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Permakultur · Grundlagen

Permakultur im eigenen Garten: Vom Prinzip zum Beet, ohne Dogma und ohne Bagger

Permakultur klingt nach Aussteigerhof und Lehmhaus. In Wirklichkeit ist sie eine Art, den eigenen Garten so anzulegen, dass er mit jedem Jahr weniger Arbeit macht und mehr bringt: Boden, der sich selbst düngt, Pflanzen, die zusammenarbeiten, Wasser, das bleibt, und Tiere, die mitgärtnern. Diese Seite ist das Nachschlagewerk dazu, vom ersten Prinzip bis zum ersten Beet.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht 13 Min. Lesezeit Einsteiger
Kräuterspirale aus Trockenmauersteinen mit Thymian und Salbei, dahinter ein Holzkomposter.
Kräuterspirale, dichte Mischkultur, Mulch und Totholz: Ein Permakulturgarten sieht nicht nach System aus, aber er ist eines.

Viele kommen über einen Umweg zur Permakultur: über einen Garten, der jedes Jahr mehr Arbeit macht und weniger bringt. Umgraben, düngen, gießen, spritzen, jäten, wieder umgraben. Der Lehm wird härter, die Schnecken mehr, der Kohl kleiner. Irgendwann zeigt sich, dass das System selbst das Problem ist, nicht der Einsatz, und der Garten lässt sich anders denken: nicht als Fläche, auf der man Pflanzen hält, sondern als System, in dem Boden, Pflanzen, Wasser und Tiere zusammenarbeiten, wenn man sie lässt. Das ist Permakultur, und diese Seite schreibt sie ohne Ideologie und ohne Bagger für einen normalen Hausgarten auf.

Was Permakultur ist, und was nicht

Das Wort stammt von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren, die in den 1970er Jahren aus „permanent agriculture” die Permakultur machten: eine dauerhafte, sich selbst erhaltende Landwirtschaft nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme. Ein Wald wird nicht gedüngt, nicht gegossen, nicht gejätet und trägt trotzdem jedes Jahr. Die Frage der Permakultur ist, wie ein Garten das auch kann.

Permakultur ist deshalb keine Technik und keine Sammlung von Bauanleitungen, auch wenn Hügelbeet und Kräuterspirale die bekanntesten Bilder sind. Sie ist eine Planungsmethode mit ein paar Grundsätzen:

  • Beobachten, bevor man handelt. Wo ist Sonne, Schatten, Wind, Nässe, Trockenheit? Was wächst von selbst? Ein Jahr Beobachtung spart zehn Jahre Fehler.
  • Kreisläufe schließen. Nichts verlässt den Garten, was ihn ernähren kann: Laub, Schnitt, Küchenabfälle, Regenwasser.
  • Jedes Element hat mehrere Funktionen. Die Hecke ist Windschutz, Vogelnährgehölz, Beerenlieferant, Schnittgutquelle und Sichtschutz zugleich.
  • Jede Funktion wird von mehreren Elementen erfüllt. Wasser kommt aus Regentonne, Mulch, Humus und Teich; fällt eines aus, tragen die anderen.
  • Mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie. Schnecken werden nicht vergiftet, sondern von Igeln gefressen; Blattläuse nicht gespritzt, sondern von Florfliegen gejagt.
  • Klein anfangen, langsam wachsen. Ein Beet, das funktioniert, dann das nächste.

Was Permakultur nicht ist: ein Verzicht auf Ertrag, ein wilder Garten ohne Plan, eine Religion. Ein Permakulturgarten kann ordentlich aussehen, viel Gemüse liefern und auf dreißig Quadratmetern in einer Reihenhaussiedlung liegen.

Erstes Prinzip: Beobachten

Der erste Schritt ist der, den alle überspringen: ein Jahr lang hinsehen. Wo steht die Sonne im Juni um zwölf, wo im Dezember? Welche Ecke ist nach Regen als letzte trocken, welche zuerst? Woher kommt der Wind, der die Tomaten umlegt? Wo liegt der Schnee am längsten? Wo wachsen von selbst Brennnesseln (fetter Boden), wo Moos (Schatten, Verdichtung), wo Ackerschachtelhalm (Staunässe), wo Kamille (Verdichtung)? Wo laufen die Wege, die man ohnehin geht?

Das alles kommt in eine Skizze, mit Himmelsrichtungen, Sonnenverlauf, Nässe, Wind, vorhandenen Bäumen und Wegen. Wer im Herbst anfängt, hat bis zum nächsten Herbst das Bild. Wer nicht warten will, fragt Nachbarn, die seit zwanzig Jahren dort gärtnern, und schaut sich den Boden mit dem Spatentest an, der im Beitrag über das Bodenleben beschrieben ist.

Zweites Prinzip: Zonen

Permakultur ordnet den Garten nach Nutzungshäufigkeit in Zonen, von der Haustür nach außen. Was man täglich braucht, liegt nah; was man einmal im Jahr braucht, liegt weit. Das klingt banal und ist eine der wirksamsten Planungsregeln überhaupt, weil sie darüber entscheidet, ob man den Garten benutzt oder nur besitzt.

ZoneAbstand vom HausWas hin gehörtWie oft man dort ist
0Haus, Terrasse, BalkonKräuter in Töpfen, Keimsprossen, Regentonne, KompostsammlerTäglich
1Direkt am Haus, wenige SchritteKräuterbeet, Salat, Tomaten, Hochbeet, Wurmkiste, WasserstelleTäglich
2Der eigentliche NutzgartenGemüsebeete, Beerensträucher, Kompost, Gewächshaus, FrühbeetMehrmals wöchentlich
3DahinterObstbäume, Kartoffeln, Kürbis, Lagergemüse, Hühner, WieseWöchentlich
4RandbereichWildhecke, Benjeshecke, Totholz, Nussbaum, BrennnesseleckeMonatlich
5Ganz hinten oder eine EckeWildnis, die man in Ruhe lässt: Laubhaufen, Steinhaufen, Sandarium, WildblumenwieseNur zum Schauen

In einem Reihenhausgarten sind das keine Kreise, sondern Streifen von der Terrasse zur Hecke, und Zone 5 ist eine Ecke von vier Quadratmetern. Trotzdem gilt: Die Kräuter stehen an der Tür, nicht hinten am Zaun, und der Kompost liegt dort, wo man den Eimer hinträgt, nicht dort, wo er nicht stört. Die Zonen erklären auch, warum so viele Gemüsebeete verwildern: Sie liegen in Zone 3, und man kommt nicht hin.

Drittes Prinzip: Der Boden ist die Grundlage

Alles in der Permakultur beginnt mit dem Boden, weil ein lebendiger Boden die Arbeit übernimmt, die man sonst mit Dünger, Gießkanne und Hacke erledigt. Vier Regeln, alle im eigenen Artikel ausführlich:

Nicht umgraben. Der Spaten zerstört die Bodenschichten und das Pilzgeflecht. Gelockert wird mit der Grabegabel, gewendet nie. Warum, steht im Beitrag über das Bodenleben.

Dauerhaft bedecken. Der Boden ist nie nackt: im Sommer Mulch, im Winter Gründüngung oder Laub. Die Regeln zur Schichtdicke stehen im Artikel über das richtige Mulchen.

Von oben füttern. Kompost, Laub, Mulch werden aufgelegt, die Regenwürmer arbeiten sie ein. Der Kompost kommt aus dem Garten selbst, nach den Regeln aus dem Beitrag über den Kompost.

Wurzeln drin lassen. Abgeerntete Pflanzen werden abgeschnitten, nicht gezogen.

Wer nur diese vier Regeln umsetzt und sonst nichts, hat nach drei Jahren einen anderen Garten. Alles Weitere in der Übersicht Gesunder Gartenboden.

Viertes Prinzip: Wasser bleibt im Garten

Regen, der vom Dach in den Kanal läuft, ist verlorenes Wasser, und Leitungswasser aus der Gießkanne ist teures. Permakultur hält das Wasser im Garten, und zwar an vier Stellen.

Im Boden. Humus speichert das Fünffache seines Gewichts an Wasser; ein Boden mit fünf Prozent Humus kommt nach einem Regen deutlich länger ohne Gießen aus als einer mit einem Prozent. Dieser Humus entsteht allerdings über Jahre, nicht über Wochen; Mulch und Kompost sind der Weg dorthin. Mulch verhindert die Verdunstung. Beides zusammen halbiert das Gießen.

In der Tonne. Eine Regentonne je Fallrohr, im ersten Jahr, mit Filter. Dreihundert Liter je Tonne, verbunden mit Überlauf in die nächste. Regenwasser ist weicher, wärmer und kostenlos.

In der Fläche. Wege und Terrassen aus Kies, Rasengittersteinen oder Splittfugen statt Beton lassen Regen versickern. Eine flache Mulde am tiefsten Punkt, mit Stauden bepflanzt, nimmt Starkregen auf und gibt ihn langsam ab. Auf Hängen laufen Beete quer zum Gefälle.

Im Teich. Ein kleiner Teich, auch eine eingegrabene Zinkwanne, ist Wasserspeicher, Tränke für Vögel und Igel und Kinderstube für Kröten, die Schnecken fressen. Mit flachem Ufer und Ausstieg.

Gegossen wird dann gründlich und selten, morgens, unter den Mulch, an die Wurzel. Ein Tontopf im Boden, ein Tropfschlauch, eine Gießrinne bringen das Wasser dorthin, wo es hingehört.

Fünftes Prinzip: Pflanzen arbeiten zusammen

Im Wald steht nichts allein. Im Permakulturgarten auch nicht. Drei Werkzeuge ordnen das Beet.

Mischkultur. Pflanzen, die sich ergänzen, stehen zusammen: Möhren und Zwiebeln halten sich gegenseitig die Fliegen fern, Tomaten und Basilikum, Kohl und Sellerie, Bohnen und Bohnenkraut, Kürbis und Mais mit Bohnen als das alte „Drei Schwestern”-System der Irokesen, bei dem der Mais die Rankhilfe ist, die Bohne den Stickstoff bringt und der Kürbis den Boden deckt. Was zu wem passt, zeigt der Mischkultur-Planer.

Fruchtfolge. Jedes Jahr wandert alles eine Position weiter, von Starkzehrer über Mittelzehrer und Hülsenfrüchte zur Gründüngung, damit sich Krankheiten nicht anreichern und der Boden nicht einseitig ausgelaugt wird. Der Plan dazu steht im Artikel über die Fruchtfolge.

Dauerkulturen. Der Kern der Permakultur: Pflanzen, die man einmal setzt und jahrzehntelang erntet. Beerensträucher, Obstbäume, Rhabarber, Spargel, Artischocke, Topinambur, Meerrettich, Winterheckenzwiebel, Ewiger Kohl, Schnittknoblauch, Bärlauch, Haselnuss, Walnuss, Kräuter wie Thymian und Salbei, Wildpflanzen wie Holunder und Brennnessel. Sie brauchen keine Aussaat, keine Anzucht, keinen Beetwechsel, und ihre Wurzeln bleiben jahrelang im Boden. Ein Garten, der zur Hälfte aus Dauerkulturen besteht, macht halb so viel Arbeit wie einer, der jedes Jahr neu gesät wird.

Dazu kommen die Pflanzen, die nur für das System da sind: Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen als Stickstoffsammler, Beinwell und Brennnessel als Dünger- und Mulchpflanzen, Ringelblume und Tagetes gegen Nematoden, Phacelia und Borretsch für die Bestäuber, Wilde Möhre und Dill als Schwebfliegenweide. Sie werden nicht geerntet, aber sie arbeiten.

Sechstes Prinzip: Tiere gärtnern mit

Der Permakulturgarten hat keine Schädlinge, sondern ein Gleichgewicht, und das Gleichgewicht wird von Tieren gehalten, die man einlädt. Igel und Laufkäfer gegen Schnecken, Florfliegen und Marienkäfer gegen Blattläuse, Meisen gegen Raupen, Wildbienen für die Bestäubung, Kröten und Blindschleichen für alles am Boden, Regenwürmer für den Boden selbst. Jeder von ihnen braucht Quartier, Nahrung und Ruhe, und alle drei sind billig: ein Laubhaufen, ein Totholzhaufen, ein Steinhaufen, ein Sandarium, eine Nisthilfe, eine Hecke, ein Stück Wiese, eine Wasserstelle, kein Gift. Wie das aussieht, steht in der Übersicht Naturgarten anlegen; der Naturgarten ist die Tierseite der Permakultur.

Wer Platz hat, geht weiter: Hühner, die Küchenabfälle in Eier und Dünger verwandeln und im Herbst die Beete umkratzen; Laufenten gegen Schnecken; Bienen für Honig und Bestäubung. Alle drei sind Nutztiere mit Pflichten und gehören in Zone 3, nicht an die Terrasse.

Siebtes Prinzip: Kreisläufe schließen

Nichts verlässt den Permakulturgarten, was ihn ernähren könnte. Laub wird nicht weggefahren, sondern gemulcht und kompostiert. Astschnitt wird nicht gehäckselt und entsorgt, sondern zur Benjeshecke oder zum Hochbeetkern. Küchenabfälle gehen in den Kompost oder die Wurmkiste. Regenwasser bleibt in Tonne und Boden. Pflanzenreste bleiben als Mulch auf dem Beet. Was der Garten hergibt, geht in die Küche, und was die Küche übrig lässt, geht zurück in den Garten.

Das ist der Unterschied zum konventionellen Garten, der Dünger, Erde, Rindenmulch und Wasser kauft und Laub, Schnitt und Abfälle wegfährt. Der Permakulturgarten importiert am Anfang Kompost und Saatgut und danach fast nichts mehr. In einem eingespielten Garten beschränken sich die Zukäufe nach einigen Jahren oft auf Saatgut, etwas Sand und gelegentlich Stroh.

Der Plan für das erste Jahr

Permakultur beginnt mit einem Beet, nicht mit dem ganzen Garten. Ein realistischer Plan für zwölf Monate:

  1. Herbst, Monat eins: Beobachtungsskizze anfangen. Regentonne an das Fallrohr. Kompost anlegen mit Laub und Grünschnitt. Alle Beete mulchen oder mit Gründüngung einsäen, nichts umgraben. Den Zettel für die Fruchtfolge schreiben.
  2. Herbst, Monat zwei: Ein neues Beet ohne Spaten anlegen: Pappe auf den Rasen, Kompost, Mulch. Wildhecke oder erste Dauerkulturen pflanzen: zwei Beerensträucher, ein Holunder, eine Hundsrose. Laubhaufen in die hinterste Ecke.
  3. Winter: Beetplan mit Zonen zeichnen, Saatgut samenfester Sorten bestellen, ein Sandarium und eine Nisthilfe bauen, das Beobachtungsblatt füllen.
  4. Frühjahr: Mulchdecke von den Beeten ziehen, mit der Grabegabel lockern, Mischkultur nach Plan säen und pflanzen, ab Mitte Mai wieder mulchen. Kräuterecke in Zone 1 anlegen.
  5. Sommer: Gründlich und selten gießen, laufend mulchen, Brennnesseljauche für die Starkzehrer, beobachten, was funktioniert und was nicht. Beikraut als Mulch liegen lassen.
  6. Herbst, Monat zwölf: Fruchtfolge fortschreiben, Beobachtungsskizze auswerten, das zweite Beet anlegen. Spatentest: mehr Würmer als vor einem Jahr.

Nach diesem Jahr weiß man, wo Sonne, Nässe und Wind sind, hat lebendigen Boden in einem Beet, Regenwasser in der Tonne, Kompost im Haufen und die ersten Dauerkulturen im Boden. Alles Weitere ist Wiederholung und Ausdehnung. Die Details für jeden Monat stehen im Gartenjahr.

Die bekannten Bauformen, und wann sie sinnvoll sind

Hügelbeet, Kräuterspirale, Hochbeet, Waldgarten, Keyhole-Beet: Die Bilder aus den Büchern sind Werkzeuge für bestimmte Standorte, keine Pflicht.

BauformSinnvoll wennWeniger sinnvoll wenn
HügelbeetViel Ast- und Strauchschnitt, schlechter oder nasser Boden, kühle Lage; das verrottende Holz heizt und speichert WasserTrockene Lage ohne Bewässerung, wenig Material, kleiner Garten
KräuterspiraleMediterrane und feuchteliebende Kräuter auf zwei Quadratmetern, Steine vorhandenKräuter passen ohnehin in Zone 1 an die Südwand
HochbeetSchlechter Boden, Rückenprobleme, Schneckendruck, Wühlmäuse, kleine FlächeGroßer Garten mit gutem Boden, wenig Material zum Befüllen
Waldgarten mit Bäumen, Sträuchern, Stauden in StockwerkenGrößeres Grundstück, Geduld, Interesse an Obst und NüssenKleiner Garten, Bedarf an viel Gemüse
Schlüssellochbeet mit Kompostkorb in der MitteTrockene Lage, Küchenabfälle direkt im Beet verwertenNasse Lage, viel Fläche

Die Anleitung für das Hochbeet steht in der Übersicht Hochbeet: Bauen, Füllen, Bepflanzen. Für alles andere gilt: erst schauen, ob der Standort es braucht.

Permakultur und Selbstversorgung

Permakultur ist die Methode, Selbstversorgung das Ziel, das viele damit verbinden. Beides passt zusammen, muss aber nicht: Ein Permakulturgarten kann ein Ziergarten sein, und Selbstversorgung geht auch konventionell, mit mehr Arbeit. Wer beides will, findet den realistischen Einstieg in der Übersicht Selbstversorgung und die Vorratshaltung in Ernte haltbar machen. Die Kombination ist das, was auf dieser Seite gemeint ist: ein Garten, der mit jedem Jahr weniger Arbeit macht und mehr Essen liefert.

Zehn Begriffe, die dir begegnen werden

Die Permakulturliteratur hat ein eigenes Vokabular. Die Begriffe, die in Gesprächen, Büchern und Kursen am häufigsten fallen, kurz erklärt:

Zonen. Die Einteilung des Gartens nach Nutzungshäufigkeit, von Zone 0 am Haus bis Zone 5 als Wildnis. Siehe oben.

Sektoren. Die Einflüsse von außen, die man nicht steuert, aber nutzt oder abschirmt: Sonne, Wind, Lärm, Blicke, Wasserzufluss, Frostlöcher. Sie kommen auf dieselbe Skizze wie die Zonen.

Randeffekt. Am Übergang zweier Lebensräume, Wiese und Hecke, Wasser und Ufer, Beet und Weg, ist die Vielfalt am größten. Deshalb haben Permakulturgärten lange, geschwungene Ränder statt gerader Kanten.

Stapeln. Mehrere Nutzungen übereinander: Bäume, darunter Sträucher, darunter Stauden, darunter Bodendecker, dazwischen Kletterpflanzen. Der Waldgarten ist das Extrem, das Drei-Schwestern-Beet die kleine Form.

Gilde. Eine Gruppe von Pflanzen, die einander nützen, meist um ein Zentrum: ein Apfelbaum mit Beinwell als Mulchlieferant, Schnittlauch gegen Pilze, Kapuzinerkresse als Bodendecker, Lupinen als Stickstoffsammler.

Sukzession. Die natürliche Abfolge von Pionierpflanzen über Stauden und Sträucher zum Wald. Wer sie kennt, lässt die Brennnesseln im ersten Jahr stehen, weil sie den Boden für das vorbereiten, was folgt.

Mulch, No-dig, Flächenkompostierung. Drei Namen für dasselbe Prinzip: Der Boden wird bedeckt und von oben gefüttert, nicht gewendet.

Hügelkultur. Das Hügelbeet aus Holz, Laub und Kompost, ursprünglich aus der Alpenregion, heute weltweit als „Hugelkultur” bekannt.

Swale. Eine Mulde quer zum Hang, die Regenwasser auffängt und versickern lässt, mit einem Wall auf der Talseite, der bepflanzt wird. Im Hausgarten meist eine flache Rinne mit Stauden.

Ertrag. In der Permakultur nicht nur Gemüse, sondern alles, was das System liefert: Wasser, Humus, Schatten, Brennholz, Lebensraum, Erholung. Wer nur Kilo zählt, übersieht die Hälfte.

Häufige Fehler

Mit dem Bagger anfangen. Hügelbeete, Teich und Spirale im ersten Monat, bevor man den Garten kennt. Erst beobachten, dann ein Beet.

Umgraben, weil das neue Beet ordentlich aussehen soll. Das Bodenleben, das aufgebaut werden soll, wird zerstört. Pappe, Kompost, Mulch.

Zonen ignorieren. Kräuter am Zaun, Kompost hinter dem Schuppen. Beides verwildert. Nutzungshäufigkeit entscheidet über den Platz.

Alles auf einmal. Zwölf Beete, Hühner, Bienen und Teich im ersten Jahr. Klein anfangen.

Dogmatisch werden. Kein Kupfer gegen Braunfäule, keine Schneckenzäune, weil es nicht im Buch steht. Permakultur ist, was funktioniert.

Dauerkulturen vergessen. Nur Einjährige heißt jedes Jahr alles neu. Sträucher, Stauden, Bäume sind die halbe Arbeit weniger.

Wasser vergessen. Alles mulchen und dann mit Leitungswasser gießen. Regentonne im ersten Jahr.

Regionale Unterschiede

Permakultur ist Standortplanung, deshalb ist sie überall anders. Auf schwerem Lehm, wie er in vielen Lagen Süddeutschlands vorkommt, sind Mulch, Kompost und der Verzicht auf den Spaten die wichtigsten Maßnahmen, Hügelbeete drainieren zusätzlich. Auf Sandböden im Norden und Osten geht es um Humus und Wasser: Mulch, Kompost, Gründüngung und Regenspeicher, Hügelbeete trocknen dort aus. In Höhenlagen und kühlen Regionen verlängern Hochbeete, Steinhaufen und Südwände die Saison, und Dauerkulturen müssen winterhart sein. In Trockenregionen wie Brandenburg oder Sachsen-Anhalt ist Wasserspeicherung das erste Prinzip. Was gleich bleibt, ist die Reihenfolge: beobachten, Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere.

Fazit

Permakultur ist keine Technik und kein Aussteigerhof, sondern eine Art zu planen: beobachten, den Boden in Ruhe lassen und füttern, Wasser speichern, Pflanzen zusammenarbeiten lassen, Tiere einladen, Kreisläufe schließen. Wer im ersten Jahr mit Regentonne, Kompost, Mulch und einem Beet anfängt, hat im dritten Jahr einen Garten, der mehr bringt und weniger will.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Permakultur und Bio-Gärtnern?

Bio-Gärtnern beschreibt, was man weglässt: keine synthetischen Dünger, keine Pestizide. Permakultur beschreibt, wie man plant: Kreisläufe schließen, Elemente mehrfach nutzen, den Garten als System denken, in dem Boden, Pflanzen, Wasser und Tiere zusammenarbeiten. Ein Permakulturgarten ist immer biologisch bewirtschaftet, aber ein Biogarten ist nicht automatisch Permakultur. Der Unterschied liegt in der Planung, nicht im Spritzmittel.

Brauche ich ein großes Grundstück?

Nein. Permakultur skaliert vom Balkon bis zum Hof. Auf zwanzig Quadratmetern sind es Mulch, Mischkultur, Kompost und ein Sandarium; auf tausend sind es Zonen, Hecken, Teich und Dauerkulturen. Die Prinzipien sind dieselben, nur die Elemente ändern sich. Ein Balkon mit Kräuterkiste, Wurmkiste und Regenwassereimer ist ein Permakultursystem.

Ist Permakultur weniger Arbeit?

Auf Dauer ja, am Anfang nein. Die ersten zwei Jahre sind Planung, Bodenaufbau, Pflanzung und Beobachtung, das ist mehr Arbeit als ein konventioneller Garten. Ab dem dritten Jahr übernimmt das System: Der Boden düngt sich, der Mulch spart Gießen und Jäten, die Dauerkulturen tragen ohne Aussaat, die Nützlinge regulieren die Schädlinge. Ein eingespielter Permakulturgarten braucht etwa die Hälfte der Arbeit eines herkömmlichen.

Muss ich umgraben, um anzufangen?

Nein, und du solltest es nicht. Ein neues Beet auf Rasen entsteht mit Pappe, Kompost und Mulch ohne Spaten, ein bestehendes Beet wird durch Mulch und Gründüngung umgestellt. Umgraben zerstört das Bodenleben, das die Permakultur aufbauen will. Die Grabegabel zum Lockern reicht.

Wo fange ich an, wenn ich nur eine Sache tun kann?

Beim Boden: aufhören umzugraben, den Boden dauerhaft mit Mulch bedecken und einen Kompost anlegen. Das ist die Maßnahme, auf der alles andere aufbaut. Als zweites die Beobachtung: ein Jahr lang aufschreiben, wo Sonne, Schatten, Wind, Nässe und Trockenheit im Garten sind. Als drittes die erste Dauerkultur, einen Beerenstrauch oder eine Kräuterecke.

Was ist mit den Hügelbeeten und Kräuterspiralen aus den Büchern?

Beides sind Werkzeuge, keine Pflicht. Ein Hügelbeet aus Holz, Laub und Kompost ist sinnvoll, wenn viel Schnittgut anfällt und der Boden schlecht ist. Eine Kräuterspirale lohnt sich, wenn man mediterrane und feuchteliebende Kräuter auf kleinem Raum will. Wer beides nicht braucht, lässt es weg. Permakultur ist, was am Standort funktioniert, nicht, was im Buch steht.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Bill Mollison, David Holmgren: Permaculture One, 1978, und Holmgrens zwölf Prinzipien, permacultureprinciples.com
  2. Bayerische Gartenakademie (LWG): Bodenpflege bei Trockenheit und Starkregen
  3. Sepp Holzer: Sepp Holzers Permakultur, Leopold Stocker Verlag – Praxis auf dem Krameterhof, für Hanglagen und Hügelbeete
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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