Naturgarten & Tiere · Grundlagen
Naturgarten anlegen: Wie ein Garten zum Lebensraum wird, ohne zur Wildnis zu werden
Ein Naturgarten ist kein verwilderter Garten. Er ist ein Garten, in dem Igel, Wildbienen, Vögel, Kröten und Laufkäfer wohnen, weil sie dort Quartier, Nahrung und Ruhe finden, und in dem deshalb Blattläuse und Schnecken zum Randthema werden. Diese Seite erklärt die acht Strukturen, die dafür nötig sind, welche Pflanzen zählen und wie man in einem Reihenhausgarten anfängt.
Ein typischer übernommener Garten ist ordentlich: Rasen, Thujahecke, Rindenmulch, ein paar Rosen. Es gibt Amseln, Tauben und Schnecken. Wenige Jahre später kann derselbe Garten Wildbienen, Brutvögel, Igel, Erdkröte, Blindschleiche, Eidechse, Tigerschnegel und eine kaum noch bestimmbare Zahl an Käfern beherbergen, ohne größer oder wilder geworden zu sein. Was er bekommen hat, sind acht Strukturen, heimische Pflanzen und der Verzicht auf Gift und Aufräumen. Diese Seite erklärt, wie das geht, auch auf hundert Quadratmetern.
Was ein Naturgarten ist
Ein Naturgarten ist ein Garten, der für Tiere so gestaltet ist wie für Menschen. Das bedeutet drei Dinge, die zusammengehören:
Nahrung. Heimische Pflanzen, die Insekten ernähren, Beeren und Samen für Vögel, Blüten vom Februar bis zum November, kein Rasen ohne Blüte, keine gefüllten Blumen ohne Pollen.
Quartiere. Strukturen, in denen Tiere wohnen, überwintern und brüten: Hecke, Totholz, Steine, Sand, Wasser, Laub, Nisthilfen, ungemähte Wiese.
Ruhe. Kein Gift, kein Schneckenkorn, kein Laubsauger, kein Mähroboter in der Nacht, kein Herbstschnitt an Stauden und Hecken, keine Aufräumaktion im Februar.
Was ein Naturgarten nicht ist: verwildert. Ein verwilderter Garten mit Brombeeren, Brennnesseln und Goldrute hat wenige Arten, weil wenige Pflanzen alles beherrschen. Ein Naturgarten wird gestaltet, gepflegt und geschnitten, nur anders und zu anderen Zeiten. Und er ist kein Verzicht auf Gemüse: Der Naturgarten ist die Tierseite der Permakultur, und die Tiere, die einziehen, sind die, die im Gemüsebeet die Arbeit machen.
Die acht Strukturen
Acht Elemente machen aus einer Fläche einen Lebensraum. Alle zusammen passen in eine Ecke von zwanzig Quadratmetern, jedes einzelne ist an einem Nachmittag gebaut, und die meisten kosten nichts.
| Struktur | Wer wohnt darin | Aufwand | Anleitung |
|---|---|---|---|
| Wildhecke aus heimischen Sträuchern | Vögel, Igel, Schmetterlinge, Wildbienen, Käfer | Ein Nachmittag Pflanzung, zehn Jahre Wachsen | Unten und im Artikel zum Heckenschnitt |
| Wiese, zweimal jährlich gemäht | Schmetterlinge, Heuschrecken, Wildbienen, Spitzwegerich, Vögel | Einmal anlegen, zweimal mähen | Unten |
| Totholzhaufen, Benjeshecke, liegender Stamm | Käfer, Pilze, Wildbienen, Zaunkönig, Igel, Kröten | Ein Nachmittag | Benjeshecke anlegen |
| Steinhaufen, Trockenmauer | Eidechsen, Blindschleichen, Laufkäfer, Wildbienen | Ein Nachmittag | Unten |
| Wasserstelle, Teich, Vogeltränke | Kröten, Molche, Libellen, Vögel, Igel als Tränke | Ein Tag für den Teich, fünf Minuten für die Schale | Unten |
| Sandarium | Drei Viertel aller Wildbienen, Grabwespen | Drei Stunden | Sandarium bauen |
| Nisthilfen für Wildbienen und Vögel | Mauerbienen, Löcherbienen, Meisen, Rotschwanz, Star | Zwei Stunden | Wildbienen-Nisthilfe bauen |
| Laubhaufen | Igel, Kröten, Blindschleichen, Laufkäfer, Florfliegen | Zwanzig Minuten | Igel überwintern |
Wer nur eine bauen kann, baut die Hecke, weil sie die meisten Arten trägt und am längsten wirkt. Wer zwei kann, nimmt das Sandarium dazu. Der Rest folgt in den nächsten Jahren.
Die Wildhecke: Das Rückgrat
Eine gemischte Hecke aus heimischen Sträuchern ist das wertvollste Element im Garten. Sie blüht von März bis Juni, trägt Beeren von August bis Februar, bietet Brutplätze, Schlafplätze, Winterquartiere und Deckung, und sie schützt vor Wind und Blicken besser als jede Thuja. Für zehn Meter braucht man zehn wurzelnackte Sträucher, gepflanzt zwischen Oktober und März, im Abstand von einem Meter:
- Hundsrose: Blüten für Wildbienen, Hagebutten bis Februar, Dornen als Nistschutz.
- Schlehe: Erste Blüte im März, Schlehen für Drosseln, Raupenfutter für viele Falter.
- Weißdorn: Über 150 Insektenarten, dreißig Vogelarten, dichtes Brutgehölz.
- Schwarzer Holunder: Blüten und Beeren für Küche und sechzig Vogelarten.
- Kornelkirsche: Blüte im Februar für die ersten Bienen, Früchte im August.
- Hasel: Pollen im Februar, Nüsse für Eichhörnchen und Kleiber, Ruten für den Garten.
- Pfaffenhütchen: Orange Früchte für Rotkehlchen, Raupenfutter.
- Roter Hartriegel: Blüte für Käfer, Beeren für Vögel, rote Triebe im Winter.
- Feldahorn: Bienenweide, Schnittverträglich, Laub für den Kompost.
- Gewöhnlicher Liguster, heimische Art: Blüte für Schmetterlinge, Beeren für Vögel.
Dazu, wo Platz ist, Salweide für die Wildbienen im März, Schneeball, Faulbaum als Futterpflanze des Zitronenfalters, Berberitze und Wildapfel. Die Hecke wird frei wachsen gelassen, alle drei bis fünf Jahre abschnittsweise Ende Februar verjüngt, und das Laub darunter bleibt liegen. Nach drei Jahren ist sie dicht, nach fünf ist sie voll.
Was ersetzt werden sollte: Thuja, Scheinzypresse, Kirschlorbeer und Bambus ernähren keine heimische Art. Wer sie nicht auf einmal roden will, setzt die Wildsträucher davor oder ersetzt jedes Jahr zwei Meter.
Die Wiese: Zweimal mähen statt zwanzigmal
Ein Rasen, der alle zwei Wochen gemäht wird, ist für Tiere eine Wüste. Ein Stück davon, das nur zweimal im Jahr gemäht wird, Ende Juni und Ende September, wird innerhalb von drei Jahren zur Wiese mit Margeriten, Wiesensalbei, Flockenblume, Hornklee, Spitzwegerich und Wilder Möhre, und es ist der Lebensraum für Schmetterlinge, Heuschrecken, Wildbienen und die Vögel, die davon leben.
Der einfachste Weg: einen Streifen oder eine Ecke des Rasens aus der Mahd nehmen und schauen, was kommt. Auf magerem Boden kommt viel, auf fettem vor allem Gras. Dann hilft das Abmagern durch Abtragen des Schnitts und die Einsaat regionaler Wildblumen im Herbst in offene Stellen. Wer mehr will, entfernt die Grasnarbe, magert mit Sand ab und sät eine Regio-Mischung heimischer Wildblumen; keine Bienenweide-Tüten mit Phacelia und Kosmeen, die nach zwei Jahren verschwunden sind.
Gemäht wird mit Sense oder Balkenmäher, das Schnittgut bleibt zwei Tage liegen, damit Samen ausfallen und Tiere flüchten, und wird dann abgeräumt, auf den Kompost oder als Mulch. Ein Drittel der Wiese bleibt jeweils ungemäht stehen, versetzt, als Rückzugsort. Und im Winter bleiben die Samenstände.
Totholz, Steine, Wasser, Sand
Totholz ist Lebensraum für Hunderte Arten und kostet nichts: ein liegender Stamm in der Sonne für Eidechsen und Wildbienen, ein Haufen Astschnitt im Halbschatten für Kröten und Zaunkönig, eine Benjeshecke als Grenze, ein stehender toter Baum, wenn er niemanden gefährdet, für Spechte und Käfer. Der Astschnitt vom Februar wandert in diese Strukturen, statt weggefahren zu werden.
Steine sind Wärmespeicher. Ein Haufen Natursteine, Ziegelbrocken oder Lesesteine an einer sonnigen Stelle, mit Hohlräumen, ist das Quartier für Eidechsen, Blindschleichen, Laufkäfer und Wildbienen, die in Mauerfugen nisten. Eine Trockenmauer ohne Mörtel, als Beeteinfassung oder Hangstütze, ist dasselbe in ordentlich. Ein Quadratmeter reicht.
Wasser fehlt in den meisten Gärten, und es ist das, was am schnellsten Leben bringt. Eine flache Schale mit Stein als Ausstieg, täglich frisch, ist die Tränke für Vögel, Igel und Insekten. Ein kleiner Teich, auch eine eingegrabene Wanne von einem Quadratmeter, mit flachem Ufer, Sumpfpflanzen und ohne Fische, ist nach einem Jahr Kinderstube für Kröten, Molche und Libellen. Kein Fisch, weil Fische den Laich fressen; kein Springbrunnen, weil Amphibien Ruhe wollen; ein flaches Ufer oder ein Brett, damit alles wieder herauskommt.
Sand erreicht die drei Viertel der Wildbienen, die im Boden nisten. Das Sandarium ist ein Loch mit ungewaschenem Sand an der Südseite, und es ist das Element, das die meisten Insektenhotels überflüssig macht.
Die Pflanzen: Heimisch, ungefüllt, das ganze Jahr
Insekten sind wählerisch. Viele Wildbienen sammeln nur an bestimmten Pflanzenfamilien, viele Raupen fressen nur an einer Art. Exotische Zierpflanzen, so schön sie blühen, ernähren oft niemanden, und gefüllte Blüten haben keinen Pollen. Der Naturgarten setzt deshalb auf heimische Pflanzen mit ungefüllten Blüten und auf eine Blühfolge von Februar bis November.
| Zeit | Pflanzen | Für wen |
|---|---|---|
| Februar, März | Salweide, Kornelkirsche, Hasel, Winterling, Krokus, Schneeglöckchen, Lungenkraut | Hummelköniginnen, erste Wildbienen |
| April, Mai | Schlehe, Weißdorn, Obstbäume, Wildtulpen, Günsel, Gundermann, Wiesensalbei, Taubnessel | Wildbienen, Schmetterlinge |
| Juni, Juli | Hundsrose, Holunder, Natternkopf, Glockenblumen, Margerite, Flockenblume, Wilde Möhre, Königskerze, Thymian, Salbei, Borretsch | Alles, was fliegt |
| August, September | Dost, Wilde Karde, Fetthenne, Sonnenhut, Astern, Efeu, Blutweiderich, Wasserdost | Späte Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen |
| Oktober bis Januar | Efeublüte, Samenstände von Karde, Sonnenhut, Disteln, Beeren von Hagebutte, Schlehe, Weißdorn, Pfaffenhütchen | Vögel, letzte Insekten |
Dazu die Futterpflanzen für Raupen, ohne die es keine Schmetterlinge gibt: Brennnessel für Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral, Faulbaum für den Zitronenfalter, Wilde Möhre und Dill für den Schwalbenschwanz, Veilchen für Perlmutterfalter, Gräser für die Augenfalter. Eine Ecke Brennnesseln ist keine Nachlässigkeit, sondern die Kinderstube der schönsten Falter im Garten.
Die Regel für den Anteil: mindestens die Hälfte heimisch, keine Doppelblüten als Hauptpflanzen, keine Thuja, kein Kirschlorbeer, kein Schotter. Rosen, Hortensien, Dahlien und der Apfelbaum dürfen bleiben.
Die Pflege: Anders, nicht weniger
Der Naturgarten wird gepflegt, nur zu anderen Zeiten und mit anderen Zielen. Stauden bleiben über Winter stehen und werden im März geschnitten; die Gründe stehen im Beitrag über das Nicht-Aufräumen im Herbst. Hecken werden Ende Februar verjüngt, nie im Herbst. Die Wiese wird zweimal gemäht, mit Sense, das Schnittgut bleibt zwei Tage liegen. Laub bleibt unter Hecken und auf Beeten. Der Rasen, der Rasen bleibt, wird auf fünf Zentimeter gemäht, nie mit dem Roboter in der Dämmerung. Und kein Gift: kein Schneckenkorn mit Metaldehyd, kein Insektizid, kein Herbizid, kein Fungizid. Die Schnecken regelt der Igel, wie im Artikel über Schnecken ohne Chemie beschrieben.
Was mehr Arbeit macht: die Wiese mähen und abräumen, die Hecke alle paar Jahre verjüngen, den Teich im Herbst von Laub befreien. Was weniger Arbeit macht: kein wöchentliches Mähen der Wiesenfläche, kein Herbstschnitt, kein Laubsammeln, kein Spritzen, kein Schneckensammeln ab dem dritten Jahr. Unterm Strich ist ein eingespielter Naturgarten weniger Arbeit als ein Ziergarten mit Rasen und Rabatten.
Der Naturgarten im Reihenhaus
Hundert Quadratmeter reichen. Ein Plan, der in jeder Siedlung passt:
- Die Grenze bekommt statt Thuja eine Wildhecke, notfalls einen Meter breit, oder eine Benjeshecke, wo kein Nachbar hinschaut.
- Die sonnigste Ecke bekommt Sandarium, Steinhaufen, ein Stück Totholz und zwei Quadratmeter Wildblumen. Zwanzig Quadratmeter, drei Nachmittage.
- Die Wand bekommt die Nisthilfe für Wildbienen und zwei Nistkästen für Meisen und Rotschwanz.
- Der Rasen wird zur Hälfte zur Wiese, die andere Hälfte bleibt Spielfläche mit fünf Zentimeter Schnitthöhe und Gänseblümchen.
- Die Beete bekommen heimische Stauden zwischen die Rosen: Glockenblumen, Dost, Natternkopf, Fetthenne, Astern.
- Der Schatten unter der Hecke bekommt den Laubhaufen und die Wasserschale.
- Der Zaun bekommt ein Loch von dreizehn mal dreizehn Zentimetern für den Igel.
- Der Vorgarten bleibt ordentlich, mit Kanten, damit die Nachbarn sehen, dass der Rest Absicht ist.
Was fehlt, ist der Teich, und der kommt als Zinkwanne im zweiten Jahr. Nach drei Jahren ist der Garten von Wildbienen, Vögeln, Kröten und einem Igel bewohnt, und die Schnecken sind ein Randthema. Was der Monat dafür braucht, steht im Gartenjahr.
Naturgarten und Gemüsegarten
Beides ist kein Gegensatz, sondern eine Arbeitsteilung. Der Naturgarten liefert die Nützlinge, der Gemüsegarten das Essen, und dazwischen liegen die Blühstreifen, die beide verbinden: Ringelblumen, Borretsch, Dill und Kapuzinerkresse am Beetrand, ein Streifen Wildblumen zwischen Beet und Hecke, eine Reihe Phacelia als Gründüngung, die blüht. Ein Gemüsebeet in einem Naturgarten hat mehr Bestäuber, weniger Blattläuse und weniger Schnecken als eines im Ziergarten. Die Zusammenhänge stehen in der Säule Permakultur, die Ernte in der Säule Selbstversorgung.
Vögel im Naturgarten: Nistkästen, Futter, Katzen
Vögel kommen, wenn es Insekten, Beeren, Deckung und Wasser gibt, und sie bleiben, wenn sie brüten können. Drei Dinge helfen zusätzlich.
Nistkästen ersetzen die Höhlen alter Bäume, die in Gärten fehlen. Ein Meisenkasten mit 28 Millimeter Einflugloch für Blaumeisen, einer mit 32 Millimetern für Kohlmeisen, ein Halbhöhlenkasten für Rotschwanz und Bachstelze, ein Starenkasten mit 45 Millimetern am Baum, ein Zaunkönigkugel im Gebüsch. Aufgehängt in zwei bis drei Metern Höhe, Einflugloch nach Osten oder Südosten, nicht in die pralle Sonne, nicht in den Wetterwind, mit Katzenschutz am Stamm. Gereinigt wird einmal im Jahr im September, nicht öfter. Ein Garten mit drei Kästen und einer Wildhecke hat im Mai fünf brütende Arten.
Futter im Winter ist umstritten und im Naturgarten weitgehend unnötig, weil Samenstände, Beeren und Insekten in der Laubschicht die Vögel ernähren. Wer füttert, tut es mit Sonnenblumenkernen, Fettfutter und Haferflocken in einem Silo, das die Vögel nicht im Futter sitzen lässt, und reinigt es wöchentlich. Ganzjahresfütterung hilft in strukturarmen Siedlungen, in einem Naturgarten reicht der Garten. Wasser dagegen brauchen sie das ganze Jahr, im Winter an frostfreien Stellen.
Katzen sind im Siedlungsraum die häufigste Todesursache für Jungvögel. Wer eine hat, hält sie im Mai und Juni in den Morgenstunden im Haus, hängt ihr ein Glöckchen um und schützt Nistkästen mit einer Manschette am Stamm. Wer keine hat, sorgt für dornige Hecken und dichte Sträucher, in denen Nester unerreichbar sind. Die Hundsrose in der Hecke ist der beste Katzenschutz, den es gibt.
Ein Jahr im Naturgarten
Der Naturgarten hat seinen eigenen Kalender, der sich nicht am Aufräumen orientiert, sondern an den Tieren.
Februar, März. Hecken verjüngen, Benjeshecke nachlegen, Nisthilfen und Nistkästen aufhängen, Sandarium fertigstellen, Wasserschale aufstellen. Stauden erst Mitte März schneiden. Erste Wildbienen an Weide und Krokus.
April, Mai. Wiese wachsen lassen, Mähroboter tagsüber und nur auf der Spielfläche, Katzen morgens im Haus. Nichts spritzen. Mauerbienen an der Nisthilfe, Sandbienen im Sandarium, Meisen im Kasten.
Juni, Juli. Erste Wiesenmahd Ende Juni, ein Drittel stehen lassen, Schnittgut zwei Tage liegen lassen. Wasserschalen täglich füllen. Igelnachwuchs unterwegs, Kröten wandern.
August, September. Zweite Wiesenmahd Ende September. Holunder und Hagebutten hängen lassen. Nistkästen reinigen. Laub sammeln lassen.
Oktober, November. Laubhaufen bauen, Igelloch im Zaun prüfen, Totholz und Stauden stehen lassen, Wildsträucher pflanzen, Blumenzwiebeln setzen. Nichts aufräumen außer Krankem.
Dezember, Januar. Zuschauen. Stieglitze an den Karden, Rotkehlchen in der Hecke, Spuren im Schnee. Artenliste führen. Planen, welche Struktur im Februar dazukommt.
Der Naturgarten und die Nachbarn
Die häufigste Frage nach dem Anlegen kommt nicht von den Tieren, sondern über den Zaun. Drei Dinge helfen. Erstens der Kontrast: gepflegte Kanten, gefegte Wege und ein ordentlicher Vorgarten, dahinter die Wildnis. Zweitens ein Schild, das erklärt, was da wächst und für wen; die Naturschutzverbände geben sie aus, und ein Schild verwandelt in den Augen der Nachbarn Unordnung in Absicht. Drittens das Gespräch: Wer erzählt, welche Bienen im Sandarium nisten und dass der Igel unter der Hecke wohnt, hat oft im nächsten Jahr eine zweite Wildhecke nebenan. Und wo ein Nachbar tatsächlich ein Problem hat, mit Samenflug von Disteln oder Ausläufern von Brombeeren, wird an der Grenze ein Streifen gemäht. Der Naturgarten ist keine Kampfansage, sondern eine Einladung, und die meisten nehmen sie an, wenn sie sehen, dass es Absicht ist.
Häufige Fehler
Insektenhotel ohne Blüten. Bleibt leer. Erst Nahrung, dann Wohnung.
Bienenweide aus der Tüte. Phacelia und Kosmeen sind nach zwei Jahren weg. Regionale Wildblumen.
Gefüllte Blüten. Kein Pollen, kein Nektar. Einfache Blüten.
Thuja und Kirschlorbeer behalten. Ernähren niemanden. Wildsträucher davor oder dafür.
Im Herbst aufgeräumt. Die Nützlinge auf dem Kompost. Bis März stehen lassen.
Teich mit Fischen. Fressen Laich und Larven. Kein Fisch.
Wiese gemulcht. Der Schnitt düngt, die Wiese wird zum Gras. Abräumen.
Gift „nur einmal”. Schneckenkorn trifft den Igel, das Insektizid die Florfliege. Nie.
Zaun ohne Loch. Igel und Kröten kommen nicht herein. Dreizehn mal dreizehn Zentimeter.
Regionale Unterschiede
Die heimischen Arten unterscheiden sich nach Region, und regionales Saatgut ist deshalb wichtig: Was auf den Kalkböden Süddeutschlands wächst, Wiesensalbei, Kartäusernelke, Esparsette, wächst nicht auf dem Sand der Lüneburger Heide, wo Heidenelke, Sandthymian und Besenheide zu Hause sind. Im Alpenvorland und in den Mittelgebirgen sind feuchte Wiesen mit Kuckuckslichtnelke und Wiesenknöterich die Regel, in den Trockengebieten des Ostens Steppenarten. Die Strukturen sind überall gleich, die Pflanzen holt man sich aus der Umgebung: Was am Wegrand von selbst wächst, ist das Richtige für den Garten. Regionale Saatgutanbieter und die Naturschutzverbände vor Ort kennen die Listen.
Fazit
Ein Naturgarten braucht heimische Pflanzen, acht Strukturen und Ruhe, und er passt in jede Ecke. Wer mit der Hecke und dem Sandarium anfängt, den Herbst nicht aufräumt und das Gift weglässt, hat nach drei Jahren einen Garten, in dem Igel, Wildbienen und Kröten wohnen und die Schnecken ein Randthema sind. Er darf dabei ordentlich aussehen; die Tiere stört das nicht.
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Sieht ein Naturgarten nicht ungepflegt aus?
Er sieht anders aus, nicht ungepflegt, wenn man ihn gestaltet. Der Trick heißt Kontrast: sauber geschnittene Rasenkanten und Wege, ein geordneter Vorgarten, und dahinter die Wiese, die Hecke, der Totholzhaufen. Eine gerade Kante vor einem wilden Beet liest sich als Absicht. Wer die Strukturen in eine Ecke legt und die Wege pflegt, hat einen Garten, der Nachbarn und Tieren gefällt.
Wie viel Platz braucht ein Naturgarten?
Jeden. Auf einem Balkon sind es heimische Wildstauden im Kasten, eine Wasserschale und eine Nisthilfe. Auf hundert Quadratmetern ist es eine Ecke mit Sandarium, Totholz, Steinen und Wildblumen, dazu eine Hecke am Zaun. Auf tausend ist es ein Teich, eine Wiese und ein Gehölzsaum. Die acht Strukturen skalieren; ein Steinhaufen kann ein Quadratmeter sein.
Muss ich alle exotischen Pflanzen entfernen?
Nein. Rosen, Hortensien, Dahlien und der Apfelbaum dürfen bleiben. Es geht um den Anteil: Wenn mindestens die Hälfte der Pflanzen heimisch ist und keine Doppelblüten ohne Pollen dominieren, finden die Insekten genug. Ersetzt werden sollten nur die wertlosen Flächenfresser: Thuja, Kirschlorbeer, Bambus, Schotterflächen, Zierrasen ohne Blüte.
Was ist mit Wespen, Mäusen und Ratten?
Wespen sind im Naturgarten Raupen- und Fliegenjäger und werden erst im August lästig; ein Nest am Haus wird umgangen, nicht vernichtet. Mäuse und Spitzmäuse gehören dazu und sind Nahrung für Eule, Fuchs und Turmfalke. Ratten kommen nur, wenn Futter offen liegt: Speisereste im Kompost, Vogelfutter am Boden, Hühnerfutter. Die Strukturen selbst locken sie nicht.
Ist ein Naturgarten gefährlich für Kinder?
Weniger als ein Garten mit Gift und Steinplatten. Wildbienen stechen praktisch nie, Kröten und Igel gar nicht, Brennnesseln brennen kurz. Ein Teich braucht ein flaches Ufer oder ein Gitter, solange Kinder klein sind. Ansonsten ist der Naturgarten der beste Spielplatz: Es gibt etwas zu finden.
Wie schnell ziehen Tiere ein?
Insekten und Vögel im ersten Jahr, wenn es blüht. Wildbienen im ersten Frühjahr nach dem Bau von Sandarium und Nisthilfe. Igel, Kröten und Blindschleichen brauchen ein bis drei Jahre und einen Zugang zum Garten. Nach fünf Jahren ist ein Naturgarten mit allen Strukturen ein Lebensraum für mehrere Hundert Arten, und man kennt die meisten mit Namen.
Quellen und weiterführende Hinweise
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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