Selbstversorgung · Grundlagen
Selbstversorgung: Der realistische Einstieg für einen Garten, der satt macht
Selbstversorgung klingt nach Hof, Hühnern und hundert Prozent. Realistisch ist etwas anderes: ein Garten, der von Mai bis März jeden Tag etwas auf den Tisch bringt, der den Gemüseeinkauf halbiert und dessen Vorrat bis in den Frühling reicht. Diese Seite ist der Weg dorthin, mit Zahlen, Flächen, Kulturen und einem Plan für drei Jahre.
Am Anfang steht oft ein Bild im Kopf: Hof, Hühner, hundert Prozent, nie wieder einkaufen. Nach dem ersten Jahr sind es dann fünfzig Kilo Zucchini, keine Möhren und im Januar ein leerer Keller. Realistisch ist nach einigen Jahren etwas anderes: eine Kiste im Keller, die bis März reicht, und ein Einkaufszettel, auf dem von Mai bis Dezember kaum Gemüse steht. Das ist keine hundertprozentige Selbstversorgung. Es ist die, die mit rund 120 Quadratmetern Beetfläche für einen Zwei-Personen-Haushalt mit Beruf machbar ist, und sie ist mehr, als die meisten für möglich halten.
Was realistisch ist
Selbstversorgung beginnt mit einer ehrlichen Zahl. Ein Mensch isst im Jahr rund hundert Kilo Gemüse, rund sechzig Kilo Kartoffeln und siebzig Kilo Obst. Für zwei Personen sind das gut fünfhundert Kilo, die aus dem Garten kommen müssten. Auf gutem Boden mit Erfahrung bringt ein Quadratmeter Beet je nach Kultur zwei bis fünf Kilo im Jahr. Rechnet man Wege, Kompost und Verluste ein, braucht die vollständige Gemüseversorgung für zwei Personen rund 150 bis 200 Quadratmeter Beet, dazu Obstbäume und Beerensträucher.
Das ist mehr, als die meisten Gärten haben, und mehr Arbeit, als die meisten Wochen erlauben. Realistisch ist deshalb ein Ziel in Stufen:
| Beetfläche | Was sie leistet | Zeit pro Woche in der Saison |
|---|---|---|
| 10 bis 25 Quadratmeter, Balkon und Hochbeete | Kräuter das ganze Jahr, Salat, Tomaten, Gurken, Radieschen, Sommergemüse von Juni bis Oktober | 1 bis 2 Stunden |
| 50 Quadratmeter | Dazu Zucchini, Bohnen, Zwiebeln, Rote Bete, Wintersalate. Halbe Gemüseversorgung von Mai bis November | 2 bis 4 Stunden |
| 100 bis 150 Quadratmeter | Dazu Kartoffeln, Kohl, Möhren, Kürbis, Lauch, Knoblauch, erster Vorrat. Gemüse von Mai bis März zu großen Teilen | 4 bis 8 Stunden |
| 200 bis 300 Quadratmeter plus Obst | Vollständige Gemüse- und Obstversorgung mit Vorrat, Überschuss zum Verschenken oder Tauschen | 8 bis 12 Stunden |
Wer ehrlich rechnet, fängt eine Stufe tiefer an, als er möchte, und steigt auf, wenn die Routine da ist. Ein 50-Quadratmeter-Garten, der funktioniert, bringt mehr als ein 200-Quadratmeter-Garten, der im Juli verunkrautet.
Die zwanzig Kulturen, die satt machen
Nicht jedes Gemüse ist für die Selbstversorgung geeignet. Radieschen sind schön, aber niemand wird von ihnen satt. Was zählt, ist Kalorien, Menge je Quadratmeter, Lagerfähigkeit und Zuverlässigkeit. Zwanzig Kulturen erfüllen das, und wer sie beherrscht, hat den Kern.
| Kultur | Ertrag je Quadratmeter | Fläche für zwei Personen | Erntezeit | Lagerung | Warum sie dazugehört |
|---|---|---|---|---|---|
| Kartoffel | 3 bis 5 kg | 20 bis 30 qm | Juni bis September | Keller bis April | Die Kalorienbasis, satt und lagerfähig |
| Zwiebel | 3 bis 4 kg | 8 bis 10 qm | August | Zopf bis März | In jedem Gericht, hält den Winter |
| Knoblauch | 1 bis 1,5 kg | 4 bis 5 qm | Juli | Zopf bis April | Würze und Hausapotheke, im Herbst gesteckt |
| Möhre | 3 bis 4 kg | 8 bis 10 qm | Juni bis November | Sand bis März | Lagergemüse, roh und gekocht |
| Rote Bete | 3 bis 4 kg | 4 bis 6 qm | Juli bis Oktober | Sand bis März, fermentiert | Robust, lagerfähig, vitaminreich |
| Kürbis | 2 bis 4 kg | 6 bis 10 qm | September, Oktober | Trocken bis Februar oder April | Kilo und Kalorien mit wenig Arbeit |
| Zucchini | 5 bis 8 kg | 2 bis 3 qm | Juli bis Oktober | Frisch, Relish, gefroren | Sommermenge, zwei Pflanzen reichen |
| Bohne (Busch und Stange) | 2 bis 3 kg grün, 0,3 kg trocken | 8 bis 10 qm | Juli bis Oktober | Gefroren, milchsauer, getrocknet | Eiweiß, düngt den Boden |
| Erbse | 1 bis 1,5 kg | 5 qm | Juni, Juli | Gefroren, getrocknet | Frühe Ernte, Eiweiß, räumt das Beet |
| Kohl (Weißkohl, Grünkohl, Rotkohl, Wirsing) | 3 bis 5 kg | 10 bis 15 qm | Juli bis Februar | Sauerkraut, Keller, im Beet | Winterversorgung und Ferment |
| Lauch | 3 bis 4 kg | 4 bis 5 qm | Oktober bis März | Im Beet | Steht den Winter über, jede Suppe |
| Tomate | 4 bis 8 kg | 6 bis 8 qm, unter Dach | Juli bis Oktober | Passata, getrocknet, gefroren | Sommer und Vorrat, mit Dach zuverlässig |
| Gurke | 4 bis 6 kg | 3 bis 4 qm | Juli bis September | Eingelegt, fermentiert | Frisch und als Salzgurke |
| Salat (Pflück, Kopf, Endivie) | 2 bis 3 kg | 6 bis 8 qm in Folgesaaten | April bis November | Frisch | Jede Woche, in Sätzen gesät |
| Spinat und Mangold | 2 bis 3 kg | 4 bis 6 qm | März bis Mai, Herbst | Gefroren | Frühjahrs- und Herbstgrün |
| Feldsalat und Postelein | 1 bis 2 kg | 4 bis 6 qm | November bis April | Frisch | Das Grün im Winter |
| Beerensträucher (Johannis-, Stachel-, Himbeere) | 1 bis 3 kg je Strauch | 6 bis 8 Sträucher | Juni bis September | Gelee, gefroren, Saft | Obst mit wenig Arbeit, mehrjährig |
| Apfel, Zwetschge, Birne | 30 bis 150 kg je Baum | 2 bis 3 Bäume | August bis Oktober | Keller bis März, Mus, Saft, Dörrobst | Obstversorgung, Lagersorten wählen |
| Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Thymian, Salbei, Rosmarin) | reichlich | 4 bis 6 qm an der Tür | Ganzjährig | Getrocknet, gefroren, Salz | Würze, Hausapotheke, täglich |
| Erdbeeren | 0,5 bis 1 kg | 6 bis 8 qm | Juni | Marmelade, gefroren | Der erste Ertrag des Jahres |
Wer alle zwanzig anbaut, braucht etwa 120 bis 150 Quadratmeter Beet plus die Sträucher und Bäume. Wer weniger hat, streicht von unten: erst Erdbeeren und Gurken, dann Erbsen und Spinat, zuletzt Kartoffeln, die zwar viel Fläche brauchen, aber die Basis sind. Der Aussaatkalender zeigt für jede Kultur Aussaat, Pflanzung und Ernte nach Region.
Das Jahr des Selbstversorgers
Selbstversorgung ist eine Abfolge von Terminen, und wer sie einhält, hat im Januar den Keller voll. Die wichtigsten in einem Durchlauf, ausführlich in den Monatsseiten des Gartenjahrs:
Januar, Februar. Saatgut bestellen, Beetplan mit Fruchtfolge zeichnen, Chili und Paprika vorziehen, Obstbäume schneiden, Vorrat kontrollieren.
März. Erbsen, Dicke Bohnen, Spinat, Möhren, Zwiebeln säen und stecken, Kartoffeln vorkeimen, Tomaten ab Mitte März vorziehen, Beete mit der Grabegabel lockern.
April. Kartoffeln setzen, Salat, Kohlrabi, Rote Bete säen, Kohl pflanzen, Kürbis und Zucchini vorziehen, Erdbeeren pflegen.
Mai. Nach den Eisheiligen Tomaten, Kürbis, Zucchini, Gurken, Bohnen und Basilikum auspflanzen, mulchen, erste Ernte von Salat, Radieschen, Spargel und Rhabarber.
Juni. Erdbeeren, Erbsen, Frühkartoffeln, erste Zucchini ernten, Tomaten ausgeizen, nachsäen, Kräuter ernten, gießen und mulchen.
Juli. Beeren, Bohnen, Gurken, Zucchini, erste Tomaten, Knoblauch und Zwiebeln ernten, einkochen beginnen, für Herbst und Winter säen.
August. Tomaten, Bohnen, Zwiebeln, Kartoffeln in Mengen ernten und haltbar machen, Feldsalat, Spinat, Radieschen für den Herbst säen, Saatgut gewinnen.
September. Kürbis, Äpfel, Zwetschgen ernten, letzte Herbstsaaten, Knoblauch vorbereiten, Gründüngung säen, Sauerkraut ansetzen.
Oktober. Kartoffeln, Möhren, Rote Bete, Sellerie, Kohl ernten und einlagern, Knoblauch stecken, Kompost aufsetzen, Beete bedecken, Hochbeete nachfüllen.
November. Letzte Wurzelernte, Lauch und Grünkohl stehen lassen, Vorrat kontrollieren, Werkzeug pflegen, Beetplan fortschreiben.
Dezember. Vorrat kontrollieren, Saatgut sichten, Wintergemüse ernten, ausruhen.
Die beiden Spitzen sind April, Mai und September, Oktober. Wer Urlaub plant, plant ihn nicht dort.
Der Vorrat ist die halbe Selbstversorgung
Ein Garten liefert im August zwanzig Kilo Tomaten in zwei Wochen und im Januar nichts. Selbstversorgung heißt deshalb nicht nur anbauen, sondern verteilen: die Ernte des Sommers in den Winter bringen. Ohne Vorrat ist im Dezember Schluss, mit Vorrat reicht der Garten bis zur nächsten Ernte. Fünf Wege, alle mit eigener Anleitung:
- Lagern. Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Möhren, Rote Bete, Sellerie, Kürbis, Kohl, Äpfel im kühlen Keller, in Sand, im Zopf, in der Erdmiete. Die Regeln stehen im Artikel über das Einlagern von Gemüse und im Beitrag über Äpfel.
- Fermentieren. Sauerkraut, Rote Bete, Gurken, Möhren mit Salz im Glas, ohne Gerät, mit lebenden Bakterien. Das Grundrezept steht im Beitrag über Sauerkraut.
- Einkochen. Tomaten als Passata, Bohnen, Chutney, Gelee, Kompott, Sirup, in Gläsern, die im Regal stehen.
- Einfrieren. Bohnen, Erbsen, Spinat, Beeren, Kräuterwürfel, Kürbissuppe, Pesto. Die schnellste Methode, begrenzt durch die Truhe.
- Trocknen. Kräuter, Apfelringe, Tomaten, Bohnen, Chili, Pilze, Hagebutten. Braucht keine Energie im Lager.
Die Übersicht über alle Verfahren, was für welches Gemüse taugt und wie viel man wovon braucht, steht in der Säule Ernte haltbar machen. Der Vorrat wird im Herbst angelegt und im Winter gegessen, und die wöchentliche Kontrolle im Keller ist der Handgriff, der ihn bis März rettet.
Der Plan für drei Jahre
Selbstversorgung wird nicht in einem Jahr aufgebaut, sondern in drei, und wer das weiß, gibt im ersten nicht auf.
Jahr eins: Boden und Routine. Zwei bis vier Beete anlegen, ohne Spaten, mit Pappe, Kompost und Mulch. Kompost und Regentonne aufstellen. Fünf Kulturen, die gelingen: Kartoffeln, Zucchini, Buschbohnen, Salat, Zwiebeln. Ein Kräuterbeet an der Tür. Zwei Beerensträucher und, wenn Platz ist, ein Apfelbaum als Lagersorte, im Herbst gepflanzt. Ernte wiegen. Im Oktober Knoblauch stecken, Gründüngung säen, den ersten Beetplan schreiben. Die Grundlagen zum Boden stehen in der Säule Gesunder Gartenboden.
Jahr zwei: Fläche und Lagergemüse. Beete auf 100 Quadratmeter erweitern, Fruchtfolge einführen. Dazu Kohl, Möhren mit Netz, Rote Bete, Kürbis, Tomaten unter einem Dach, Lauch, Erbsen, Wintersalate. Ein Hochbeet für Frühes und Winter. Erste Einlagerung im Keller, erstes Sauerkraut, Tomaten einkochen. Weitere Sträucher. Die Anleitung zum Hochbeet steht in der Säule Hochbeet: Bauen, Füllen, Bepflanzen.
Jahr drei: Vorrat und Feinschliff. Der Vorratskeller mit vier Zonen, Einkochen und Einfrieren nach Plan, Saatgut samenfester Sorten selbst gewinnen, Sorten nach den eigenen Erträgen wählen, Folgesaaten für lückenlosen Salat, Dauerkulturen wie Rhabarber, Spargel und Meerrettich, vielleicht Hühner. Der Garten läuft mit Mulch, Kompost und Routine mit halbem Aufwand.
Nach drei Jahren steht die Struktur, und ab dann ist Selbstversorgung Wiederholung mit Verbesserungen. Die Prinzipien dahinter, vom Boden bis zu den Tieren, stehen in der Säule Permakultur im eigenen Garten.
Was oft unterschätzt wird
Die Zeit im Herbst. Anbauen kann jeder, Ernten und Verarbeiten ist die Arbeit. Ein Wochenende für Kartoffeln und Einlagern, eines für Äpfel und Mus, eines für Kohl, Kürbis und Sauerkraut. Wer im Oktober keine Zeit hat, hat im Januar keinen Vorrat.
Der Platz im Haus. Ein kühler Keller, eine Truhe, ein Regal für hundert Gläser, ein Dörrgerät. Selbstversorgung braucht Lagerraum, und der wird beim Hausbau selten mitgeplant.
Die Sorten. Eine Frühkartoffel lagert nicht, ein Sommerapfel auch nicht, eine Sommerzwiebel hält bis November. Wer Vorrat will, wählt Lagersorten: Agria und Laura bei Kartoffeln, Boskoop und Topaz bei Äpfeln, Sturon bei Zwiebeln, Butternut beim Kürbis, Rodelika bei Möhren.
Die Schädlinge. Möhrenfliege, Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Schnecken kosten ohne Vorsorge die Hälfte. Kulturschutznetze über Möhren und Kohl, Käfer absammeln, Schnecken im Herbst regulieren.
Die Wasserfrage. Hundert Quadratmeter Gemüse brauchen in einer Trockenphase sechs- bis zehntausend Liter Wasser im Monat, also 60 bis 100 Liter je Quadratmeter. Regentonnen, Mulch und Humus halbieren das, aber ohne Wasserzugang im Garten geht es nicht.
Der Überschuss. Es wird immer etwas zu viel geben. Zucchini im August, Äpfel im Oktober, Kürbis im November. Tauschen, verschenken, einkochen, oder gleich weniger anbauen. Drei Zucchini sind eine Belastung für die Nachbarschaft.
Selbstversorgung auf kleiner Fläche
Wer nur Balkon oder zwanzig Quadratmeter hat, versorgt sich nicht mit Kartoffeln, aber mit dem, was teuer und frisch am besten ist: Kräuter, Salat in Folgesaaten, Tomaten und Gurken in Kübeln, Pflücksalat und Mangold im Kasten, Erdbeeren in der Ampel, Radieschen und Kresse. Ein Hochbeet von zwei Quadratmetern liefert von März bis November jede Woche Salat und im Winter Feldsalat. Zwei Kübel mit Zucchini und Kürbis auf dem Kompost ergeben Kilo. Wer dazu Sauerkraut aus gekauftem Kohl macht und Kräuter für den Winter einfriert, hat einen Teil der Selbstversorgung auch ohne Garten. Der Rest kommt, wenn der Garten kommt.
Saatgut selbst gewinnen
Der letzte Schritt der Selbstversorgung ist das Saatgut, und er ist einfacher, als er klingt. Bohnen, Erbsen, Tomaten, Salat, Dill, Ringelblume und Kürbis lassen sich ohne besondere Kenntnisse vermehren, wenn die Sorten samenfest sind; Hybriden mit dem Zusatz F1 spalten in der nächsten Generation auf. Bohnen und Erbsen trocknen an der Pflanze, werden ausgedroschen und eine Woche eingefroren gegen Käfer. Tomatenkerne werden mit dem Gel drei Tage in Wasser vergoren, abgespült und getrocknet. Salat lässt man schießen und schüttelt die Samen aus den Blütenständen. Kürbis und Zucchini kreuzen sich innerhalb ihrer Art, deshalb nur eine Sorte je Art oder Blüten von Hand bestäuben. Möhren, Kohl, Zwiebeln und Rote Bete sind zweijährig und aufwendiger; die kauft man weiter.
Gelagert wird kühl, trocken und dunkel in beschrifteten Papiertüten oder Gläsern, mit Jahr und Sorte. Nach fünf Jahren hat man Sorten, die sich an den eigenen Boden und das eigene Klima angepasst haben, und einen Posten weniger auf der Rechnung. Wer außerdem Knoblauch aus der eigenen Ernte steckt und Kartoffeln aus gesunden Knollen zwei bis drei Jahre weiterführt, kauft nur noch, was neu ausprobiert wird.
Häufige Fehler
Zu groß angefangen. Zwölf Beete im ersten Jahr, im Juli Unkraut, im August Frust. Zwei bis vier Beete, dann wachsen.
Zu viel vom Falschen. Fünfzig Kilo Zucchini, keine Möhren. Ernte wiegen, Plan nach Bedarf.
Keine Lagersorten. Frühkartoffeln und Sommeräpfel sind im Dezember weg. Lagersorten für den Vorrat.
Kein Vorrat. Der Garten liefert im August, der Mensch isst im Januar. Lagern, fermentieren, einkochen, einfrieren.
Kein Netz über Möhren und Kohl. Fliege und Weißling nehmen die Hälfte. Kulturschutznetz ab der Saat.
Herbst unterschätzt. Ernte und Verarbeitung kosten drei Wochenenden. Einplanen.
Alles selbst vorgezogen ohne Licht. Lange, blasse Pflanzen. Jungpflanzen kaufen, bis das Licht da ist.
Boden vergessen. Ohne Kompost, Mulch und Fruchtfolge sinken die Erträge ab dem dritten Jahr. Der Boden ist die Basis.
Regionale Unterschiede
In milden Weinbaulagen, im Rheinland und an der Küste ist die Saison vier bis sechs Wochen länger; dort reichen Folgesaaten bis Oktober, und Wintersalate wachsen ohne Vlies. In mittleren Lagen, den Mittelgebirgen und im Osten sind Frühjahr und Herbst kürzer, die Tomaten brauchen ein Dach, und die Vorratshaltung ist wichtiger, weil das Beet von Dezember bis März wenig liefert; dafür sind die Winter kalt genug für gute Keller. In Höhenlagen über 600 Metern verschiebt sich alles um zwei bis drei Wochen, Hochbeete und Frühbeete verlängern die Saison, und Kartoffeln, Kohl, Möhren und Wintergemüse sind die verlässlichen Kulturen. In Trockenregionen wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt entscheidet das Wasser über die Fläche, die man bewirtschaften kann.
Fazit
Selbstversorgung ist kein Hof und keine Prozentzahl, sondern ein Garten von 100 bis 150 Quadratmetern, zwanzig Kulturen, ein Terminplan und ein Vorrat, der den August in den Januar bringt. Wer klein anfängt, die Ernte wiegt, Lagersorten wählt und den Herbst einplant, hat nach drei Jahren einen Einkaufszettel, auf dem von Mai bis März kaum noch Gemüse steht.
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Wie viel Fläche brauche ich, um mich selbst zu versorgen?
Für Gemüse und Kräuter zu großen Teilen: 50 bis 75 Quadratmeter Beet je Person, also 100 bis 150 für zwei. Dazu Platz für Beerensträucher, ein bis zwei Obstbäume und den Kompost. Wer nur 25 Quadratmeter hat, versorgt sich mit Salat, Kräutern, Tomaten und Sommergemüse und kauft Lagergemüse zu. Wer 300 Quadratmeter hat, kann Kartoffeln, Getreide und Hülsenfrüchte in Mengen anbauen. Hundert Prozent Selbstversorgung mit Eiern, Milch und Fleisch ist ein Hof mit Tieren, kein Garten.
Wie viel Zeit kostet das?
Auf 100 Quadratmetern im Aufbau etwa fünf bis acht Stunden in der Woche von März bis Oktober, nach drei Jahren mit Mulch, Dauerkulturen und Routine drei bis fünf. Dazu im Herbst zwei bis drei Wochenenden für Ernte, Einlagern und Einkochen und im Winter fast nichts. Die Zeit ist ungleich verteilt: April, Mai und September, Oktober sind die Spitzen.
Womit fange ich an, wenn ich noch nie gegärtnert habe?
Mit fünf Kulturen, die fast immer gelingen: Kartoffeln, Zucchini, Buschbohnen, Salat und Zwiebeln, auf zwei bis drei Beeten. Dazu ein Kräuterbeet an der Tür und zwei Beerensträucher. Im ersten Jahr geht es um Boden, Routine und die eigene Erfahrung, nicht um Menge. Im zweiten Jahr kommen Kohl, Möhren, Tomaten, Kürbis und die Wintersalate, im dritten der Vorrat.
Lohnt sich Selbstversorgung finanziell?
Bei Gemüse ja, nach dem ersten Jahr. Saatgut, Kompost und Werkzeug kosten im Aufbau zwei- bis dreihundert Euro, danach etwa fünfzig bis hundert im Jahr. Dagegen stehen Erträge, die bei 100 Quadratmetern zwei- bis dreihundert Kilo Gemüse entsprechen, im Bioladen deutlich über tausend Euro. Die eigene Arbeitszeit ist dabei nicht gerechnet, aber die meisten rechnen sie auch beim Joggen nicht.
Was ist mit Hühnern?
Drei bis vier Hennen liefern zwei Personen die Eier des Jahres, verwerten Küchenabfälle, düngen und kratzen im Herbst die Beete durch. Sie brauchen einen fuchssicheren Stall, Auslauf, täglich Futter und Wasser, Urlaubsvertretung und die Anmeldung beim Veterinäramt. Wer das leisten kann, hat das nächste Stück Selbstversorgung; wer nicht, hat mit Gemüse und Obst genug zu tun. Hühner kommen im dritten Jahr, nicht im ersten.
Muss ich alles selbst vorziehen?
Nein. Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Möhren, Rote Bete, Spinat, Feldsalat und Zwiebeln werden direkt gesät oder gesteckt. Tomaten, Paprika, Kohl, Kürbis, Zucchini, Gurken und Salat kann man vorziehen oder als Jungpflanzen aus der Gärtnerei kaufen; zehn Tomatenpflanzen kosten dort weniger als das Licht zum Vorziehen. Vorziehen lohnt sich ab dem zweiten Jahr für Sorten, die es nicht zu kaufen gibt.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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