Bauanleitungen · Bauanleitung
Benjeshecke anlegen: Aus Astschnitt wird eine Hecke, die sich selbst pflanzt
Der Haufen Astschnitt, den du gerade wegfahren willst, ist eine Hecke, die sich selbst pflanzt. Sie heißt Benjeshecke oder Totholzhecke, sie kostet nichts, und in fünf Jahren steht dort, wo du heute Äste stapelst, eine dichte, standortgerechte Hecke, für die andere Hunderte Euro ausgeben.
Wann das dran ist
Erst wieder ab Anfang NovemberHagebutte (Hundsrose)
Schwarzer Holunder
Saison: Herbst, Winter. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Material
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Werkzeug
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Jeden Februar nach dem Obstbaumschnitt und jeden Oktober nach dem Heckenschnitt liegt in vielen Gärten ein Haufen Äste, der zum Wertstoffhof gefahren wird. Zwei Anhängerladungen, zwei Nachmittage, und das Holz ist weg. Wer ihn stattdessen an der Grundstücksgrenze zwischen zwei Reihen Pfähle schichtet, hat nach wenigen Jahren eine Hecke: erst aus Totholz, dann aus Holunder, Hartriegel und Brombeere, die niemand gepflanzt hat. Sie kostet nichts außer den Pfählen.
Das Prinzip, das Hermann Benjes beschrieben hat
Die Benjeshecke ist nach dem Naturschützer Hermann Benjes benannt, der sie in den 1980er Jahren als Methode beschrieb, Landschaften ohne Pflanzung zu vernetzen. Das Prinzip ist einfach und funktioniert überall, wo Vögel sind.
Du schichtest Äste locker zwischen Pfähle. Vögel setzen sich darauf, weil sie Deckung suchen, und Vögel, die Beeren gefressen haben, scheiden Samen aus. Die Samen fallen in das geschützte, feuchte, humusreiche Innere des Haufens, wo kein Rasenmäher und keine Sense hinkommt, wo Schatten und Feuchtigkeit sie keimen lassen und das Totholz die Sämlinge vor Frost, Sonne und Rehen schützt. Nach zwei bis drei Jahren wachsen die ersten Sträucher aus dem Haufen, nach fünf Jahren steht eine lebende Hecke. Sie besteht aus genau den Arten, die am Standort wachsen, weil die Vögel sie aus der Umgebung geholt haben: standortgerecht, ohne dass jemand eine Pflanze gekauft hat.
Nebenbei ist die Hecke vom ersten Tag an Lebensraum. Zaunkönig, Heckenbraunelle und Rotkehlchen brüten im Geäst, Igel, Erdkröte und Spitzmaus wohnen unten, Laufkäfer und Hunderte Insektenarten leben im verrottenden Holz. Was eine solche Struktur im Garten sonst noch bewirkt, steht im Beitrag über das Nicht-Aufräumen im Herbst.
Die Maße
Für die Hecke in einem Hausgarten haben sich diese Maße bewährt:
| Maß | Wert | Warum |
|---|---|---|
| Abstand der Pfahlreihen | 80 bis 100 cm | Schmaler fällt sie beim Sacken auseinander, breiter braucht eine Mittelreihe |
| Pfahlabstand in der Reihe | 1 bis 2 m | Je feiner das Material, desto enger |
| Pfahlhöhe über Boden | 100 bis 120 cm | Ein Meter Hecke reicht für Lebensraum und Sichtschutz |
| Pfahltiefe im Boden | 40 bis 50 cm | Steht auch bei Wind und Schnee |
| Pfahlstärke | 6 bis 10 cm | Robinie, Eiche, Lärche, Kastanie, unbehandelt |
| Material je Meter | 1 bis 2 Kubikmeter | Sackt im ersten Jahr auf die Hälfte |
| Abstand zur Grenze | mindestens 1 m | Nachbarrecht, Pflegezugang von beiden Seiten |
Wer Material aus einer einzigen Heckenschnittaktion hat, baut zwei, drei Meter und verlängert im nächsten Jahr. Die Hecke darf geschwungen sein, sie darf einen Hügel als Windschutz umfassen oder als Bogen einen Sitzplatz einrahmen. An der Nordseite eines Sandariums oder einer Wildblumenwiese ist sie das Rückgrat der Ecke.
Material: Fast alles geht
Ast- und Strauchschnitt jeder Art: Obstbaumschnitt, Heckenschnitt, Haselruten, Weidenzweige, Brombeerranken getrocknet, Staudenstängel, Nadelholz in Anteilen, sogar die gefällte Thuja. Dicke Stammstücke unten als Gerüst, mittlere Äste in der Mitte, feines Reisig oben. Laub, Rasenschnitt und Häckselgut zwischendurch beschleunigen die Humusbildung im Inneren. Was nicht hinein darf: krankes Holz mit Feuerbrand, Monilia oder Obstbaumkrebs, frische Efeu- und Brombeerranken, die wurzeln, und behandeltes Holz.
Die Pfähle sind in der Regel der einzige Posten, der gekauft werden muss, wenn kein Robinienholz oder keine Eichenpfähle vorhanden sind. Unbehandelt und dauerhaft: Robinie hält fünfzehn Jahre, Eiche und Lärche zehn, Kastanie ebenso. Kiefer und behandeltes Holz fallen aus. Nach zehn Jahren hat die Hecke ihr eigenes Gerüst aus lebenden Sträuchern und braucht keine Pfähle mehr.
Beschleunigen
Wer nicht fünf Jahre warten will, hilft nach. Im Herbst werden Hagebutten, Holunderbeeren, Schlehen, Weißdorn- und Hartriegelfrüchte in die Hecke gestreut, so wie es die Vögel tun würden; die Früchte der Hundsrose und des Holunders sind dabei die zuverlässigsten Keimer. Noch schneller geht es mit zwei bis drei wurzelnackten heimischen Sträuchern je zehn Meter, die im Herbst in Lücken gepflanzt werden: Hundsrose, Hasel, Holunder, Kornelkirsche, Pfaffenhütchen, Roter Hartriegel, Schlehe. Im Schutz des Totholzes wachsen sie doppelt so schnell wie frei stehend, weil der Boden feucht bleibt und Rehe nicht herankommen.
Was von selbst kommt, ist meist Holunder, Brombeere, Hartriegel, Hagebutte und Weißdorn, dazu Brennnessel und Giersch im Fuß, die den Boden decken. Was man nicht will, Ahornsämlinge oder Robinienausläufer, zieht man im ersten Jahr heraus.
Die Hecke als Dauerlösung für Schnittgut
Der Grund, warum die Benjeshecke in jeden Garten mit Bäumen und Hecken gehört, ist nicht nur der Lebensraum. Sie löst ein Dauerproblem: Wohin mit dem Schnitt? Jeder Obstbaum, jede Hecke, jeder Strauch liefert jedes Jahr Material, das bisher gehäckselt, weggefahren oder verbrannt wurde. Die Benjeshecke nimmt es auf, für immer, weil sie jedes Jahr sackt. Dickes unten, feines oben, im Februar und im Oktober, und der Anhänger bleibt in der Garage. Was vom Heckenschnitt im Februar anfällt, wandert also von der lebenden Hecke in die Totholzhecke, und daraus wird wieder eine lebende.
Neben der Hecke lohnt sich ein sonniger Steinhaufen und ein Sandarium; zusammen sind sie die Ecke, in der der Naturgarten anfängt. Wie die Teile zusammengehören, steht in der Übersicht Naturgarten anlegen.
Häufige Fehler
Gepresst statt geworfen. Keine Hohlräume, kein Lebensraum, schnelle Verrottung. Locker.
Nur Reisig. Sackt auf einen flachen Haufen. Dicke Äste unten.
Kiefernpfähle oder behandelte Pfähle. Faulen oder geben Chemie ab. Robinie, Eiche, Lärche.
Direkt an der Grenze. Nachbarrecht und Ärger. Ein Meter Abstand, Nachbarn einbeziehen.
Krankes Holz eingebaut. Feuerbrand und Monilia verbreiten sich. Biotonne.
Nie nachgelegt. Nach drei Jahren ist die Hecke flach. Jeder Schnitt kommt hinein.
Im Mai umgebaut. Brütende Vögel gestört. Umbauen nur zwischen Oktober und Februar.
Regionale Unterschiede
In waldreichen, feuchten Regionen keimt die Hecke schneller und dichter, weil mehr Samen aus der Umgebung kommen; dort reicht das Warten. In offenen, trockenen Agrarlandschaften, etwa in trockenen Ackerbaugebieten Süd- und Ostdeutschlands, fehlen oft die Mutterpflanzen in der Nähe, und das Einstreuen von Früchten oder das Pflanzen einzelner Sträucher beschleunigt deutlich. In Höhenlagen wird die Hecke etwas breiter und dichter geschichtet, damit sie Schneelast trägt. Was im Februar sonst ansteht, steht im Gartenjahr für den Februar.
Fazit
Zwei Reihen Pfähle, Äste locker dazwischen, dickes unten, feines oben, jedes Jahr nachlegen: Die Benjeshecke kostet einen Nachmittag und ein paar Pfähle, löst das Schnittgutproblem für immer und wird in fünf Jahren zu einer Hecke, die sich selbst gepflanzt hat.
Schritt für Schritt
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Material sammeln und Verlauf festlegen
Sammle den Ast- und Strauchschnitt aus Hecken-, Obstbaum- und Gehölzschnitt an der Stelle, an der die Hecke entstehen soll: an der Grundstücksgrenze, als Sichtschutz, als Windschutz nach Norden oder als Abgrenzung zwischen Nutzgarten und Wiese. Zwei Kubikmeter je Meter klingt viel, sackt aber schnell. Stecke den Verlauf mit Schnur ab; er darf geschwungen sein. Mindestens ein Meter Abstand zum Nachbarzaun.
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Pfähle setzen
Schlage zwei Reihen Pfähle in den Boden, die Reihen achtzig bis hundert Zentimeter voneinander entfernt, die Pfähle innerhalb der Reihe alle ein bis zwei Meter, jeweils vierzig bis fünfzig Zentimeter tief. Unbehandeltes, dauerhaftes Holz wie Robinie, Eiche oder Lärche hält zehn Jahre und mehr; danach hat die Hecke ihr eigenes Gerüst. Pfähle gegenüberliegend versetzt setzen, das hält die Schichtung stabiler. Höhe über dem Boden etwa ein Meter.
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Dicke Äste als unterste Schicht
Lege die dicksten Äste und Stammstücke als unterste Lage längs zwischen die Pfähle, locker, mit großen Hohlräumen. Diese Schicht ist die Grundstruktur: Sie hält die Hecke vom Boden ab, bietet Igel, Erdkröte und Spitzmaus Quartiere und verrottet am langsamsten. Äste nicht pressen, nicht stapeln wie Brennholz, sondern werfen und liegen lassen.
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Feineres Reisig nach oben schichten
Auf die dicken Äste kommen mittlere Äste, darauf das feine Reisig, immer längs zur Hecke und locker. Nach oben hin wird das Material feiner, die Hohlräume kleiner. Zwischendurch etwas Laub oder Rasenschnitt einzustreuen beschleunigt die Humusbildung im Inneren. Die Hecke darf bei fertiger Schichtung höher sein als die Pfähle, sie sackt in den ersten Monaten um ein Drittel.
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Samen einstreuen oder Sträucher pflanzen
Wer die Entwicklung beschleunigen will, streut im Herbst Hagebutten, Holunderbeeren, Schlehen, Weißdorn- und Hartriegelfrüchte in die Hecke, so wie es die Vögel tun würden. Noch schneller geht es mit zwei bis drei wurzelnackten heimischen Sträuchern je zehn Meter, die im Herbst in Lücken der Hecke gepflanzt werden: Hundsrose, Hasel, Holunder, Kornelkirsche, Pfaffenhütchen. Sie wachsen im Schutz des Totholzes doppelt so schnell wie frei stehend.
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Fertig, und jedes Jahr nachlegen
Nach einem Nachmittag steht eine Totholzhecke von einem Meter Höhe. Sie sackt in den ersten Monaten deutlich zusammen, das ist gewollt. Ab jetzt hat jeder Baum- und Heckenschnitt einen Platz: Im Februar nach dem Obstbaumschnitt und im Herbst wird nachgelegt, immer dickes unten, feines oben. Nach zwei bis drei Jahren keimen die ersten Sämlinge im Inneren, nach fünf Jahren steht eine lebende Hecke, deren Totholzkern weiter bewohnt bleibt.
Was oft schiefgeht
- Zu dicht gepackt: keine Hohlräume, kein Lebensraum, schneller verrottet. Locker werfen, nicht stapeln.
- Nur feines Reisig: sackt in einem Jahr auf zwanzig Zentimeter zusammen. Dicke Äste unten sind das Gerüst.
- Behandelte Pfähle oder Kiefer: faulen in drei Jahren oder geben Chemie ab. Robinie, Eiche, Lärche, Kastanie.
- Direkt am Nachbarzaun: Ärger und Nachbarrecht. Mindestabstand einhalten, Nachbarn einbeziehen.
- Nicht nachgelegt: Nach drei Jahren ist die Hecke ein flacher Haufen. Jeder Schnitt kommt hinein.
- Im Sommer zwischen März und September komplett umgeschichtet: brütende Vögel gestört. Nachlegen ja, umbauen nein.
Das Thema als Video
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Oder direkt auf YouTube ansehenHäufige Fragen
Wie lange dauert es, bis aus der Benjeshecke eine grüne Hecke wird?
Die ersten Sämlinge von Holunder, Hartriegel, Brombeere und Hagebutte keimen im zweiten oder dritten Jahr im Inneren. Nach fünf Jahren steht meist eine lockere, ein bis zwei Meter hohe lebende Hecke, nach acht bis zehn Jahren eine dichte. Mit eingepflanzten Sträuchern geht es doppelt so schnell. Der Totholzkern bleibt dabei bewohnt und wird nur nach und nach überwachsen.
Zieht die Benjeshecke Ratten oder Mäuse an?
Mäuse, Spitzmäuse und Wiesel ja, das ist gewollt und harmlos; sie sind Nahrung für Eule, Fuchs und Turmfalke und Teil des Systems. Ratten kommen nur, wenn es Futter gibt: offene Komposte mit Speiseresten, Vogelfutter am Boden, Hühnerfutter. Die Hecke selbst bietet ihnen nichts.
Darf ich eine Benjeshecke an die Grundstücksgrenze setzen?
Die Nachbarrechtsgesetze der Länder regeln Abstände für Hecken, meist fünfzig Zentimeter bei bis zu zwei Metern Höhe und mehr bei höheren. Eine Totholzhecke gilt je nach Land als Hecke oder als Einfriedung. Sicher ist ein Meter Abstand und ein Gespräch mit dem Nachbarn; viele bauen die Hecke danach mit.
Was ist mit dem Astschnitt von kranken Bäumen?
Holz mit Feuerbrand, Monilia, Obstbaumkrebs oder Rußrindenkrankheit gehört nicht in die Hecke, sondern in die Biotonne oder wird verbrannt, wo es erlaubt ist. Gesunder Schnitt aller Arten ist geeignet, auch Nadelholz in Anteilen, auch Thuja, wenn sie ohnehin gefällt wurde. Efeu und Brombeerranken sollten nur getrocknet hinein, sonst wurzeln sie.
Wie hoch und wie breit soll die Hecke sein?
Ein Meter Höhe und achtzig bis hundert Zentimeter Breite reichen für Lebensraum und Sichtschutz. Wer mehr Material hat, baut höher; ab anderthalb Metern werden die Pfähle länger und stärker. Schmaler als sechzig Zentimeter fällt sie beim Sacken auseinander, breiter als anderthalb Meter braucht eine dritte Pfahlreihe in der Mitte.
Quellen und weiterführende Hinweise
- NABU: Aus Totholz wird neues Leben – Totholz- und Benjeshecken im Garten
- Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV): Bäume, Sträucher, Hecken – Gehölze für den Naturgarten
- Hermann Benjes: Die Vernetzung von Lebensräumen mit Feldhecken (1986), Natur und Umwelt Verlag – Das Grundlagenwerk des Namensgebers aus den 1980er Jahren
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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