Wildpflanze · traditionell in der Hausapotheke · bienenfreundlich
Giersch
Ernten: noch möglich bis ende oktoberEinsteigerwinterhartmehrjährig
Aegopodium podagraria
Der Feind aller Staudenbeete ist im Naturgarten ein Gemüse: junge Blätter von März bis Mai wie Spinat oder im Salat. Erkennen am dreikantigen Stiel und den dreimal dreiteiligen Blättern.
Das Jahr auf einen Blick
Jetzt idealNoch möglichAktueller Monat
Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Giersch ist die Pflanze, die Gärtner mehr Stunden gekostet hat als jede andere, und die im Naturgarten die Seite wechselt: Unter der Hecke, wo ohnehin nichts wächst, ist er ein Wildgemüse, das von März bis Mai jede Woche einen Korb Blätter liefert, nach Petersilie und Möhre schmeckt und mehr Vitamin C hat als Grünkohl. Im Staudenbeet bleibt er ein Feind. Der Unterschied ist die Wurzelsperre.
Erkennen. Giersch hat einen dreikantigen Blattstiel mit einer Rinne, die man mit dem Fingernagel fühlt, und dreimal dreiteilige Blätter: Der Stiel teilt sich in drei, jeder Teil noch einmal in drei Blättchen mit gesägtem Rand. Der Geruch beim Zerreiben ist petersilienartig. Die giftigen Doldenblütler unterscheiden sich: Der Gefleckte Schierling hat einen runden, rot gefleckten Stiel und fein gefiederte Blätter und riecht nach Mäuseurin, die Hundspetersilie glänzende, dunkle, fein gefiederte Blätter und Knoblauchgeruch. Wer die drei Merkmale kennt, kann Giersch nicht verwechseln; wer unsicher ist, erntet nur die typischen dreimal dreiteiligen Blätter ohne Blüte.
Ernte. Von März bis Mai die jungen, glänzenden, noch gefalteten Blätter mit Stiel; sie sind am zartesten, bevor sie sich ganz entfalten. Ein Bestand, der im Juni bodennah gemäht wird, treibt für den September noch einmal junges Laub. Die Blütenknospen im Juni werden in Teig ausgebacken. Nur aus dem eigenen Garten und aus Hecken ohne Hundewege.
Im Garten. Wer Giersch nutzen will, lässt ihn unter der Hecke und am Gehölzrand, wo er den Boden deckt und im Juni weiß blüht, für Schwebfliegen und kleine Wildbienen. Eine Wurzelsperre aus Teichfolie dreißig Zentimeter tief oder ein Rasenstreifen, der gemäht wird, hält ihn dort. Im Beet wird er geschwächt, indem man laufend erntet, jedes Wurzelstück beim Pflanzen mitnimmt und stark befallene Flächen ein Jahr mit Pappe und einer dicken Mulchschicht abdeckt; Umgraben verteilt ihn nur. Die Wurzeln kommen nie auf den Kompost, sondern in die Biotonne oder als Jauche ins Fass, wo sie in zwei Wochen zu Dünger werden.
Küche. Gierschspinat wird wie Spinat gedünstet, mit Zwiebel und Sahne; Gierschpesto ersetzt Basilikum im Frühjahr; junge Blätter im Salat, im Kräuterquark, in der Frühlingssuppe mit Brennnessel und Löwenzahn. Blanchiert und eingefroren hält er den Winter. Ältere Blätter werden hart und bitter.
Hausapotheke. Der botanische Name podagraria kommt von Podagra, der Gicht im Großzehengelenk, gegen die Giersch im Mittelalter als Umschlag und Tee genutzt wurde. Heute zählt er als Wildgemüse mit viel Vitamin C, Mineralstoffen und Bitterstoffen; wissenschaftlich belegte Wirkungen gibt es nicht, in üblichen Mengen ist er unbedenklich.
Quellen. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Wildkräuter sicher sammeln – Giersch und Verwechsler. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Gartenakademie: Giersch – Wildgemüse und Beikraut.
Mischkultur: Wer passt daneben
Gute Nachbarn: keine besonderen
Schlechte Nachbarn: Alle stauden
Häufige Probleme
Überwuchert das Staudenbeet
Ausläufer laufen unter allem durch. Regelmäßig ernten schwächt ihn; im Beet Wurzeln bei jeder Gelegenheit ziehen, Fläche ein Jahr mit Pappe und Mulch abdecken, Wurzelsperre zur Hecke.
Verwechslung mit giftigen Doldenblütlern
Giersch hat einen dreikantigen, rinnigen Blattstiel und dreimal dreiteilige Blätter. Schierling und Hundspetersilie haben runde, gefleckte oder glänzende Stiele und fein gefiederte Blätter. Nur mit sicherer Bestimmung ernten.
Blätter werden hart
Nach der Blüte. Bestand im Juni mähen, dann treibt zartes Laub für die Herbsternte.
Wurzeln im Kompost
Treiben wieder aus. Biotonne, Trocknen in der Sonne oder Jauche.
Hautreizung
Selten, der Saft kann bei Sonne reizen. Handschuhe beim großen Jäten.
In der Küche
Junge Blätter im Salat, als Gierschspinat, in Pesto, Suppe, Kräuterquark, Smoothie, als Füllung; Blütenknospen in Teig ausgebacken. Schmeckt nach Petersilie und Möhre. Blanchiert einfrieren.
Traditionell in der Hausapotheke
Giersch wurde traditionell als Umschlag und Tee bei Gicht (Podagra) genutzt, daher der Name; heute gilt er als Wildgemüse mit viel Vitamin C. In üblichen Mengen unbedenklich.