Permakultur · Grundlagen
Gesunder Gartenboden: Bodenarten erkennen, Humus aufbauen, Bodenleben fördern
Alles, was im Garten wächst, wächst aus dem Boden, und fast alles, was schiefgeht, geht dort schief. Diese Seite erklärt, was ein Boden ist, wer darin lebt, wie du deinen Boden erkennst und was du in jeder Jahreszeit tun kannst, damit er von Jahr zu Jahr besser wird. Ohne Dünger aus dem Sack und ohne Spaten.
Viele Gartenböden sehen am Anfang gleich aus: eine graue, harte Fläche, die nach Regen glänzt und nach einer Woche Sonne reißt. Lehm, seit Jahrzehnten gegraben, gedüngt und nackt überwintert. Wer einen solchen Boden über einige Jahre mulcht, mit Kompost füttert und nicht mehr wendet, sieht die Veränderung zuerst im Spatentest: mehr Regenwürmer, bohnengroße Krümel, Waldgeruch. Was dazwischen liegt, ist kein Dünger und keine Maschine, sondern ein Verständnis davon, was Boden ist und was er braucht. Diese Seite fasst es zusammen.
Was Boden ist
Boden ist keine Erde, in die man Pflanzen steckt. Er ist ein Gemisch aus fünf Bestandteilen, und nur zwei davon kann man verändern.
Mineralteile. Sand, Schluff und Ton, die Bruchstücke des Gesteins, aus dem der Boden entstanden ist. Sie machen etwa die Hälfte des Volumens aus, bestimmen die Bodenart und lassen sich nicht ändern; wer Lehm hat, hat Lehm.
Humus. Die abgestorbene, umgewandelte organische Substanz, ein bis zehn Prozent des Bodens. Humus speichert Wasser und Nährstoffe, hält Krümel zusammen, färbt den Boden dunkel und ist das, was man aufbauen kann.
Wasser in den feinen Poren, Luft in den groben, zusammen etwa die Hälfte des Volumens. Das Verhältnis entscheidet, ob Wurzeln atmen und trinken können.
Lebewesen. Bakterien, Pilze, Algen, Einzeller, Fadenwürmer, Springschwänze, Milben, Asseln, Tausendfüßer, Regenwürmer, Insektenlarven, Mäuse. In einer Handvoll gesunder Erde leben mehr Organismen, als es Menschen gibt; in einem Quadratmeter Wiesenboden bis zu einer Billion. Sie bauen Humus auf und ab, lösen Nährstoffe, bilden Krümel, graben Gänge. Sie sind der Teil des Bodens, der arbeitet.
Ein guter Gartenboden hat also eine gegebene Mineralbasis, ausreichend Humus, ein ausgewogenes Verhältnis von Wasser und Luft und ein reiches Bodenleben. Die letzten drei hängen zusammen: Humus und Bodenleben schaffen die Krümelstruktur, die Wasser und Luft zugleich hält.
Bodenarten erkennen
Die Bodenart ergibt sich aus dem Verhältnis von Sand, Schluff und Ton, und sie bestimmt, was der Boden von Natur aus kann und was er braucht.
| Bodenart | Fingerprobe | Eigenschaften | Braucht |
|---|---|---|---|
| Sandboden | Rieselt, lässt sich nicht formen, knirscht | Erwärmt sich schnell, leicht zu bearbeiten, hält weder Wasser noch Nährstoffe, baut Humus schnell ab | Humus, Humus, Humus: Kompost, Mulch, Gründüngung; Lehm oder Bentonit als Zuschlag |
| Schluffboden (Löss) | Mehlig, samtig, lässt sich kaum rollen | Fruchtbar, speichert Wasser, verschlämmt und verkrustet leicht | Dauerhafte Bedeckung, Krümelstruktur durch Humus |
| Lehmboden | Formt eine bleistiftdicke Rolle, die beim Biegen bricht | Gute Mischung, hält Wasser und Nährstoffe, verdichtet bei Nässe, erwärmt sich langsam | Struktur: Kompost, Mulch, nicht bei Nässe betreten, nicht wenden |
| Tonboden | Rollt sich dünn aus, glänzt, klebt, reißt beim Trocknen | Sehr nährstoffreich, sehr schwer, staunass, im Sommer betonhart | Lockerung: Sand und Kompost, tief wurzelnde Gründüngung, Hochbeete, Drainage |
| Humusboden (Moor, alter Gartenboden) | Dunkel, leicht, federnd, riecht nach Wald | Speichert viel Wasser, oft sauer, nährstoffarm trotz Dunkelheit | Kalk nach Test, Mineralboden als Zuschlag |
Die Fingerprobe geht so: eine Handvoll feuchte Erde zwischen Daumen und Zeigefinger reiben und zu einer Rolle formen. Was dabei passiert, steht in der Tabelle. Wer genauer wissen will, gibt eine Probe ins Labor; für rund dreißig Euro kommen Bodenart, pH-Wert, Humusgehalt und Nährstoffe zurück, und man weiß, wo man anfängt.
Dazu lesen die Zeigerpflanzen den Boden für dich. Brennnessel, Giersch, Melde und Vogelmiere zeigen fetten, stickstoffreichen Boden. Ackerschachtelhalm, Huflattich und Kriechender Hahnenfuß zeigen Staunässe und Verdichtung. Kamille, Wegerich und Breitwegerich zeigen verdichtete Wege. Hasenklee, Sauerampfer und Ackerstiefmütterchen zeigen sauren, armen Boden. Klatschmohn, Ackerwinde und Huflattich zeigen Kalk. Wo Moos wächst, fehlt Licht oder Luft.
Wer im Boden lebt und was er tut
Das Bodenleben ist ein Stockwerksystem mit Aufgabenteilung, und das erklärt, warum Umgraben so viel zerstört.
Bakterien zersetzen frisches, stickstoffreiches Material, setzen Nährstoffe frei und binden mit Hülsenfrüchten Stickstoff aus der Luft. Sie sind Milliarden je Gramm, arbeiten schnell und brauchen Feuchtigkeit und Wärme.
Pilze zersetzen Holz, Laub und alles, was schwer abbaubar ist, und bilden Humus. Ihre Fäden durchziehen den Boden als Netz, das Krümel zusammenhält. Die Mykorrhiza-Pilze verbinden sich mit den Wurzeln von neunzig Prozent aller Pflanzen und liefern Wasser und Phosphor aus Bereichen, die keine Wurzel erreicht. Dieses Netz braucht Ruhe: Ein Spatenstich zerreißt es, eine Saison baut es auf.
Springschwänze, Milben, Asseln, Tausendfüßer zerkleinern Laub und Streu und machen sie für Bakterien und Pilze zugänglich. Sie leben in den oberen Zentimetern und brauchen Mulch.
Regenwürmer ziehen Laub und Mulch von der Oberfläche in ihre Gänge, verdauen es mit Mineralboden und geben Wurmhumus ab, den fruchtbarsten Boden, den es gibt. Ihre senkrechten Gänge reichen bis zwei Meter tief, belüften, drainieren und leiten Wurzeln. Ein guter Boden hat zwei- bis vierhundert Würmer je Quadratmeter, die pro Jahr die gesamte Oberfläche einmal durch ihren Darm bewegen.
Laufkäfer, Insektenlarven, Spitzmäuse, Maulwürfe sind die Jäger und die Grobarbeiter. Der Maulwurf, so ärgerlich seine Haufen sind, ist ein Zeichen für viele Würmer und damit für guten Boden.
Was alle brauchen: Futter von oben in Form von Laub, Mulch und Kompost. Feuchtigkeit, die Mulch hält. Ruhe, also keinen Spaten, keine Fräse, kein Betreten bei Nässe. Vielfalt an Pflanzen und Wurzeln. Und kein Gift, kein Salzdünger in hohen Gaben, keine Fungizide. Der ausführliche Beitrag dazu ist Bodenleben aufbauen.
Humus: Was er ist und wie er entsteht
Humus ist die abgestorbene organische Substanz, die von Bodenlebewesen so weit umgebaut wurde, dass sie stabil ist. Er ist dunkel, krümelig, riecht nach Wald, speichert das Drei- bis Fünffache seines Gewichts an Wasser und hält Nährstoffe an seiner Oberfläche fest, die er nach und nach abgibt. Ein Prozent Humus mehr im Boden bedeutet etwa zwanzig Liter Wasserspeicher je Quadratmeter mehr in der oberen Bodenschicht; in einem trockenen Juli ist das der Unterschied zwischen Gießen alle zwei Tage und alle zwei Wochen.
Humus entsteht nicht aus dem Sack, sondern aus vier Quellen im Garten:
- Kompost, aufgelegt, nicht eingegraben. Drei bis fünf Liter je Quadratmeter für Starkzehrer, ein bis zwei für den Rest, jedes Jahr. Wie er entsteht, steht im Artikel über das richtige Anlegen eines Komposts.
- Mulch aus Laub, Rasenschnitt, Stroh und Gründüngungsschnitt, den die Würmer einziehen. Die Regeln stehen im Beitrag über das richtige Mulchen und im Artikel über Laub im Garten.
- Gründüngung, deren Wurzeln und Schnitt im Boden bleiben. Die Herbstvariante steht im Artikel über die Gründüngung im Herbst.
- Wurzeln abgeernteter Pflanzen, die im Boden verrotten. Deshalb abschneiden, nicht ziehen.
Humus wird gleichzeitig abgebaut, schneller auf Sand und in warmen, gelockerten Böden, langsamer auf Lehm und unter Mulch. Ein Boden, der jedes Jahr gegraben und nackt überwintert wird, verliert Humus. Ein Boden, der bedeckt und gefüttert wird, gewinnt ihn, langsam, etwa ein Zehntel Prozent im Jahr. Nach zehn Jahren ist das ein Prozent, und das ist viel.
Der pH-Wert
Der pH-Wert beschreibt, ob der Boden sauer oder basisch ist, und er entscheidet, welche Nährstoffe die Pflanzen aufnehmen können. Die meisten Gemüsearten wollen 6 bis 7, Kartoffeln und Beeren etwas saurer, Kohl etwas basischer. Unter 5,5 werden Phosphor und Kalzium schlecht verfügbar und Aluminium giftig; über 7,5 fehlen Eisen, Mangan und Bor, und die Blätter werden gelb trotz Dünger.
Der Wert wird gemessen, nicht geraten: mit einem Testset aus dem Handel grob, mit einer Laboranalyse genau. Sauren Boden unter 6 hebt man im Herbst mit kohlensaurem Kalk oder Algenkalk, fünfzig bis hundert Gramm je Quadratmeter, und misst nach zwei Jahren wieder. Basischen Boden über 7,5 senkt man langsam mit Kompost, Laubhumus, Nadelstreu und Kaffeesatz als Mulch. Auf neutralem Boden wird nicht gekalkt, egal wie sehr die Gewohnheit dazu drängt; Kalk setzt dann Humus frei und blockiert Spurenelemente. Kompost puffert den pH-Wert in beide Richtungen und ist auf nahezu allen Gartenböden die richtige Grundmaßnahme.
Verdichtung: Das häufigste Problem
Ein verdichteter Boden hat keine groben Poren mehr. Wasser steht nach Regen in Pfützen, im Sommer ist er hart, Wurzeln bleiben flach, Sauerstoff fehlt, und das Bodenleben zieht sich zurück. Verdichtung entsteht durch Betreten und Befahren bei Nässe, durch Umgraben, das die Krümel zerstört und die Feinteile in die Poren spült, durch Fräsen, die eine glatte Sohle hinterlassen, und durch nackten Boden, auf den der Regen schlägt.
Die Lösung ist keine Maschine, sondern Geduld in vier Schritten:
- Nicht mehr betreten. Feste Wege, Beete von 1,20 Meter Breite, die man von beiden Seiten erreicht, Trittbretter bei Nässe.
- Tiefenlockerung mit der Grabegabel. Alle zwanzig Zentimeter einstechen, wippen, ziehen, ohne zu wenden. Einmal im Herbst, einmal im Frühjahr, nur bei abgetrocknetem Boden.
- Tief wurzelnde Gründüngung. Ölrettich, Luzerne, Winterroggen und Lupine bohren Kanäle, die nach dem Absterben bleiben.
- Mulch und Kompost obenauf, damit die Regenwürmer die Kanäle übernehmen und ausbauen.
Nach zwei bis drei Jahren ist ein verdichteter Boden durchwurzelbar. Wer schneller ernten will, baut in der Zwischenzeit ein Hochbeet oder ein Beet mit Pappe und Kompost obenauf.
Den eigenen Boden prüfen
Drei Tests, alle ohne Labor, einmal im Herbst und einmal im Frühjahr.
Der Spatentest. Einen Spaten voll Erde, zwanzig Zentimeter tief, auf eine Plane legen und zerbröseln. Zählen: mehr als zehn Regenwürmer sind gut, unter drei sind arm. Sehen: bohnengroße Krümel sind gut, Platten und Staub sind schlecht. Riechen: Wald ist gut, muffig oder nichts ist schlecht. Anfassen: weiße Pilzfäden an Wurzeln und Laubresten sind Mykorrhiza.
Die Fingerprobe für die Bodenart, wie oben beschrieben.
Der Versickerungstest. Ein Loch von dreißig Zentimeter Tiefe und Breite, mit Wasser gefüllt, leerlaufen lassen, noch einmal füllen und die Zeit messen. Sinkt der Wasserspiegel um mehr als drei Zentimeter je Stunde, ist die Drainage gut; unter einem Zentimeter je Stunde steht der Boden nass.
Dazu alle drei bis fünf Jahre die Laboranalyse für pH-Wert, Humus und Nährstoffe. Sie kostet dreißig Euro und ersetzt jedes Raten beim Düngen und Kalken.
Der Jahresplan für den Boden
| Jahreszeit | Was der Boden braucht | Was du tust | Was du lässt |
|---|---|---|---|
| Herbst (Oktober, November) | Bedeckung, Futter, Ruhe | Gründüngung säen oder mulchen, Kompost auflegen, Laub verteilen, Wurzeln drin lassen, Fruchtfolge notieren, Grabegabel wo verdichtet | Umgraben, nackt überwintern, bei Nässe betreten |
| Winter | Ruhe, Schutz | Nichts. Bei Kahlfrost Vlies auf Wintergemüse | Kalk aus Gewohnheit, Betreten bei Frost |
| Frühjahr (März, April) | Wärme, Luft | Mulchdecke lichten, Grabegabel, Kompost flach einharken, erst säen, wenn der Boden abgetrocknet ist | Frühe Bearbeitung bei Nässe, Fräsen |
| Sommer (Mai bis September) | Feuchtigkeit, Beschattung | Ab Mitte Mai mulchen und nachlegen, gründlich und selten gießen, Jauche für Starkzehrer, Beikraut als Mulch | Täglich oberflächlich gießen, hacken auf nacktem Boden, Salzdünger |
Der Plan wiederholt sich jedes Jahr, und jedes Jahr sieht der Spatentest im Frühjahr etwas besser aus. Was der Boden im Detail in jedem Monat braucht, steht im Gartenjahr.
Düngen: Was der Boden braucht
Ein lebendiger Boden mit drei Prozent Humus und regelmäßigem Kompost braucht kaum Dünger aus dem Sack, weil das Bodenleben die Nährstoffe aus Humus, Mulch und Gestein freisetzt. Was er zusätzlich bekommt, hängt von der Kultur ab.
Kompost ist die Grundversorgung: drei bis fünf Liter je Quadratmeter für Starkzehrer wie Kohl, Kartoffeln, Kürbis und Tomaten, ein bis zwei Liter für Mittelzehrer, nichts für Schwachzehrer und Hülsenfrüchte. Jauche aus Brennnesseln oder Beinwell liefert im Sommer schnellen Stickstoff und Kalium für Starkzehrer. Hornspäne und andere organische Dünger sind eine Ergänzung bei sichtbarem Mangel. Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen düngen das Beet für die Nachkultur, wenn ihre Wurzeln bleiben. Urgesteinsmehl liefert Spurenelemente und hilft auf Sand.
Was der Boden nicht braucht: Blaukorn und andere Mineraldünger in hohen Gaben, die wie Salz auf das Bodenleben wirken; Torf, der versauert, kein Leben mitbringt und Moore zerstört; Kalk ohne Test; Rindenmulch im Gemüsebeet, der Stickstoff bindet. Wie der Kompost dafür zusammengesetzt wird, rechnet der Kompost-Rechner aus, und wohin welche Menge gehört, regelt die Fruchtfolge.
Der Boden im Hochbeet und im Topf
Hochbeet und Kübel folgen denselben Regeln, aber in Zeitraffer. Das Hochbeet ist ein liegender Komposthaufen: Es heizt von innen, sackt jedes Jahr um zehn bis fünfzehn Zentimeter, verbraucht seine aktive Schicht und wird im Herbst nachgeschichtet. Sein Boden wird nie umgegraben, dauerhaft gemulcht und mit den Wintersalaten begrünt; die Fruchtfolge läuft dort in der Zeit statt in der Fläche, von den Starkzehrern im ersten Jahr zu den Kräutern im vierten. Die Schichtung steht in der Anleitung zum Nachfüllen des Hochbeets.
Der Topf hat kein Bodenleben, das von selbst kommt, und keinen Nachschub von oben. Deshalb braucht er Erde mit Struktur, ein Drittel Kompost, ein Drittel Laubhumus oder torffreie Erde, ein Drittel Sand oder Splitt, eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh gegen das Austrocknen, und jedes Frühjahr frischen Kompost obenauf. Kübelerde wird alle zwei bis drei Jahre erneuert, die alte kommt auf den Kompost oder in das Hochbeet. Regenwürmer aus dem Garten in einen großen Kübel gesetzt überleben, wenn Mulch und Feuchtigkeit stimmen, und tun dort dasselbe wie im Beet.
Wer nur Balkon hat, gärtnert also im Kleinen nach denselben vier Regeln: nicht wenden, bedecken, von oben füttern, Wurzeln drin lassen. Der Unterschied ist, dass der Topf alles schneller zeigt, das Gute wie das Schlechte.
Bodenproben richtig nehmen
Eine Laboranalyse ist nur so gut wie die Probe. Für ein Beet oder eine Fläche gleicher Nutzung werden an zehn bis fünfzehn Stellen, kreuz und quer verteilt, mit dem Spaten oder einem Bohrstock Proben aus null bis fünfundzwanzig Zentimetern Tiefe entnommen, in einem Eimer gemischt, und davon etwa 500 Gramm in einen Beutel gefüllt, beschriftet mit Fläche und Datum. Nicht direkt nach dem Düngen oder Kalken, nicht am Kompostplatz, nicht am Rand. Rasen, Gemüsebeete und Obstfläche werden getrennt beprobt, weil sie anders genutzt werden. Die Probe geht an ein Bodenlabor oder die Landwirtschaftskammer; nach zwei bis drei Wochen kommen pH-Wert, Humusgehalt, Phosphor, Kalium, Magnesium und eine Düngeempfehlung zurück, die man mit dem Wissen dieser Seite auf Kompost und Mulch übersetzt. Einmal am Anfang, einmal nach drei bis fünf Jahren reicht.
Häufige Fehler
Umgraben. Zerstört Schichten, Pilzgeflecht und Krümel. Lockern mit der Grabegabel.
Nackter Boden im Winter. Verschlämmt, verkrustet, verliert Humus. Gründüngung oder Mulch.
Bei Nässe bearbeitet oder betreten. Verdichtet Lehm für Jahre. Nur, wenn die Erde nicht am Stiefel klebt.
Kompost eingegraben. Gehört obenauf. Die Würmer arbeiten ihn ein.
Aus Gewohnheit gekalkt. Blockiert Spurenelemente auf neutralem Boden. Nur nach Test.
Torf gekauft. Sauer, tot, aus dem Moor. Laubhumus und Kompost.
Mineraldünger als Grundversorgung. Füttert die Pflanze, hungert den Boden aus. Kompost als Basis.
Ungeduld. Nach einem Jahr wenig, nach drei Jahren viel. Der Spatentest zeigt den Fortschritt.
Regionale Unterschiede
Schwerer Lehm, wie er in weiten Teilen Süddeutschlands, im Voralpenland und in vielen Flusstälern vorkommt, braucht vor allem Struktur und Ruhe: Mulch, Kompost, keine Bearbeitung bei Nässe, und er belohnt das nach drei Jahren mit einem Boden, der Wasser und Nährstoffe hält wie kein Sand. Sandböden in Brandenburg, der Lüneburger Heide oder am Niederrhein brauchen Humus in jeder Form und verlieren ihn schnell wieder; dort sind Mulch, Gründüngung und Lehmzuschlag Dauerarbeit. Lössböden in der Magdeburger Börde, im Rheinland und in Niederbayern sind fruchtbar und verschlämmen leicht; dort zählt die Bedeckung. Kalkböden auf der Schwäbischen Alb und in anderen Kalkgebieten des Südens haben hohen pH-Wert und brauchen Kompost und saure Mulchmaterialien. Moor- und Anmoorböden im Alpenvorland und in Nordwestdeutschland sind sauer und brauchen Kalk nach Test. Die Methode ist überall gleich; die Dosis ändert sich mit dem Boden.
Fazit
Boden besteht aus Mineralteilen, die man nicht ändert, und aus Humus und Leben, die man aufbaut. Aufgebaut wird von oben, mit Kompost, Mulch, Gründüngung und Wurzeln, und in Ruhe gelassen wird darunter, ohne Spaten, ohne Nacktheit, ohne Salz. Wer das drei Jahre durchhält, hat einen Boden, der Wasser hält, sich selbst düngt und im April von selbst krümelt.
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Wie finde ich heraus, welchen Boden ich habe?
Mit der Fingerprobe: Eine Handvoll feuchte Erde zwischen Daumen und Zeigefinger reiben und zu einer Rolle formen. Rieselt sie und lässt sich nicht formen, ist es Sand. Lässt sie sich zu einer bleistiftdicken Rolle formen, die beim Biegen bricht, ist es Lehm. Lässt sie sich dünn ausrollen, glänzt beim Reiben und klebt, ist es Ton. Dazu die Zeigerpflanzen und der Spatentest. Ein Bodentest aus dem Labor für etwa dreißig Euro sagt zusätzlich pH-Wert, Humusgehalt und Nährstoffe.
Muss ich den Boden düngen?
Einen lebendigen Boden mit Kompost, Mulch und Gründüngung fast nie mit Dünger aus dem Sack. Starkzehrer wie Kohl, Kürbis und Tomaten bekommen Kompost und im Sommer Brennnesseljauche, der Rest lebt vom Boden. Mineraldünger füttert die Pflanze und hungert das Bodenleben aus; organischer Dünger wie Hornspäne ist eine Ergänzung, keine Grundlage. Wer nach drei Jahren Bodenaufbau noch Mangel sieht, lässt den Boden untersuchen.
Wie schnell verbessert sich ein schlechter Boden?
Sichtbar im zweiten Jahr, deutlich im dritten. Ein verdichteter, humusarmer Boden braucht mit Mulch, Kompost, Gründüngung und ohne Spaten etwa drei Jahre, bis er krümelt und die Regenwurmzahl sich verdreifacht hat. Der Humusgehalt steigt langsam, etwa ein Zehntel Prozent im Jahr; das klingt wenig, ist aber pro Prozentpunkt zwanzig Liter Wasserspeicher je Quadratmeter. Geduld ist Teil der Methode.
Soll ich kalken?
Nur nach Bodentest, wenn der pH-Wert unter 6 liegt, und dann im Herbst mit kohlensaurem Kalk, nicht mit Branntkalk. Die meisten Gartenböden liegen zwischen 6 und 7 und brauchen keinen Kalk. Kalk auf neutralem Boden setzt Humus frei und blockiert Spurenelemente. Auf Kalkböden mit pH über 7,5 helfen Kompost, Laubhumus und saure Mulchmaterialien, den Wert zu senken.
Was ist mit Bodenaktivatoren, Effektiven Mikroorganismen und Terra Preta?
Bodenaktivatoren und EM bringen Organismen, die ohne Futter und Struktur verschwinden; Kompost tut dasselbe billiger und nachhaltiger. Terra Preta, also Pflanzenkohle mit Kompost und Nährstoffen aufgeladen, kann auf sandigen Böden Wasser und Nährstoffe speichern und ist als Zuschlag zum Kompost interessant, aber kein Ersatz für Humusaufbau. Nichts davon ersetzt Mulch, Kompost und den Verzicht auf den Spaten.
Kann ich auf verdichtetem Boden überhaupt etwas anbauen?
Ja, mit zwei Wegen. Kurzfristig ein Hochbeet oder ein Beet mit Pappe, Kompost und Mulch obenauf, in dem die Pflanzen im aufgelegten Material wurzeln. Langfristig Tiefenlockerung mit der Grabegabel, tief wurzelnde Gründüngung wie Ölrettich oder Luzerne, Mulch und Regenwürmer, die die Verdichtung von unten auflösen. Nach zwei bis drei Jahren ist der Boden durchwurzelbar.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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