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Permakultur

Fruchtfolge planen: Warum dein Beet müde wird, und der Vier-Jahres-Plan dagegen

Wenn dein Beet jedes Jahr weniger bringt, liegt es selten am Dünger. Es liegt daran, dass da immer dasselbe steht. Die Lösung ist alt, kostet nichts und beginnt mit einem Zettel im Oktober: aufschreiben, was dieses Jahr wo stand.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit Einsteiger Dauer: Eine halbe Stunde im Oktober für den Plan

Wann das dran ist

Erst wieder ab Anfang Dezember

Kartoffel

Tomate

Kürbis

Saison: Herbst, Winter. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.

Vier Gemüsebeete mit unterschiedlichen Kulturen sind durch Rindenmulchwege getrennt.
Vier Beete, vier Gruppen, jedes Jahr eine Position weiter im Uhrzeigersinn. Mehr System braucht die Fruchtfolge nicht.

Ohne Beetplan läuft es in vielen Gärten jedes Jahr gleich: Die Tomaten kommen dorthin, wo sie immer standen, weil dort das Dach ist, der Kohl in das große Beet, weil er Platz braucht, die Zwiebeln an den Rand. Nach vier Jahren ist der Kohl klein und verkrüppelt, die Zwiebeln faulen von unten, und es wird mehr und mehr gedüngt, ohne dass es etwas bringt. Das Problem heißt nicht Dünger, sondern Wiederholung. Ein Zettel im Oktober beendet es.

Warum ein Beet müde wird

Jede Pflanzenfamilie hat zwei Eigenheiten. Sie zieht ein bestimmtes Nährstoffmuster aus dem Boden, Kohl zum Beispiel viel Stickstoff und Bor, Wurzelgemüse Kalium. Und sie zieht bestimmte Krankheiten und Schädlinge an, die im Boden überdauern und auf denselben Wirt warten: Kohlhernie bei Kohl, Nematoden bei Kartoffeln und Tomaten, Weißfäule und Zwiebelfliege bei Zwiebeln, Möhrenfliege bei Doldenblütlern, Fußkrankheiten bei Erbsen.

Steht dieselbe Familie mehrere Jahre am selben Platz, reichert sich beides an. Das Nährstoffmuster wird einseitig, die Krankheitserreger vermehren sich, und irgendwann kümmert die Kultur, egal wie viel man düngt. Das nennt man Bodenmüdigkeit, und die Klassiker dafür sind Kohl, Tomaten und Zwiebeln. Kohlhernie bleibt bis zu zwanzig Jahre im Boden.

Die Lösung ist so alt wie der Ackerbau: Fruchtfolge. Die Kulturen wandern, der Boden bekommt jedes Jahr etwas anderes zu tun, die Erreger verlieren ihren Wirt.

Vier Jahre, vier Positionen

Der einfachste Plan hat vier Stationen, sortiert nach Nährstoffbedarf.

Jahr eins: Starkzehrer. Kohlarten, Kürbis, Zucchini, Gurke, Tomate, Paprika, Kartoffel, Sellerie, Lauch, Mais. Sie bekommen im Herbst davor oder im Frühjahr den frischen Kompost, drei bis fünf Liter je Quadratmeter, und im Sommer Jauche.

Jahr zwei: Mittelzehrer. Möhre, Zwiebel, Knoblauch, Salat, Spinat, Mangold, Rote Bete, Fenchel, Kohlrabi, Rettich. Sie leben von dem, was der Starkzehrer übrig gelassen hat, plus ein bis zwei Liter Kompost.

Jahr drei: Schwachzehrer und Hülsenfrüchte. Bohnen, Erbsen, Dicke Bohnen, Feldsalat, Radieschen, Kräuter, Zwiebeln als Alternative. Kein Kompost. Die Hülsenfrüchte tun dabei etwas Besonderes: Sie sammeln mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft und geben ihn über die im Boden bleibenden Wurzeln an das Beet zurück.

Jahr vier: Gründüngung oder Ruhe. Das Beet trägt Phacelia, Roggen, Wicke oder Klee, oder es bekommt eine Winterdecke und ruht. Der Boden erholt sich, die Struktur baut sich auf, und im nächsten Jahr beginnt es mit dem Starkzehrer von vorn. Welche Gründüngung passt, steht im Artikel über die Gründüngung im Herbst.

Wer nur drei Beete hat, lässt das Ruhejahr weg und sät die Gründüngung jeweils im Herbst nach der Ernte. Wer sechs hat, verdoppelt die Gruppen. Das Prinzip bleibt: Jedes Jahr rückt alles eine Position weiter, im Uhrzeigersinn, und nach vier Jahren ist jede Kultur einmal überall gewesen.

Die Familien sind wichtiger als die Klassen

Die Zehrerklassen regeln die Nährstoffe. Für die Krankheiten zählt die Pflanzenfamilie, und die läuft quer durch die Klassen. Kohlrabi ist ein Mittelzehrer, aber ein Kohl; Radieschen sind Schwachzehrer, aber ebenfalls Kreuzblütler. Wer Kohl, Kohlrabi und Radieschen in drei aufeinanderfolgenden Jahren auf dasselbe Beet setzt, hält die Zehrerregel ein und züchtet trotzdem Kohlhernie.

FamilieKulturenAnbaupauseTypische Probleme bei Wiederholung
KreuzblütlerAlle Kohlarten, Kohlrabi, Radieschen, Rettich, Rucola, Senf, Ölrettich4 JahreKohlhernie, Kohlfliege, Erdflöhe
NachtschattengewächseTomate, Kartoffel, Paprika, Aubergine3 bis 4 JahreKraut- und Braunfäule, Nematoden, Welkepilze
ZwiebelgewächseZwiebel, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch3 JahreWeißfäule, Zwiebelfliege, Lauchmotte
DoldenblütlerMöhre, Pastinake, Sellerie, Petersilie, Dill, Fenchel3 JahreMöhrenfliege, Sellerieschorf
HülsenfrüchtlerBohne, Erbse, Dicke Bohne, Wicke, Klee3 Jahre, Erbsen 4 bis 5 JahreFußkrankheiten, Erbsenwickler
KürbisgewächseKürbis, Zucchini, Gurke, Melone3 JahreWelkepilze, Mehltau
FuchsschwanzgewächseRote Bete, Mangold, Spinat3 JahreBlattflecken, Nematoden
KorbblütlerSalat, Endivie, Zuckerhut, Schwarzwurzel, Topinambur2 JahreSalatfäule, Blattläuse
Baldriangewächse, SüßgräserFeldsalat, Mais, Roggen1 bis 2 Jahrewenig

Die Regel: Innerhalb der Anbaupause kommt keine Kultur derselben Familie auf das Beet, auch nicht als Gründüngung. Senf vor Kohl ist deshalb ein Fehler, Wicke vor Bohnen ebenso. Phacelia, Roggen und Buchweizen sind mit keiner Gemüsefamilie verwandt und passen überall dazwischen. Die Partner innerhalb eines Beets, also die Mischkultur, zeigt der Mischkultur-Planer.

So setzt du den Plan um

  1. Aufschreiben, was dieses Jahr wo stand. Jetzt, im Oktober, solange du es weißt. Eine Skizze der Beete, in jedes Beet die Hauptkulturen und die Familie. Im Frühjahr weiß es niemand mehr, und das ist der Grund, warum die meisten Fruchtfolgen nach einem Jahr scheitern.
  2. Beete in vier Gruppen teilen. Nach Fläche etwa gleich groß. Bei zwölf Beeten drei je Gruppe, bei einem großen Beet vier Streifen.
  3. Jeder Gruppe eine Position geben. Wo dieses Jahr Starkzehrer standen, kommen nächstes Jahr Mittelzehrer, dann Schwachzehrer, dann Gründüngung.
  4. Die Familien prüfen. Kohl nicht dorthin, wo in den letzten drei Jahren Kohl, Kohlrabi oder Radieschen standen; Tomaten nicht nach Kartoffeln.
  5. Kompost verteilen. Im Herbst auf die künftigen Starkzehrerbeete, dünn auf die Mittelzehrer, nicht auf Schwachzehrer und Hülsenfrüchte.
  6. Plan aufhängen. Im Schuppen, an der Innenseite der Tür. Ein Schild je Beet mit der Gruppe hilft im April beim Pflanzen.
  7. Im Oktober fortschreiben. Jedes Jahr eine neue Seite. Nach vier Jahren siehst du, was wo gut lief.

Der Plan darf unvollkommen sein. Ein Beet, das einmal aus der Reihe tanzt, weil die Tomaten unter das Dach müssen, ist kein Scheitern; dann bekommt das Tomatenbeet eben eine eigene Folge aus Tomate, Salat, Bohne, Gründüngung an Ort und Stelle, oder das Dach wandert mit.

Hochbeet, kleiner Garten, ein einziges Beet

Im Hochbeet läuft die Fruchtfolge in der Zeit statt in der Fläche: Im ersten Jahr nach dem Befüllen Starkzehrer, im zweiten Mittelzehrer, im dritten Schwachzehrer, im vierten wird neu befüllt und es beginnt von vorn. Die Anleitung dazu steht im Artikel zum Nachfüllen des Hochbeets.

Ein einzelnes Beet wird in vier Streifen geteilt, die jedes Jahr rotieren. Bei sehr kleinen Flächen reicht es, jedes Jahr zumindest die Familie zu wechseln und dazwischen Kräuter, Ringelblumen und Tagetes zu setzen, die Nematoden bremsen. Und wer nur einen Balkon hat, tauscht die Erde im Topf alle zwei Jahre und wechselt die Kultur.

Häufige Fehler

Nicht aufgeschrieben. Der häufigste Fehler und der Grund für alle anderen. Zettel im Oktober.

Zehrerklasse eingehalten, Familie vergessen. Kohl, Kohlrabi, Radieschen hintereinander: Kohlhernie. Familie prüfen.

Gründüngung aus der falschen Familie. Senf vor Kohl, Wicke vor Bohnen. Phacelia oder Roggen.

Tomaten nach Kartoffeln. Dieselbe Familie, dieselbe Braunfäule. Drei Jahre Abstand.

Kompost auf das Hülsenfruchtbeet. Bohnen und Erbsen wollen keinen Stickstoff, sie machen ihn selbst. Kompost zu den Starkzehrern.

Wurzeln herausgezogen. Bei Bohnen und Erbsen sitzt der Stickstoff in den Wurzeln. Abschneiden, Wurzel bleibt.

Plan zu kompliziert. Wer acht Gruppen und drei Zwischenfrüchte einplant, gibt im Mai auf. Vier Gruppen, im Uhrzeigersinn.

Regionale Unterschiede

Fruchtfolge gilt überall gleich, die Familien und Krankheiten sind dieselben. Unterschiede gibt es bei der Zwischennutzung: In milden Lagen passen nach der Frühkultur noch Herbstkulturen ins selbe Jahr, etwa Feldsalat nach Kartoffeln, was die Folge dichter macht; in rauen Lagen bleibt es bei einer Hauptkultur und Gründüngung. In Regionen mit Kohlhernie-Böden, oft in feuchten, sauren Lagen, verlängert man die Kohlpause auf fünf bis sieben Jahre und kalkt das Kohlbeet im Herbst davor. Wie die Fruchtfolge in ein Gesamtsystem passt, steht in der Übersicht Permakultur im eigenen Garten.

Fazit

Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer mit Hülsenfrüchten, Gründüngung, jedes Jahr eine Position weiter, und die Familien im Blick: Mehr Fruchtfolge braucht ein Hausgarten nicht. Der eine Schritt, der jetzt zählt, ist der Zettel im Oktober.

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Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich die Fruchtfolge nicht einhalte?

Im ersten Jahr nichts Sichtbares. Ab dem dritten Jahr auf demselben Beet nehmen bei Kohl die Kohlhernie, bei Tomaten und Kartoffeln bodenbürtige Pilze und Nematoden, bei Zwiebeln die Zwiebelfliege und der Weiße Fäulnispilz zu. Die Erträge sinken, obwohl gedüngt wird. Das ist die Bodenmüdigkeit, und sie ist schwer rückgängig zu machen: Kohlhernie bleibt zwanzig Jahre im Boden.

Ich habe nur ein Beet. Wie soll ich da wechseln?

Ein Beet lässt sich in vier Streifen teilen, oder man wechselt in der Zeit: Nach Kohl kommt im nächsten Jahr Salat, dann Bohnen, dann Gründüngung. Im Hochbeet läuft die Fruchtfolge ebenfalls in der Zeit, mit Starkzehrern im ersten Jahr nach dem Befüllen. Wer wirklich nur einen Quadratmeter hat, wechselt zumindest die Familie jedes Jahr und mischt Kräuter und Blumen dazwischen.

Wie passt Mischkultur zur Fruchtfolge?

Beides ergänzt sich. Die Fruchtfolge regelt, welche Hauptkultur in welchem Jahr auf welches Beet kommt; die Mischkultur regelt, was daneben steht. Im Starkzehrerbeet stehen zum Beispiel Kohl mit Sellerie und Tomaten mit Basilikum, im Mittelzehrerbeet Möhren mit Zwiebeln. Der Mischkultur-Planer auf dieser Seite zeigt die Partner; die Fruchtfolge bleibt das Grundgerüst.

Wo bleiben die mehrjährigen Kulturen?

Rhabarber, Spargel, Artischocke, Erdbeeren, Kräuter und Beerensträucher bekommen einen festen Platz außerhalb der Fruchtfolge. Erdbeeren werden alle drei bis vier Jahre neu gepflanzt und wandern dann in ein anderes Beet, am besten nach Hülsenfrüchten oder Gründüngung, nie nach Kartoffeln oder Tomaten.

Kann ich mit Kompost die Fruchtfolge ersetzen?

Nein. Kompost ersetzt Nährstoffe, aber nicht die Anbaupause gegen Krankheiten und Schädlinge, die sich an eine Familie gebunden haben. Kohlhernie und Nematoden lassen sich nicht wegdüngen. Kompost und Fruchtfolge zusammen sind das System; jedes allein ist die halbe Lösung.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Bayerische Gartenakademie (LWG): Infoschrift „Fruchtfolge für Gemüsebeete“
  2. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Fruchtfolge im Gemüsegarten planen
  3. Bayerische Gartenakademie (LWG): Infoschrift „Fruchtfolge für Gemüsebeete“ (Krankheiten und Anbaupausen)
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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