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Permakultur

Kompost richtig anlegen: Das Verhältnis, das über Stinken oder Verrotten entscheidet

Ein Komposthaufen, der stinkt, ist nicht kaputt. Er hat ein falsches Verhältnis, und das lässt sich in fünf Minuten reparieren. Grün und braun, eins zu zwei bis drei, geschichtet statt gekippt, und der Herbst ist der beste Moment für einen neuen Haufen, weil beides gleichzeitig anfällt.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit Einsteiger Dauer: Eine Stunde für einen Kubikmeter

Wann das dran ist

Erst wieder ab Anfang März

Brennnessel

Saison: Herbst. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.

Offener Komposthaufen zeigt Schichten aus Laub und grünem Schnittgut mit Kompostgabel.
Laub und Grünschnitt im Wechsel, mit der Kompostgabel geschichtet: So entsteht Wärme statt Gestank.
ZeitEine Stunde zum Aufsetzen, zweimal im Jahr Umsetzen
Kosten0 bis 60 Euro für einen Holzkomposter
SchwierigkeitEinsteiger

Material

0 von 4 erledigt

Werkzeug

0 von 3 erledigt

Der Komposthaufen ist im Garten der Ort, an dem sich am schnellsten zeigt, ob man verstanden hat, wie Verrottung funktioniert. Ein Haufen, der nach Ammoniak stinkt, Fruchtfliegen anzieht und unten schwarz und schmierig ist, hat nicht zu viel Küchenabfall bekommen. Er hat zu wenig Laub bekommen. Und ein Haufen, der nach zwei Jahren aussieht wie am ersten Tag, hat nicht zu wenig Zeit gehabt, sondern zu wenig Stickstoff. Beides ist ein Verhältnis, und beides ist in fünf Minuten repariert.

Grün und Braun

Alles, was auf den Kompost kommt, gehört in eine von zwei Gruppen.

Grün heißt stickstoffreich und meistens feucht: Rasenschnitt, Küchenabfälle, Kaffeesatz, Teebeutel ohne Plastik, frisches Beikraut, Gemüsereste, Gründüngungsschnitt, Mist, Brennnesseln. Grün ist das Futter für die Bakterien, es bringt Wärme und Tempo.

Braun heißt kohlenstoffreich und trocken: Laub, Stroh, Häckselgut, dünne Zweige, unbedruckte Pappe, Eierkartons, Sägemehl von unbehandeltem Holz, Stängel von Stauden. Braun ist das Gerüst, es bringt Luft und Struktur und bindet die Feuchtigkeit des Grüns.

Das Verhältnis, mit dem man in der Praxis gut fährt, lautet ein Teil Grün auf zwei bis drei Teile Braun, in Volumen gerechnet, also mit dem Eimer, nicht mit der Waage. Wer im Frühjahr und Sommer viel Rasenschnitt und Küchenabfall hat, braucht dazu einen Vorrat an Braunem: einen Sack Laub vom Herbst, einen Ballen Stroh, einen Haufen Häckselgut. Ohne den Vorrat wird jeder Sommerkompost zur nassen Masse.

Die zwei Fehlerbilder und ihre Reparatur

Der Haufen stinkt. Er ist nass, es fehlt Luft, er fault statt zu verrotten, unten ist es schwarz und schmierig, es riecht nach Ammoniak oder faulen Eiern. Ursache: zu viel Grün, zu wenig Braun, zu wenig Luft. Reparatur: den Haufen mit der Gabel auseinandernehmen, Laub, Häckselgut oder zerrissene Pappe untermischen, etwa die Hälfte des Volumens, und locker wieder aufsetzen. Nach zwei Tagen ist der Geruch weg, nach einer Woche wird der Haufen warm.

Nichts passiert. Der Haufen liegt seit einem Jahr da, trocken, kühl, das Laub sieht aus wie im Herbst. Ursache: zu viel Braun, zu wenig Stickstoff, zu trocken. Reparatur: Rasenschnitt, Kaffeesatz, Mist oder verdünnte Brennnesseljauche einarbeiten, gründlich anfeuchten, umsetzen. Auch eine Schaufel fertiger Kompost oder Gartenerde als Impfung hilft. Nach zwei Wochen arbeitet er. Der Kompost-Rechner sagt dir, ob deine Mischung im richtigen Bereich liegt und was fehlt.

Der Herbst als bester Start

Im Oktober fällt beides gleichzeitig an: Laub in Massen als Braunmaterial und die letzten Grünabfälle der Saison, abgeräumte Beete, Gründüngungsschnitt, der letzte Rasenschnitt, Küchenabfälle vom Einkochen. Das ist der Moment für einen neuen Haufen, und für den Sack Laub, der neben dem Komposter bis Mai als Braunvorrat steht. Wie das Laub sonst genutzt wird, steht im Artikel über Laub im Garten.

So setzt du einen Haufen auf

  1. Platz wählen. Halbschattig, windgeschützt, direkt auf der Erde. Nicht auf Beton, Platten oder Folie: Die Bodenorganismen und Regenwürmer müssen einwandern, und überschüssiges Wasser muss abfließen. Mindestens ein Kubikmeter, sonst wird er nicht warm.
  2. Grundschicht. Zwanzig Zentimeter grobes Material, Zweige, Stängel, Häckselgut, für die Belüftung von unten.
  3. Schichten. Zehn Zentimeter braun, zehn Zentimeter grün, im Wechsel, jede Schicht leicht angedrückt und bei Trockenheit angefeuchtet. Ein paar Schaufeln Gartenerde oder reifer Kompost zwischendurch bringen die Organismen. Küchenabfälle immer mit Braunem abdecken, das hält Fruchtfliegen und Ratten fern.
  4. Nicht kippen. Ein Haufen, auf den alles in einer Schicht gekippt wird, fehlt die Struktur und fault. Wer nicht schichten will, mischt wenigstens.
  5. Abdecken. Mit einem Kompostvlies, einer Lage Stroh oder einem Stück Teppich aus Naturfaser. Atmend, gegen Austrocknung und Auswaschung. Keine Plane, darunter erstickt der Haufen.
  6. Feucht halten. Der Haufen soll so feucht sein wie ein ausgedrückter Schwamm. In trockenen Sommern gießen.
  7. Umsetzen nach drei bis vier Monaten, außen nach innen, das startet die Verrottung neu. Nach sechs Monaten ist halbreifer Kompost da, nach neun bis zwölf reifer.

Ein Haufen, der arbeitet, wird in der ersten Woche warm, bei einem Kubikmeter und gutem Verhältnis vierzig bis sechzig Grad. Dann sinkt die Temperatur, die Pilze und Würmer übernehmen, und aus dem Haufen wird Erde. Was im Boden mit diesem Kompost passiert, steht im Beitrag über das Bodenleben.

Susi wendet mit der Kompostgabel Laub und Grünschnitt vor einer offenen Holzkompostkiste.

Was nicht hineingehört

Nicht hineinWarumStattdessen
Gekochte Speisereste, Fleisch, Fisch, Käse, BrotLocken Ratten, faulen, stinkenBiotonne
Kranke Pflanzen mit Braunfäule, Kohlhernie, Monilia, FeuerbrandSporen überleben den kühlen GartenkompostBiotonne oder Restmüll
Wurzelunkräuter: Giersch, Quecke, Ackerwinde, LöwenzahnwurzelnTreiben im Kompost weiter ausBiotonne oder in Wasser ertränken
Samentragendes BeikrautSamen keimen im BeetVor der Samenreife auf den Kompost, sonst Biotonne
Bedrucktes Papier, Hochglanz, beschichtete PappeFarben und KunststoffAltpapier
Zitrusschalen in Mengen, Bananenschalen aus konventionellem AnbauPestizidrückstände, langsamIn kleinen Mengen unbedenklich
Asche von Kohle, GrillascheSchadstoffeRestmüll; reine Holzasche in kleinen Mengen ist in Ordnung
Katzenstreu, HundekotKrankheitserregerRestmüll
Große Mengen Walnuss- oder Eichenlaub auf einmalGerbstoffe bremsenEigener Laubhaufen, in kleinen Anteilen mischen
Kunststoff, Kaffeekapseln, Teebeutel mit KunststoffZerfallen nichtRestmüll

Alles andere aus Küche und Garten darf hinein, in der richtigen Mischung. Eierschalen, Kaffeesatz, Teeblätter, Obst- und Gemüsereste, Rasenschnitt, Laub, Stroh, Stängel, Haare, Federn, Holzasche in kleinen Mengen, Brennnesseln als Beschleuniger.

Wann der Kompost fertig ist, und wohin er kommt

Reifer Kompost ist dunkelbraun bis schwarz, krümelig, riecht nach Waldboden und zeigt keine erkennbaren Ausgangsstoffe mehr außer ein paar Holzstücken, die man aussiebt und in den nächsten Haufen gibt. Der Kressetest ist die Probe: eine Schale mit Kompost, Kresse darauf, feucht halten. Keimt sie nach fünf bis sieben Tagen gleichmäßig und wächst grün, ist der Kompost reif. Bleibt sie aus oder wird gelb, ist er noch nicht fertig.

Reifer Kompost kommt im Herbst oder Frühjahr auf die Beete, drei bis fünf Liter je Quadratmeter für Starkzehrer, ein bis zwei für Mittelzehrer, aufgelegt und flach eingeharkt, nicht eingegraben. Halbreifer Kompost, in dem noch Strukturen erkennbar sind, ist Mulch für Beerensträucher und die Schicht unter der Erde im Hochbeet. Für Anzuchterde wird reifer Kompost gesiebt und mit Sand und Laubhumus gemischt. Wohin welche Menge gehört, regelt die Fruchtfolge.

Häufige Fehler

Gekippt statt geschichtet. Der Haufen fault. Schichten oder wenigstens mischen.

Nur Küchenabfälle. Der Thermokomposter wird zur Jauchegrube. Braunvorrat daneben.

Auf Beton oder Folie. Keine Würmer, keine Drainage. Auf die Erde.

Mit Plane abgedeckt. Erstickt und fault. Vlies oder Stroh.

Zu klein. Ein halber Kubikmeter wird nicht warm. Mindestens ein Kubikmeter oder ein geschlossener Komposter.

Kranke Pflanzen dabei. Braunfäule und Kohlhernie kommen mit dem Kompost zurück ins Beet. Biotonne.

Zu trocken im Sommer. Die Verrottung steht still. Gießen wie ein Beet.

Zu früh verwendet. Unreifer Kompost bindet Stickstoff und schadet Keimlingen. Kressetest.

Regionale Unterschiede

In trockenen Regionen wie Ostdeutschland und den Trockengebieten im Süden ist der Kompost im Sommer eher zu trocken als zu nass; dort steht er im Schatten und wird gegossen. In feuchten Lagen im Norden, Westen und in den Mittelgebirgen ist die Gefahr das Faulen, dort braucht der Haufen mehr Braunmaterial, einen luftigen Platz und ein Dach aus Vlies. In Höhenlagen dauert alles länger, weil die Temperaturen niedriger sind; ein geschlossener Komposter hält die Wärme besser. Was im Oktober sonst ansteht, steht im Gartenjahr für den Oktober.

Fazit

Ein Teil Grün auf zwei bis drei Teile Braun, geschichtet, atmend abgedeckt, auf der Erde: So verrottet ein Kompost, statt zu stinken. Der Herbst ist der beste Start, weil Laub und Grünschnitt zusammenfallen, und der Sack Laub neben dem Haufen ist die Versicherung für den Sommer.

Das Thema als Video

Vorschaubild zum Video: Kompostsysteme im Vergleich: Welches ist das Richtige?

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Häufige Fragen

Welches Kompostsystem ist das richtige?

Für die meisten Gärten der offene Haufen oder ein Lattenkomposter mit zwei Kammern: eine wird gefüllt, eine reift. Thermokomposter aus Kunststoff sind für kleine Gärten mit vielen Küchenabfällen praktisch, brauchen aber Braunmaterial als Vorrat daneben, sonst faulen sie. Wurmkisten sind für Balkon und Küche. Alle Systeme brauchen Bodenkontakt, Luft und das richtige Verhältnis.

Wie lange dauert es, bis der Kompost fertig ist?

Ein im Herbst richtig geschichteter Haufen ist im folgenden Herbst reifer Kompost, nach einem Umsetzen im Frühjahr oft schon im Sommer. Halbreifer Kompost nach fünf bis sechs Monaten eignet sich als Mulch und für das Hochbeet; reifer Kompost riecht nach Waldboden, ist dunkel, krümelig und ohne erkennbare Ausgangsstoffe außer Holzstücken. Der Kressetest zeigt die Reife: Kresse, die darauf normal keimt, bedeutet fertig.

Muss ich den Kompost umsetzen?

Nicht zwingend, aber es beschleunigt. Einmal nach drei bis vier Monaten den Haufen mit der Gabel auf einen neuen Platz daneben werfen, dabei Außen nach Innen bringen, mischen und bei Bedarf anfeuchten. Das bringt Luft hinein, startet die Verrottung neu und macht den Kompost gleichmäßig. Wer nicht umsetzen will, braucht etwa das Doppelte an Zeit.

Darf Unkraut auf den Kompost?

Beikraut ohne Samen und ohne Ausläufer ja, es ist gutes Grünmaterial. Samentragende Pflanzen und Wurzelunkräuter wie Giersch, Quecke, Ackerwinde und Löwenzahnwurzeln nicht, sie überleben den kühlen Gartenkompost und werden mit ihm verteilt. Sie kommen in die Biotonne, oder man lässt sie in einem Eimer Wasser vier Wochen ertrinken und gibt die Brühe dann als Dünger auf den Haufen.

Was mache ich, wenn Ratten oder Mäuse im Kompost sind?

Keine gekochten Speisereste, kein Fleisch, kein Brot mehr hinein; Küchenabfälle immer mit Braunmaterial abdecken; den Haufen einmal umsetzen, das stört die Nester. Ein engmaschiges Drahtgitter unter und um den Komposter hält Nager fern, ohne die Bodenorganismen auszusperren. Mäuse im Winter im Haufen sind dagegen normal und harmlos.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V.: Kompost im Hobbygarten – Anwendungsempfehlung (PDF)
  2. Bayerische Gartenakademie (LWG): Gartentipp „Was darf auf den Kompost?“
  3. Umweltbundesamt: Nachhaltig gärtnern mit Kompost und Komposterde (Eigenkompostierung)
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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