Pappe überlappend auflegen, darauf zehn Zentimeter Kompost und Mulch, und im Frühjahr direkt hineinpflanzen. Das ist das Prinzip der Flächenkompostierung oder des No-dig-Beets: Die Grasnarbe verrottet unter der Pappe, die Würmer ziehen den Kompost ein, und der Boden darunter bleibt in seiner Schichtung.

Wie erkenne ich, ob mein Boden lebt?

Der Spatentest: Einen Spaten voll Erde ausstechen und auf eine Plane legen. Zählt man mehr als zehn Regenwürmer, ist der Boden gut, unter drei ist er arm. Dazu die Krümelstruktur: Gute Erde zerfällt in bohnengroße Krümel, schlechte in Platten oder Staub. Weißes Pilzgeflecht an Wurzeln und Laubresten ist Mykorrhiza. Und der Geruch: Lebendiger Boden riecht nach Wald, toter nach nichts oder muffig.

Hilft Kalk dem Bodenleben?

Nur bei tatsächlich saurem Boden unter pH 6, und das zeigt ein einfacher Bodentest. Kalk auf neutralem Boden schadet: Er setzt Humus frei, blockiert Spurenelemente und verändert das Bodenleben. Wer düngen will, düngt mit Kompost und Mulch, die den pH-Wert von selbst in den günstigen Bereich bringen.

Was bringen gekaufte Bodenaktivatoren und Mikroorganismen?

In der Regel wenig, weil die enthaltenen Organismen ohne Futter und Struktur sofort wieder verschwinden. Das Bodenleben kommt von allein, wenn es Nahrung von oben, Feuchtigkeit und Ruhe hat. Eine Schaufel Erde aus einem gesunden Beet oder aus dem Wald als Impfung tut dasselbe wie das Produkt, und Kompost ist der beste Aktivator, den es gibt.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Umweltbundesamt: Bodenschutz im Alltag
  2. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Bedeutung des Humus für die Bodenfruchtbarkeit
  3. Thünen-Institut: Bodenorganismen – das Universum unter unseren Füßen
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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