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Bauanleitungen · Bauanleitung

Wildbienen-Nisthilfe selber bauen: Warum dein gekauftes Insektenhotel leer bleibt

In vielen gekauften Insektenhotels steckt Material, das kaum eine Wildbiene je nutzen wird: Tannenzapfen, Rindenstücke, Glasröhrchen, bunt lackierte Scheiben. Das ist Dekoration. Was funktioniert, ist überschaubar, und du baust es an einem Nachmittag aus einem Hartholzblock und einem Bohrer.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht Aktualisiert 5 Min. Lesezeit Einsteiger Dauer: Zwei bis drei Stunden

Wann das dran ist

Erst wieder ab Anfang Dezember

Thymian

Salbei

Saison: Herbst, Winter, Frühling. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.

Hartholzblock mit unterschiedlich großen Nistlöchern hängt an einer sonnigen Wand.
Ein Buchenblock, seitlich gebohrt, Löcher entgratet, an der Südwand: Das ist die ganze Nisthilfe, und sie ist im Mai belegt.
Zeit2 bis 3 Stunden
Kosten0 bis 20 Euro, Holz oft aus dem Brennholzstapel
SchwierigkeitEinsteiger
Schritte6

Material

0 von 5 erledigt

Werkzeug

0 von 6 erledigt

Ein typisches geschenktes Insektenhotel hat ein rotes Dach, Tannenzapfen, Rindenstücke, ein paar Lochziegel und in der Mitte eine Baumscheibe mit Bohrlöchern in der Stirnseite. Nach zwei Jahren ist die Baumscheibe gerissen, die Zapfen sind vermodert, und belegt ist höchstens ein Loch in einem nachträglich hineingesteckten Stück Buche. Ein Block, der ohne Dach und Dekoration auskommt, hängt dagegen jedes Jahr im Mai voll.

Was in gekauften Insektenhotels falsch ist

Die meisten Insektenhotels im Handel sind für Menschen gebaut, nicht für Bienen. Tannenzapfen, Rindenstücke, Holzwolle, Stroh und bunt lackierte Scheiben sehen nach Natur aus und werden von keiner Wildbienenart genutzt. Lochziegel haben Löcher, die zu groß und zu rau sind. Glasröhrchen schwitzen und verschimmeln. Und die Holzscheiben sind fast immer in die Stirnseite gebohrt, ins Hirnholz, wo das Holz beim Trocknen entlang der Bohrlöcher aufreißt, Feuchtigkeit eindringt und die Brut verpilzt. Deshalb bleiben so viele Hotels leer oder werden nach einem Jahr zum Sarg.

Was funktioniert, ist überschaubar: ein Hartholzblock mit glatten, seitlich gebohrten Löchern in verschiedenen Durchmessern, und ein Bündel Schilf- oder Bambushalme. Beides baut man an einem Nachmittag. Und beides erreicht nur die etwa fünfundzwanzig Prozent der Wildbienenarten, die in Hohlräumen nisten; die anderen drei Viertel nisten im Boden und brauchen ein Sandarium.

Die vier Regeln

Erstens: Hartholz. Buche, Esche, Eiche, Obstholz, mindestens ein Jahr abgelagert, rissfrei. Nadelholz harzt, und seine Fasern stellen sich beim Bohren auf. Der Brennholzstapel liefert das Material.

Zweitens: Ins Längsholz bohren. Also seitlich in den Block, quer zur Faserrichtung, dort, wo man die Fasern längs laufen sieht. Nicht in die Stirnseite mit den Jahresringen. Das ist der wichtigste Punkt und der häufigste Fehler.

Drittens: Zwei bis neun Millimeter, gemischt, Tiefe das Zehnfache. Die meisten Arten brauchen drei bis sechs Millimeter, deshalb davon die meisten Löcher. Fünf Millimeter Durchmesser heißt fünf Zentimeter tief, und der Gang bleibt hinten geschlossen. Zwischen den Löchern zwei Zentimeter Abstand, damit das Holz nicht reißt.

Viertens: Glatte Löcher. Scharfe Bohrer, hohe Drehzahl, wenig Druck, Späne zwischendurch heraus, und jeden Rand mit feinem Schleifpapier entgraten. An Splittern verletzen sich die Flügel, und die Biene sucht weiter.

Bohrplan für einen Block von 15 x 15 x 20 Zentimetern

DurchmesserAnzahl LöcherTiefeTypische Bewohner
2 mm82 cmMaskenbienen, kleine Grabwespen
3 mm153 cmMaskenbienen, Scherenbienen, Löcherbienen
4 mm154 cmLöcherbienen, Scherenbienen, Lehmwespen
5 mm125 cmLöcherbienen, Blattschneiderbienen, kleine Mauerbienen
6 mm106 cmRote Mauerbiene, Blattschneiderbienen
8 mm68 cmGehörnte Mauerbiene, Blattschneiderbienen
9 mm49 cmGehörnte Mauerbiene, große Grabwespen

Siebzig Löcher auf einer Fläche von fünfzehn mal zwanzig Zentimetern, mit zwei Zentimetern Abstand. Wer mehr Fläche hat, verteilt die Löcher in Gruppen über mehrere Seiten, alle nach Süden bis Osten gerichtet. Ein zweiter Block mit anderer Verteilung daneben verdoppelt die Vielfalt.

Schilf und Bambus: Die zweite Hälfte

Neben dem Block lohnt ein Bündel Halme. Schilfrohr aus dem Winter, trocken, in zehn bis fünfzehn Zentimeter lange Stücke geschnitten, jeweils hinter einem Knoten, sodass jedes Stück hinten geschlossen ist, vorn glatt und ohne Fransen abgeschnitten. Bambusröhrchen ebenso, mit Innendurchmesser bis neun Millimeter. Dicht in eine Konservendose, ein Abflussrohr oder einen Holzkasten gestopft, damit nichts rutscht, und daneben an die Wand. Mauerbienen nehmen Halme oft noch lieber als Holz, weil die Röhren gleichmäßig glatt sind.

Was in das Bündel nicht gehört: Strohhalme, die weich sind und schimmeln, Pappröhrchen, die aufweichen, und Halme, die vorn zerdrückt oder gespleißt sind.

Der Standort

Vollsonnig, nach Süden oder Südosten, regengeschützt unter einem Dachüberstand oder mit eigenem Dach, in ein bis zwei Metern Höhe, frei angeflogen ohne Gebüsch davor, und fest montiert mit Schrauben oder auf einem stabilen Haken. Nichts, was im Wind schaukelt: Eine Biene, die ihren Gang verlässt, findet ihn nach einem Schwenk des Kastens nicht wieder. Die Nisthilfe bleibt das ganze Jahr hängen, auch im Winter, weil die Brut in den Gängen überwintert. Nicht reinigen, nicht ausbohren, nicht hereinholen.

Und das Wichtigste zum Schluss, das kein Bohrplan ersetzt: Eine Nisthilfe ohne Nahrung bleibt leer. Wildbienen fliegen selten weiter als zweihundert bis dreihundert Meter zwischen Nest und Blüte. Wenn im Umkreis nichts blüht, kannst du bauen, was du willst. Weidenkätzchen und Krokusse im März, Obstblüte im April, Glockenblumen, Natternkopf, Wilde Möhre, Thymian, Salbei, Fetthenne bis in den Oktober. Erst Blüten, dann Wohnung. Wie der Garten dafür aussieht, steht in der Übersicht Naturgarten anlegen, und warum die Blumenzwiebeln im Herbst dazugehören, im Artikel über Blumenzwiebeln.

Häufige Fehler

Ins Hirnholz gebohrt. Der Klassiker: Der Block reißt, die Brut verpilzt. Seitlich ins Längsholz.

Nadelholz. Harz und Fasern. Buche, Esche, Eiche.

Nicht entgratet. Splitter am Rand, keine Besiedlung. Schleifpapier.

Durchgebohrt. Licht und Zug im Gang. Hinten zu.

An Schnur aufgehängt. Schaukelt. Festschrauben.

Im Schatten. Zu kalt. Südseite, frei.

Tannenzapfen und Rinde. Dekoration, kein Nistplatz. Weglassen.

Keine Blüten im Umkreis. Leere Wohnung. Erst Nahrung.

Regionale Unterschiede

In warmen Regionen wie dem Oberrhein, dem Weinbauklima oder Brandenburg fliegen die ersten Mauerbienen Mitte März, dort muss die Nisthilfe früh hängen. In feuchten, kühlen Lagen im Norden und in den Mittelgebirgen ist das Dach über dem Block wichtiger und die Ausrichtung nach Südosten besser, damit die Morgensonne den Block trocknet. In Höhenlagen beginnt die Saison Anfang April. Was im Februar sonst zu bauen ist, steht im Gartenjahr für den Februar.

Fazit

Ein Hartholzblock, seitlich gebohrt, zwei bis neun Millimeter, entgratet, hinten zu, sonnig und fest montiert: Das ist die ganze Nisthilfe, und sie kostet einen Nachmittag. Alles andere im gekauften Hotel ist Dekoration, und ohne Blüten im Umkreis bleibt auch der beste Block leer.

Schritt für Schritt

  1. Abgelagerter Buchen-Hartholzblock liegt auf einer Werkbank.

    Den richtigen Holzblock wählen

    Nimm einen Block aus abgelagertem Hartholz: Buche, Esche, Eiche, Obstholz, mindestens ein Jahr trocken, ohne Risse. Der Brennholzstapel ist eine gute Quelle. Kein Nadelholz, weil Harz austritt und sich beim Bohren Fasern aufstellen, die Flügel verletzen. Kein frisches Holz, es reißt beim Trocknen. Die Größe ist Nebensache; ein Block von fünfzehn mal fünfzehn mal zwanzig Zentimetern reicht für sechzig bis achtzig Löcher.

  2. Bohrer verschiedener Durchmesser liegen ohne lesbare Markierungen nebeneinander.

    Bohrer auswählen und Bohrplan anlegen

    Lege scharfe Holzbohrer in zwei bis neun Millimetern bereit, den größten Anteil bei drei bis sechs Millimetern, weil dort die meisten Arten liegen. Zeichne auf der Längsseite des Blocks, also der Seite, auf der die Fasern längs laufen, ein Raster mit Abständen von mindestens zwei Zentimetern zwischen den Löchern. Stumpfe Bohrer erzeugen Splitter und ausgefranste Ränder; im Zweifel neue kaufen.

  3. Bohrer dringt seitlich ins Längsholz ein, während Holzspäne fallen.

    Seitlich ins Längsholz bohren

    Spanne den Block so ein, dass du in die Längsseite bohrst, quer zur Faser, nie in die Stirnseite mit den Jahresringen. Bohre mit hoher Drehzahl und wenig Druck, ziehe den Bohrer zwischendurch heraus, damit die Späne austreten, und bohre auf das Zehnfache des Durchmessers tief, bei fünf Millimetern also fünf Zentimeter, ohne den Block zu durchbohren. Leicht nach oben geneigt bohren, dann läuft kein Wasser hinein. Verschiedene Durchmesser mischen.

  4. Ein Bohrloch im Holzblock wird mit Schleifpapier entgratet.

    Löcher entgraten und Späne entfernen

    Jeden Lochrand mit feinem Schleifpapier oder einem Kegelsenker glätten, bis keine Fasern und Splitter mehr abstehen. Späne aus den Löchern klopfen oder ausblasen. Das ist der Schritt, den die meisten gekauften Hotels auslassen: An rauen Rändern verletzen sich die Flügel, und die Biene sucht sich etwas anderes. Wer mit dem Finger über den Lochrand streicht, darf nichts spüren.

  5. Holzblock wird mit Werkzeug an einer sonnigen Südwand montiert.

    Sonnig und fest montieren

    Montiere den Block mit zwei Schrauben oder auf einem stabilen Haken fest an einer Wand, einem Pfosten oder einem Zaun, nach Süden oder Südosten, in ein bis zwei Metern Höhe, regengeschützt unter einem Dachüberstand oder mit einem eigenen kleinen Dach. Nichts, was im Wind schaukelt, keine Aufhängung an Schnur oder Draht. Die Bohrlöcher zeigen frei nach vorn, kein Gebüsch davor. Wer Meisen und Spechte im Garten hat, spannt ein Drahtgitter mit drei Zentimetern Maschenweite auf Abstandhaltern etwa drei Zentimeter vor die Front: Es hält die Räuber ab, die Bienen fliegen hindurch.

  6. Fertige Wildbienen-Nisthilfe hängt über einem blühenden Beet.

    Fertig, und dann Blüten sorgen

    Die Nisthilfe hängt und wird von März bis September besiedelt, erst von Mauerbienen, dann von Löcherbienen, Scherenbienen, Maskenbienen und Grabwespen. Verschlossene Löcher aus Lehm, Blättern oder Harz zeigen belegte Brutzellen. Nicht reinigen, nicht im Winter hereinholen, nicht ausbohren. Und das Wichtigste: Im Umkreis muss etwas blühen, sonst bleibt der beste Block leer. Weiden im März, Obstblüte im April, Glockenblumen, Natternkopf, Thymian, Salbei bis in den Herbst.

Was oft schiefgeht

  • Ins Hirnholz gebohrt: Der Block reißt entlang der Löcher, Feuchtigkeit dringt ein, die Brut verpilzt. Immer seitlich ins Längsholz.
  • Nadelholz verwendet: Harz verklebt die Gänge, Fasern verletzen Flügel. Buche, Esche, Eiche.
  • Löcher nicht entgratet: Splitter am Rand, keine Besiedlung.
  • Durchgebohrt: Zugluft und Licht im Gang, die Biene nimmt ihn nicht. Hinten muss es zu sein.
  • Aufgehängt statt festgeschraubt: Schaukelt im Wind, die Bienen finden ihre Zelle nicht wieder.
  • Im Schatten oder hinter Gebüsch: zu kalt, kein Anflug. Vollsonnig und frei.
  • Keine Blüten im Umkreis: Wildbienen fliegen selten weiter als zweihundert bis dreihundert Meter.

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Häufige Fragen

Was ist mit Schilf, Bambus und Pappröhrchen?

Schilfhalme und Bambusröhrchen mit zwei bis neun Millimetern Innendurchmesser, hinten durch einen Knoten geschlossen und vorn glatt abgeschnitten, sind neben dem Holzblock die beste Nisthilfe und werden oft noch lieber angenommen. Sie werden dicht gebündelt in eine Dose, ein Rohr oder einen Holzkasten gesteckt, damit sie nicht rutschen. Pappröhrchen weichen bei Regen auf. Strohhalme, Tannenzapfen, Rindenstücke, Lochziegel mit großen Löchern und Glasröhrchen bringen nichts.

Muss ich die Nisthilfe reinigen oder im Winter hereinholen?

Nein. In den verschlossenen Löchern überwintert die Brut und schlüpft im nächsten Frühjahr. Die Nisthilfe bleibt das ganze Jahr am selben Platz, auch bei Frost. Reinigen ist nicht nötig; alte Gänge werden von den Bienen selbst geräumt und neu belegt. Nach fünf bis acht Jahren wird ein verwitterter Block durch einen neuen ergänzt, der alte hängt daneben, bis alles geschlüpft ist.

Welche Arten ziehen ein?

Im März und April Rote und Gehörnte Mauerbiene, die die Löcher mit Lehm verschließen, ab Mai Löcherbienen mit Harzverschluss, Blattschneiderbienen mit Blattstücken, Scherenbienen, Maskenbienen in den kleinsten Löchern, dazu Grabwespen, Lehmwespen und Goldwespen als Gäste. Rund fünfundzwanzig Prozent der heimischen Wildbienenarten nisten in solchen Hohlräumen; die anderen drei Viertel brauchen ein Sandarium.

Sind Wildbienen an der Nisthilfe gefährlich?

Nein. Sie leben einzeln, verteidigen kein Volk, und die meisten Arten können mit dem Stachel menschliche Haut nicht durchdringen. Man kann eine Handbreit daneben stehen und zuschauen. Nur der Block sollte nicht direkt neben der Haustür hängen, damit niemand aus Versehen davorsteht, wenn die Mauerbienen im April im Dauereinsatz sind.

Wann ist die beste Zeit zum Bauen und Aufhängen?

Winter und zeitiges Frühjahr, damit die Nisthilfe hängt, wenn Ende März die ersten Mauerbienen fliegen. Wer im Sommer aufhängt, bekommt die späten Arten. Das Holz sollte in jedem Fall vorher trocken und abgelagert sein, deshalb lohnt es sich, den Block im Herbst zu bohren und über Winter im Schuppen zu lagern.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV): Insektenhotel selbst bauen – Tipps und Tricks
  2. NABU: Tipps für wirksame Wildbienen-Nisthilfen
  3. Paul Westrich: Wildbienen, die anderen Bienen, Verlag Dr. Friedrich Pfeil – Das Standardwerk zu Biologie und Nisthilfen mit Bohrplan
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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