Kraut · traditionell in der Hausapotheke · bienenfreundlich
Zitronenmelisse
Jetzt erntenEinsteigerwinterhartmehrjährig
Melissa officinalis
Einmal gepflanzt, jedes Jahr zwei Schnitte vor der Blüte: Melisse ist winterhart, anspruchslos, sät sich aus und gehört als Abendtee in jede Hausapotheke.
Das Jahr auf einen Blick
Jetzt idealNoch möglichAktueller Monat
Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Zitronenmelisse ist das Kraut für den Abend: eine Tasse Tee aus frischen Blättern, und der Tag wird ruhiger. Sie ist dabei so anspruchslos, dass sie in jedem Garten wächst, im Halbschatten hinter dem Haus wie am sonnigen Zaun, und ihre einzige Untugend ist, dass sie sich aussät, wo sie darf. Der Name kommt vom griechischen Wort für Biene, und wer sie im Juli blühen lässt, versteht warum.
Pflanzen. Im April, Mai oder September eine Topfpflanze, ein Teilstück von einer alten Staude oder Sämlinge, die sich irgendwo angesiedelt haben, vierzig Zentimeter Abstand, an einen warmen Platz mit etwas Kompost im Loch. Aussaat ab März im Haus als Lichtkeimer, nur angedrückt, bei zwanzig Grad, oder ab Mai direkt; Sämlinge sind im ersten Jahr klein und werden im zweiten zur Staude. Zwei Pflanzen reichen für den Teebedarf einer Familie.
Pflege. Wenig: im Frühjahr etwas Kompost, im Sommer bei anhaltender Trockenheit gießen. Vor der Blüte im Juni bodennah abschneiden, das gibt den besten Tee und einen zweiten Aufwuchs; ein Teil darf im Juli blühen, für die Bienen. Vor der Samenreife im August noch einmal schneiden, sonst sät sie sich in jede Fuge. Im Herbst zieht sie ein und braucht keinen Schutz. Alle vier bis fünf Jahre teilen.
Ernte. Von Mai bis September, am besten kurz vor der Blüte am Vormittag, wenn die Blätter am stärksten nach Zitrone riechen; nach der Blüte werden sie herb. Ganze Triebe zehn Zentimeter über dem Boden. Zum Trocknen in Bündeln, schnell, dunkel und unter dreißig Grad, sonst werden sie braun und verlieren den Duft; getrocknete Melisse hält ein Jahr, ist aber schwächer als frische. Für den Winter besser als Sirup einkochen oder gehackt in Eiswürfeln einfrieren.
Sorten. Gewöhnliche Zitronenmelisse in der Art, Sorten wie Citronella mit besonders viel Duft, Lime mit Limettennote, Aurea mit gelb panaschiertem Laub für das Staudenbeet. Die Sorte Compacta blüht kaum und sät sich nicht aus.
Mischkultur. Melisse steht gut am Rand des Tomatenbeets, neben Kohl und Gurken, deren Schädlinge sie verwirrt, und mit Thymian und Salbei, wenn der Platz nicht zu trocken ist. Nicht neben Basilikum, das mehr Wärme und Wasser will. Als Bienenweide gehört sie neben Oregano und Borretsch in die Insektenecke.
Hausapotheke. Melissentee, zwei Teelöffel frische oder ein Teelöffel getrocknete Blätter auf eine Tasse, zehn Minuten zugedeckt gezogen, wird seit dem Mittelalter bei innerer Unruhe, Einschlafstörungen und nervösen Magenbeschwerden getrunken; die europäische Arzneimittelagentur führt Melissenblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel für diese Anwendungen. Melissenextrakt in Cremes wird bei Lippenherpes genutzt. Wer eine Schilddrüsenunterfunktion hat, trinkt Melisse nur in üblichen Mengen.
Quellen. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Gartenakademie: Zitronenmelisse im Hausgarten. Europäische Arzneimittel-Agentur (HMPC): Monographie Melissae folium.
Mischkultur: Wer passt daneben
Gute Nachbarn: TomateWeißkohl und RotkohlGurkeThymianSalbei
Schlechte Nachbarn: Basilikum
Häufige Probleme
Sät sich überall aus
Vor der Samenreife schneiden, Blüten nur teilweise stehen lassen, Sämlinge im Frühjahr jäten.
Wenig Duft
Zu schattig, zu nass, zu spät geerntet. Vor der Blüte ernten, sonniger Platz.
Echter Mehltau im Spätsommer
Weißer Belag bei trockener Wärme. Bodennah schneiden, treibt sauber nach.
Verkahlt von innen
Nach vier bis fünf Jahren. Teilen und neu setzen.
Bräunliche Blätter beim Trocknen
Zu warm oder zu langsam getrocknet. Unter dreißig Grad, luftig, dunkel, schnell.
In der Küche
Frisch als Tee, in Sirup, Limonade, Salaten, zu Fisch, im Quark, in der Bowle, als Melissenpesto. Getrocknet verliert sie Aroma, besser frisch einfrieren oder als Sirup einkochen.
Traditionell in der Hausapotheke
Melissentee wird traditionell bei Unruhe, Einschlafproblemen und nervösen Magenbeschwerden getrunken; die europäische Arzneimittelagentur führt Melissenblätter als traditionelles pflanzliches Mittel. Melissencreme äußerlich bei Lippenherpes. Bei Schilddrüsenunterfunktion große Mengen meiden.