Im September noch säen: Fünf Kulturen, die jetzt keimen und bis in den Winter ernähren
Dein Beet ist im September nicht fertig für dieses Jahr. Es ist nur leer, und das ist ein Unterschied. Feldsalat, Spinat, Winterportulak, Radieschen und Rucola keimen jetzt noch zuverlässig, und zwei Handgriffe entscheiden, ob du bis März erntest oder im November aufgibst.
Wann das dran ist
Jetzt idealFeldsalat
Spinat
Saison: Herbst. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Mitte September stehen die ersten Beete leer. Die Zwiebeln sind raus, die Kartoffeln, die ersten Bohnen. Und fast reflexhaft greift man zur Harke, zieht die Fläche glatt und denkt: Fertig für dieses Jahr. Das Beet ist aber nicht fertig. Es ist nur leer, und in den nächsten vier Wochen entscheidet sich, ob du im Januar Salat aus dem Garten holst oder aus dem Supermarkt.
Warum der September noch ein Aussaatmonat ist
Die Tage sind kürzer, aber der Boden ist im September wärmer als im April. Zwölf bis sechzehn Grad in zehn Zentimetern Tiefe, das ist die Keimtemperatur, bei der Feldsalat, Spinat und Radieschen am besten laufen. Dazu kommen kühle, taunasse Nächte, die den Boden feucht halten, und deutlich weniger Schädlinge: Der Erdfloh, der im Mai jedes Radieschenblatt durchlöchert, ist im Herbst verschwunden, die Kohlfliege fliegt nicht mehr, die Blattläuse werden weniger.
Was fehlt, ist Zeit. Eine Kultur, die im Mai sechs Wochen braucht, braucht im September acht und im Oktober zwölf. Deshalb ist die Frage nicht, was theoretisch keimt, sondern was vor dem Winter noch etwas wird oder den Winter als Jungpflanze übersteht. Fünf Kulturen erfüllen das zuverlässig.
Die fünf Kulturen
| Kultur | Aussaat bis | Keimung | Reihenabstand | Ernte | Winterhart |
|---|---|---|---|---|---|
| Feldsalat | Anfang Oktober | 10 bis 14 Tage bei 10 bis 18 Grad | 10 bis 15 cm | November bis März | Ja, bis minus 15 Grad |
| Spinat (Winterriesen, Matador) | Ende September | 7 bis 14 Tage ab 5 Grad | 20 cm | Oktober bis November, dann wieder ab März | Ja, mit Vlies sicher |
| Winterportulak (Postelein) | Mitte Oktober | 10 bis 20 Tage, Kaltkeimer unter 12 Grad | 15 cm | November bis April | Ja, wächst noch bei null Grad |
| Radieschen (schnelle Sorten) | Mitte September | 4 bis 7 Tage | 10 cm | Nach 4 bis 6 Wochen | Nein, vor Frost ernten |
| Rucola | Mitte September | 5 bis 8 Tage | 15 cm | Ab 4 Wochen, bis zum Frost | Leichte Fröste ja |
Feldsalat ist der Klassiker und die wichtigste Wintersalat-Kultur im Freiland. Ab November erntet man die ersten Rosetten, und was klein in den Winter geht, wächst im Februar weiter und liefert bis in den März. Er keimt bei zehn Grad noch problemlos, wächst unter Schnee weiter und braucht nichts außer einem festen Boden.
Spinat wird im September gesät, im Oktober und November einmal beerntet und dann stehen gelassen. Im März, wenn sonst noch nichts da ist, schießt er als Erster wieder hoch. Winterharte Sorten wie Winterriesen oder Matador nehmen.
Winterportulak, auch Postelein oder Tellerkraut, ist fast unbekannt und das Robusteste, was der Winter hergibt. Er keimt erst, wenn es kühl wird, wächst bei null Grad noch, verträgt minus zwanzig und schmeckt mild und leicht nussig, roh im Salat oder kurz gedünstet. Wer ihn einmal hat, hat ihn immer, er sät sich selbst aus.
Radieschen gehen nur noch bis Mitte September und nur mit schnellen Sorten wie Sora oder Saxa. Aber in vier bis sechs Wochen hast du sie, ohne Erdfloh und ohne Löcher.
Rucola wird im Herbst deutlich milder als im Sommer, weil er nicht in Stress gerät. Bis Mitte September gesät, kann er ab Oktober bis zum ersten Frost geschnitten werden, oft mehrfach.
Dazu kommen, wenn Platz ist, Asia-Salate wie Mizuna und Pak Choi bis Mitte September, Pflücksalat im Gewächshaus und Kresse überall. Wer nichts mehr essen will, sät Gründüngung; ein leeres Beet gibt es im September nicht.
Zwei Handgriffe, die den Unterschied machen
Die Kulturen sind einfach, und trotzdem scheitern viele Herbstsaaten. Es liegt fast immer an zwei Dingen.
Erstens: Die Saatrille vorher wässern, nicht danach. Feldsalat- und Spinatsamen sind klein und leicht. Wer nach der Saat mit der Gießkanne darübergeht, schwemmt sie in Klumpen zusammen; dann keimt an einer Stelle ein Büschel, daneben nichts. Richtig ist: Rille ziehen, die Rille gründlich wässern, warten, bis das Wasser eingezogen ist, dann säen, mit trockener Erde bedecken und andrücken. Die Feuchtigkeit sitzt dort, wo der Samen liegt, und die Oberfläche bleibt locker. Nachgegossen wird erst, wenn die Keimlinge stehen, und dann mit feiner Brause.
Zweitens: Ab Oktober ein Vlies. Ein leichtes Gartenvlies bringt zwei bis drei Grad und hält den Wind ab. Das klingt nach wenig. Im November ist es der Unterschied zwischen Wachstum und Stillstand, weil Feldsalat und Spinat unter zehn Grad kaum mehr wachsen und unter fünf Grad gar nicht. Das Vlies liegt direkt auf den Pflanzen, wird an den Rändern mit Steinen oder Erde beschwert und bleibt bis März. Regen und Licht gehen durch. Bei Kahlfrost unter minus zehn Grad schützt es außerdem vor dem Erfrieren.
So säst du die Herbstbeete an
- Beet räumen. Ernterückstände abschneiden, Wurzeln drin lassen. Kein frischer Kompost, kein Dünger: Herbstsalate sammeln bei kurzen Tagen Nitrat, wenn zu viel Stickstoff da ist, und schmecken fad. Das Beet nach Kartoffeln, Zwiebeln oder Bohnen ist genau richtig.
- Oberfläche lockern und andrücken. Die oberen fünf Zentimeter mit der Harke krümeln, dann mit dem Harkenrücken oder einem Brett andrücken. Feldsalat will festen Boden; auf lockerem keimt er lückig.
- Rillen ziehen, ein bis zwei Zentimeter tief, Abstand nach Tabelle. Bei Feldsalat geht auch breitwürfige Saat auf einem Beetstück, das dann als Fläche geerntet wird.
- Rillen wässern, einziehen lassen.
- Säen. Feldsalat alle ein bis zwei Zentimeter ein Korn, Spinat alle drei bis fünf, Radieschen alle drei. Dünn säen spart das Vereinzeln.
- Bedecken und andrücken. Mit trockener, feiner Erde, Bodenschluss herstellen.
- Markieren und in den ersten zehn Tagen bei Trockenheit mit feiner Brause feucht halten.
Nach zwei Wochen sieht man die Reihen. Ab dann jäten, was dazwischen aufläuft, und ab Oktober das Vlies auflegen.
Ernte über den Winter
Radieschen und Rucola sind im Oktober und November dran, vor stärkerem Frost. Feldsalat erntet man ab November als ganze Rosetten mit dem Messer knapp über der Wurzel, am Nachmittag, wenn der Nitratgehalt am niedrigsten ist. Bei Frost wartet man, bis die Blätter aufgetaut sind, gefroren geerntet werden sie matschig. Spinat wird im Oktober und November blattweise gepflückt, dann in Ruhe gelassen, bis er im März wieder loslegt. Postelein schneidet man den ganzen Winter, er treibt nach jedem Schnitt nach.
Ein Beet von drei Quadratmetern Feldsalat und Spinat liefert einem Zwei-Personen-Haushalt von November bis März jede Woche eine Schüssel Salat. Das ist kein Vollversorgungsprogramm, aber es ist frisches Grün aus dem eigenen Garten in dem Vierteljahr, in dem sonst nichts wächst. Wer mehr will, nimmt dazu Grünkohl, Lauch und Pastinaken aus dem Sommer, die im Beet stehen bleiben. Wie das in ein Jahr voller Ernte passt, steht in der Übersicht Selbstversorgung: der realistische Einstieg, und der Monat im Ganzen im Gartenjahr für den September.
Was du im September pflanzst statt säst
Für einige Kulturen ist der September zu spät zum Säen, aber genau richtig zum Pflanzen. Jungpflanzen aus der Gärtnerei oder aus der eigenen Vorkultur im Juli holen den Rückstand auf.
Endivie und Zuckerhut werden bis Mitte September gepflanzt und ab Oktober geerntet; Zuckerhut übersteht leichte Fröste und wird durch Kälte milder. Grünkohl und Palmkohl kommen als kräftige Jungpflanzen bis Anfang September ins Beet und liefern von November bis Februar und werden mit Kälte und Reife milder (nicht durch den Frost selbst). Kopfsalat geht nur noch im Gewächshaus oder unter Vlies, mit Sorten für den Herbstanbau wie Winterbutterkopf. Erdbeeren pflanzt man ideal bis Ende August, damit sie vor dem Winter einwurzeln und im Juni tragen; im September gehen nur noch Topfpflanzen mit gut durchwurzeltem Ballen, und später gesetzte Pflanzen bringen im ersten Jahr kaum etwas.
Ab Ende September folgen die Herbststecker: Knoblauch von Oktober bis Mitte November, Wintersteckzwiebeln wie Senshyu im Oktober, Dicke Bohnen in milden Lagen ab Ende Oktober. Alle drei nutzen den Winter als Vorsprung und sind im Juni fertig, bevor die Sommerkulturen Platz brauchen.
Und wer ein Beet gar nicht mehr nutzen will, sät bis Mitte Oktober Winterroggen oder Wicke als Gründüngung oder deckt es mit einer Handbreit Laub ab. Ein leeres Beet ist im Herbst die Variante, die nichts bringt.
Häufige Fehler
Zu spät gesät. Feldsalat vom 20. Oktober bleibt bis März drei Zentimeter groß. Jede Woche im September zählt doppelt.
Nach der Saat gegossen. Die Samen schwimmen zusammen, die Reihe keimt in Klumpen. Rille vorher wässern.
Frischer Kompost. Nitrat und fader Geschmack. Herbstsalate wachsen auf dem, was das Beet hat.
Zu tief gesät. Feldsalat ein Zentimeter, nicht drei. Zu tief kommt er nicht.
Kein Vlies. Ohne Vlies steht das Wachstum ab November still, mit Vlies geht es bis Anfang Dezember weiter.
Gefroren geerntet. Salat bei Frost wird nach dem Auftauen matschig. Auftauen lassen, dann schneiden.
Regionale Unterschiede
In mittleren Lagen Süddeutschlands sind Mitte September für Radieschen und Rucola und Anfang Oktober für Feldsalat die letzten sinnvollen Termine. In Norddeutschland und in Weinbaulagen verschiebt sich alles um ein bis zwei Wochen nach hinten, dort geht Feldsalat bis Mitte Oktober. In Höhenlagen über 600 Metern sollte alles bis Mitte September im Boden sein, und das Vlies kommt schon Ende September auf die Beete. Der Aussaatkalender rechnet die Verschiebung nach Region mit.
Fazit
Fünf Kulturen keimen im September noch, zwei Handgriffe entscheiden über den Erfolg: Rille vorher wässern, ab Oktober Vlies. Ein leeres Beet im September ist eine verpasste Ernte, keine Winterpause.
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Kann ich im Oktober noch etwas säen?
Feldsalat bis Anfang Oktober und Winterportulak bis Mitte Oktober keimen noch, wenn der Boden über acht Grad hat und ein Vlies darüber liegt. Alles andere ist im Oktober zu spät für eine Ernte vor dem Winter. Dafür ist der Oktober der Monat für Knoblauch, Wintersteckzwiebeln, Dicke Bohnen in milden Lagen und Gründüngung.
Brauche ich ein Gewächshaus für Wintergemüse?
Nein. Feldsalat, Spinat und Winterportulak sind winterhart und wachsen im Freiland. Ein Vlies oder ein Folientunnel bringt zwei bis fünf Grad und beschleunigt das Wachstum, ist aber kein Muss. Im Gewächshaus oder Frühbeet erntest du im Januar, im Freiland ab Februar wieder.
Warum keimt mein Feldsalat so schlecht?
Meist ist der Boden zu warm oder zu locker. Feldsalat keimt am besten bei zehn bis achtzehn Grad; im August wartet man auf eine kühle Woche oder beschattet das Beet mit einem Brett. Der Boden muss vor der Saat festgetreten oder angedrückt werden, und die Rille darf bis zur Keimung nie austrocknen.
Kann ich die Herbstsaaten im Hochbeet machen?
Das Hochbeet ist der beste Platz dafür. Es ist wärmer, trocknet nicht so schnell aus und lässt sich leicht mit Vlies oder einem Aufsatz abdecken. Feldsalat, Spinat und Postelein sind zugleich die ideale Winterbegrünung für ein Hochbeet, das sonst leer und ausgetrocknet in den Frühling ginge.
Was säe ich im September nicht mehr?
Salatköpfe, Kohlrabi, Möhren, Bohnen, Erbsen, Buschbohnen und Zucchini brauchen mehr Zeit oder Wärme, als der Herbst noch hergibt. Pflücksalate gehen im Gewächshaus, im Freiland werden sie kaum noch etwas. Wer solche Kulturen will, pflanzt Jungpflanzen aus der Gärtnerei, die im Juli vorgezogen wurden.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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