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Garten

Küchenkräuter überwintern: Was draußen bleibt, was ins Haus muss und was jetzt geschnitten wird

Thymian erfriert selten, er ertrinkt. Rosmarin stirbt im warmen Wohnzimmer eher als an der Hauswand, und Minze kannst du im Januar frisch ernten, wenn du im Oktober zehn Minuten investierst. Kraut für Kraut: winterhart oder nicht, Beet oder Topf, schneiden oder stehen lassen.

Susi & das Gartenteam Veröffentlicht 7 Min. Lesezeit Einsteiger Dauer: Eine Stunde für Beet und Balkon

Wann das dran ist

Jetzt ideal

Thymian

Minze (Pfefferminze)

Oregano und Majoran

Saison: Herbst, Winter. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.

Thymian, Salbei und Rosmarin in Tontöpfen auf Holzfüßen unter einem Dachvorsprung; zwei Töpfe sind mit Jute umwickelt.
Thymian, Salbei und Rosmarin im Topf an der Hauswand: auf Holzfüßen, in Jute gewickelt, unter dem Dachvorsprung. So kommen sie durch den Winter.

Im Oktober stehen auf vielen Balkonen dieselben Töpfe: Thymian, Salbei, ein Rosmarin, eine Minze, die längst über den Rand wächst. Im März ist die Hälfte davon tot. Selten war es der Frost. Meist war es Wasser im Untersetzer, ein zu warmer Platz im Haus oder ein gut gemeinter Rückschnitt im Herbst. Welche Kräuter wie überwintern, hängt vor allem davon ab, woher sie stammen.

Welche Küchenkräuter sind winterhart?

Thymian, Salbei, Oregano, Minze, Schnittlauch, Zitronenmelisse, Liebstöckel und Estragon überstehen einen normalen Winter im Beet ohne Schutz. Rosmarin und Lavendel sind nur bedingt winterhart, Basilikum und Majoran gar nicht.

KrautIm BeetIm TopfHerbstschnitt
Thymianwinterhart bis etwa −15 °C, Winternässe meidendraußen mit Topfschutznein, erst im April
Salbeiwinterhart bis etwa −15 °Cdraußen mit Topfschutznein, erst im April
Oreganowinterhart bis etwa −20 °Cdraußen mit Topfschutznein, alte Stängel bis März stehen lassen
Rosmarinbedingt, nur an geschützter Südwandhell bei 0 bis 10 °C ins Hausnein, erst nach dem Frost im Frühjahr
Lavendelwinterhart bis etwa −15 °C auf trockenem Bodendraußen mit Topfschutznein, erst im März oder April
Minzewinterhart, zieht eindraußen mit Topfschutz, Teil aufs Fensterbrettnach dem Frost bodennah möglich
Schnittlauchwinterhart, zieht eindraußen, braucht Frostnach dem Frost bodennah möglich
Zitronenmelisse, Liebstöckelwinterhart, ziehen eindraußen mit Topfschutznach dem Frost bodennah möglich
Petersiliemeist winterhart, zweijährigdraußen mit Vliesnein, weiter ernten
Basilikum, Majorannicht winterhartins Haus oder neu säenkeine
Dill, Koriander, Kerbeleinjährigim Frühjahr neu säenkeine

Mediterrane Kräuter: Nässe ist gefährlicher als Frost

Thymian, Salbei, Oregano, Rosmarin und Lavendel wachsen wild an trockenen, steinigen Hängen rund ums Mittelmeer. Dort ist der Winter kühl, aber der Boden trocknet nach jedem Regen sofort ab. In einem mitteleuropäischen Gartenboden steht dagegen von November bis März Wasser um die Wurzeln, und bei null Grad arbeiten sie nicht. So faulen die Wurzeln, die Pflanze wird im Februar grau und stirbt, obwohl sie den Frost selbst ausgehalten hätte.

Daraus folgen drei Regeln für das Beet. Durchlässiger Boden: Auf Lehm gehört Splitt ins Pflanzloch, und die Kräuter stehen erhöht, auf einem kleinen Hügel, einer Mauerkrone oder im Kräuterbeet mit Kiesmulch. Kein Laub darauf: Eine Laubdecke hält Nässe an den Trieben; mediterrane Kräuter bekommen höchstens ein paar Fichtenzweige gegen Wintersonne. Kein Dünger ab August: Weiche Triebe erfrieren.

Laub gehört dagegen unter Minze, Melisse und Schnittlauch, die aus feuchten Standorten stammen. Wie das geht, steht im Artikel Richtig mulchen.

Kräuter im Topf überwintern

Im Topf wird es für jedes Kraut kritisch, auch für die winterharten. Im Beet ist der Wurzelballen von Erde umgeben, die selten tiefer als zwanzig Zentimeter gefriert. Im Topf friert er von allen Seiten durch. Dann können die Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen, und die Pflanze vertrocknet an sonnigen Frosttagen.

So kommen Topfkräuter durch den Winter:

  1. Platz an der Hauswand. Unter den Dachvorsprung, an eine Ost- oder Westwand. Die Südwand ist wärmer, aber die Wintersonne lässt die Pflanzen tagsüber Wasser verdunsten, das sie aus dem gefrorenen Ballen nicht nachholen können.
  2. Füße unter den Topf. Holzleisten, Tonfüße oder eine Styroporplatte, damit Wasser abläuft und die Kälte nicht von unten kommt. Untersetzer weg.
  3. Topf einwickeln. In Jute, Kokosmatte oder Luftpolsterfolie, zwei Lagen. Die Pflanze selbst bleibt frei. Nur bei Kahlfrost unter minus zehn Grad kommt ein Vlies locker darüber.
  4. Töpfe zusammenstellen. Mehrere Töpfe dicht an dicht schützen sich gegenseitig. Kleine Töpfe unter zwanzig Zentimeter stellst du in eine Kiste mit Laub oder Stroh.
  5. Kaum gießen. Nur an frostfreien Tagen, wenn die Erde auch in der Tiefe trocken ist. Ein Schluck, kein Eimer.

Für Kräuter, die ins Haus müssen, gelten dieselben Regeln wie für andere Kübelpflanzen: kühl, hell, trocken. Warum das Wohnzimmer der schlechteste Platz ist, steht im Artikel Kübelpflanzen überwintern.

Kraut für Kraut

Thymian

Im Beet braucht Thymian nichts außer einem trockenen Fuß. Im Topf kommt er an die Hauswand, eingewickelt und auf Füßen. Nicht schneiden: Die verholzten Triebe schützen die Pflanze, und ein Schnitt ins alte Holz treibt ohnehin nicht wieder aus. Einzelne Zweige kannst du den ganzen Winter über ernten, an frostfreien Tagen. Der Rückschnitt um ein Drittel kommt im April.

Salbei und Oregano

Beide wie Thymian. Salbei behält im Winter seine graugrünen Blätter und kann bei Kahlfrost an den Triebspitzen zurückfrieren; das wird im Frühjahr weggeschnitten. Oregano zieht teilweise ein. Die alten, trockenen Stängel bleiben bis März stehen, dann schneidest du sie bodennah ab, wenn unten die neuen Blätter kommen.

Rosmarin

Rosmarin ist das Kraut, bei dem sich die Lage entscheidet. Im Beet an einer geschützten Südwand übersteht er Winter bis etwa minus zehn Grad, robuste Sorten wie ‘Arp’ auch mehr. Im Topf kommt er bei angekündigten Nächten unter minus fünf Grad ins Quartier: hell, null bis zehn Grad, etwa ein kühles Treppenhaus, eine Garage mit Fenster oder ein ungeheizter Wintergarten. Alle zwei bis drei Wochen ein Schluck Wasser. Das Wohnzimmer bei zwanzig Grad überlebt er selten; er verliert die Nadeln oder bekommt Spinnmilben.

Minze

Minze ist vollständig winterhart, zieht im November ein und treibt im April aus den Ausläufern. Im Beet brauchst du nichts zu tun außer einer Laubdecke. Wer im Winter frische Minze ernten will, gräbt im Oktober eine Handvoll Ausläufer mit Wurzeln aus, setzt sie in einen Topf mit normaler Erde, gießt an und stellt ihn auf eine helle, kühle Fensterbank bei zwölf bis achtzehn Grad. Nach drei bis vier Wochen kommen neue Triebe, die du bis zum Frühjahr ernten kannst. Die Pflanze draußen bemerkt davon nichts.

Schnittlauch

Schnittlauch braucht Frost, um im Haus neu zu treiben. Grab deshalb im November oder Dezember, nach den ersten Frostnächten, einen Horst mit Ballen aus, teile ihn und topfe die Stücke ein. Auf einer hellen Fensterbank treiben sie nach zwei bis drei Wochen und liefern Schnittlauch bis Februar. Ohne diese Kälteperiode bleibt der Topf grün, aber er wächst nicht.

Petersilie

Petersilie ist zweijährig und in mittleren Lagen meist winterhart. Unter einem Vlies kannst du bis in den Januar ernten. Im zweiten Jahr blüht sie ab Mai und wird dann bitter; deshalb im Juli oder August neu säen, damit immer eine junge Pflanze im Beet steht.

Basilikum

Genoveser Basilikum ist einjährig und stirbt unter zehn Grad. Im Oktober schneidest du ein paar kräftige Triebspitzen ohne Blüten, entfernst die unteren Blätter und stellst sie ins Wasserglas. Nach zwei Wochen haben sie Wurzeln und kommen in kleine Töpfe auf die hellste Fensterbank. Mehrjährige Sorten wie das Afrikanische Basilikum überwintern ganz, hell bei fünfzehn bis zwanzig Grad.

Häufige Fehler

Im Herbst zurückgeschnitten. Thymian, Salbei, Rosmarin und Lavendel verlieren ihren Schutz und treiben weich nach, der Trieb erfriert. Schnitt im April.

Topf im Untersetzer. Das Wasser steht, die Wurzeln faulen. Untersetzer weg, Topf auf Füße.

Laub auf mediterrane Kräuter. Nässe an den Trieben, Grauschimmel. Laub nur unter Minze, Melisse und Schnittlauch.

Rosmarin ins warme Wohnzimmer. Nadelverlust und Spinnmilben. Kühl und hell.

Topfkräuter an sonnigen Frosttagen vergessen. Sie vertrocknen, weil der gefrorene Ballen kein Wasser nachliefert. An frostfreien Tagen prüfen und bei Bedarf einen Schluck gießen.

Schnittlauch ohne Frost eingetopft. Er treibt im Haus nicht. Erst nach den ersten Frostnächten ausgraben.

Regionale Unterschiede

In mittleren Lagen Süddeutschlands reicht für die winterharten Kräuter der Topfschutz; Rosmarin kommt im Topf meist Mitte November ins Quartier, im Beet ist er an einer geschützten Südwand eine Wette mit dem Winter. In milden Lagen am Rhein und in Weinbaugebieten überwintert Rosmarin oft ohne Schutz im Beet, dafür ist die Nässe dort das größere Problem. In Höhenlagen über 600 Metern gehören auch Salbei und Lavendel im Topf in ein kühles, helles Quartier, und im Beet schützt Fichtenreisig gegen die Wintersonne. Was im Oktober sonst noch zu tun ist, steht im Gartenjahr für den Oktober, und welche Kräuter in die Hausapotheke gehören, in der Übersicht Heilkräuter aus dem eigenen Garten.

Fazit

Die meisten Küchenkräuter sind winterhart. Sie sterben nicht am Frost, sondern an nassen Füßen, einem durchgefrorenen Topf oder einem Schnitt zur falschen Zeit. Mediterrane Kräuter bekommen einen trockenen Platz, Topfkräuter Füße und eine Jutejacke, Rosmarin im Topf ein kühles, helles Quartier. Geschnitten wird erst im April. Minze und Schnittlauch holst du dir für den Winter auf die Fensterbank.

Häufige Fragen

Kann ich Thymian im Topf draußen überwintern?

Ja. Thymian ist bis etwa minus fünfzehn Grad winterhart, im Topf friert aber der Ballen schneller durch als im Beet. Stell den Topf an eine Hauswand unter den Dachvorsprung, auf Holzfüße oder eine Styroporplatte, und wickle ihn in Jute oder Kokosmatte. Gegossen wird nur an frostfreien Tagen, wenn die Erde ganz trocken ist.

Kann man Minze im Winter ernten?

Draußen nicht, die Minze zieht im November ein und treibt erst im April. Für frische Minze im Winter gräbst du im Oktober ein paar Ausläufer mit Wurzeln aus, setzt sie in einen Topf mit Erde und stellst ihn auf eine helle, kühle Fensterbank. Nach drei bis vier Wochen treiben sie neue Blätter, die du den Winter über ernten kannst.

Muss Rosmarin ins Haus?

Im Topf ja, sobald Nächte unter minus fünf Grad angekündigt sind. Er braucht einen hellen Platz bei null bis zehn Grad, etwa ein kühles Treppenhaus oder einen frostfreien Wintergarten. Im warmen Wohnzimmer vertrocknet er oder bekommt Schädlinge. Im Beet übersteht Rosmarin an einer geschützten Südwand leichte Winter; sicherer sind robuste Sorten wie 'Arp'.

Soll ich Kräuter im Herbst zurückschneiden?

Halbsträucher wie Thymian, Salbei, Rosmarin, Lavendel und Oregano nicht. Die Triebe schützen die Pflanze im Winter, und ein später Schnitt regt einen Austrieb an, der erfriert. Geschnitten wird im März oder April. Stauden, die einziehen, wie Minze, Zitronenmelisse und Liebstöckel, kannst du nach dem ersten Frost bodennah abschneiden oder die Stängel bis zum Frühjahr als Insektenquartier stehen lassen.

Wie überwintere ich Basilikum?

Das normale Genoveser Basilikum ist einjährig und stirbt unter zehn Grad. Mehrjährige Sorten wie das Afrikanische Basilikum überwintern hell bei fünfzehn bis zwanzig Grad auf der Fensterbank. Einfacher ist es, im Oktober Stecklinge ins Wasserglas zu stellen und die bewurzelten Triebe in kleine Töpfe zu setzen.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Royal Horticultural Society: How to grow thyme
  2. Royal Horticultural Society: How to grow mint
  3. Royal Horticultural Society: How to grow oregano
  4. Royal Horticultural Society: How to grow rosemary
  5. Royal Horticultural Society: How to grow chives
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Susi vom Gartenteam mit geflochtenem blondem Zopf, lächelnd vor den Gartenbeeten im Abendlicht.

Geschrieben von

Susi & das Gartenteam

Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.

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