Beerensträucher im Herbst pflanzen: Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und Heidelbeeren richtig setzen
Ein Johannisbeerstrauch, der im Oktober in die Erde kommt, hat im April schon einen Winter lang Wurzeln gebildet. Einer aus dem März fängt dann erst an. Wann du pflanzt, welcher Standort für welche Beere passt, wie tief sie in die Erde kommen und warum der erste Schnitt direkt nach dem Pflanzen fällig ist.
Wann das dran ist
Jetzt idealJohannisbeere
Himbeere
Stachelbeere
Saison: Herbst. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Beerensträucher sind das Obst für Leute ohne Platz für einen Baum und ohne Geduld für zehn Jahre. Ein Johannisbeerstrauch trägt ab dem zweiten Sommer, zwanzig Jahre lang, und braucht dafür einen Schnitt im Jahr. Die meisten Fehler passieren nicht bei der Pflege, sondern an einem einzigen Nachmittag: beim Pflanzen. Zu flach, zu schattig, ohne Pflanzschnitt, oder im März statt im Oktober.
Wann pflanzt man Johannisbeeren?
Im Herbst, von Anfang Oktober bis Mitte November. Wurzelnackte Sträucher gibt es ab Ende Oktober. Im Frühjahr geht es bis Ende März, vor dem Austrieb, aber die Sträucher wachsen dann schlechter an.
Dasselbe Fenster gilt für Stachelbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren. Containerware kannst du auch schon im September setzen, solange der Boden feucht ist.
Warum die Herbstpflanzung besser anwächst
Drei Gründe, die alle mit dem Boden zu tun haben.
Der Boden ist warm. Im Oktober hat die Erde in zwanzig Zentimeter Tiefe noch zehn bis zwölf Grad, auch wenn die Luft nachts schon kalt ist. Wurzeln wachsen weiter, solange der Boden nicht gefroren ist. Die Blätter sind dagegen fertig. Der Strauch steckt seine ganze Kraft in die Wurzeln.
Der Winter gießt. Zwischen Oktober und März fällt der meiste Niederschlag, und kaum etwas verdunstet. Ein im Herbst gepflanzter Strauch muss nach dem Einschlämmen meist nicht mehr gegossen werden. Ein im März gepflanzter steht im April vor dem ersten trockenen Ostwind.
Der Frühling beginnt mit Vorsprung. Wenn im April die Knospen aufbrechen, hat der Herbststrauch ein halbes Jahr Wurzelwachstum hinter sich und versorgt die Blätter von Anfang an. Der Frühjahrsstrauch muss Wurzeln und Blätter gleichzeitig bilden. Das sieht man im ersten Sommer: weniger Triebe, schlaffe Blätter bei Hitze, oft ein Jahr Rückstand.
Welchen Standort brauchen rote Johannisbeeren?
Rote und weiße Johannisbeeren wachsen sonnig bis halbschattig. Vier bis sechs Stunden Sonne am Tag reichen, mehr Sonne macht die Beeren süßer. Sie wollen humosen, gleichmäßig feuchten Boden und einen luftigen Platz, keine Frostsenke.
Das macht sie zum Beerenobst für schwierige Ecken: an der Ostseite des Hauses, am Rand einer Hecke, im lichten Schatten eines Baums. Wichtig ist nur die Luft. In einer windstillen, feuchten Ecke bekommen Johannisbeeren die Blattfallkrankheit und verlieren im August die Blätter. Die zweite Einschränkung ist die frühe Blüte: Johannisbeeren blühen im April, und in einer Senke, in der sich kalte Luft sammelt, erfrieren die Blüten. Dann fallen sie ab, der Strauch „verrieselt”, und die Trauben bleiben leer. Mehr zur Sorte und zum Schnitt steht im Steckbrief Johannisbeere.
Für die anderen Beeren gilt:
| Beere | Licht | Boden | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Rote und weiße Johannisbeere | Sonne bis Halbschatten | humos, feucht, schwach sauer bis neutral | luftig, keine Frostsenke |
| Schwarze Johannisbeere | Sonne | nährstoffreich, feucht | braucht mehr Licht und mehr Kompost als die rote |
| Stachelbeere | Sonne bis Halbschatten | humos, nicht zu trocken | luftig wegen Mehltau |
| Himbeere | Sonne, lichter Halbschatten | locker, humos, ohne Staunässe | Wurzelfäule auf verdichtetem Lehm |
| Brombeere | Sonne | anspruchslos | Rankgerüst oder Zaun, Platzbedarf |
| Kulturheidelbeere | Sonne | sauer, pH 4 bis 5, locker, feucht | wächst nicht in normaler Gartenerde |
Abstand, Pflanztiefe und Pflanzschnitt
| Beere | Abstand | Pflanztiefe | Pflanzschnitt |
|---|---|---|---|
| Rote und weiße Johannisbeere | 1,5 m | 5 cm tiefer als im Topf | alle Triebe auf die Hälfte kürzen, über einer nach außen zeigenden Knospe |
| Schwarze Johannisbeere | 1,5 m | 5 cm tiefer als im Topf | alle Triebe auf ein bis zwei Knospen über dem Boden |
| Stachelbeere | 1,5 m | so tief wie im Topf | Triebe um die Hälfte kürzen |
| Sommerhimbeere | 50 cm in der Reihe, 1,5 m zwischen Reihen | flach, Wurzeln 5 cm mit Erde bedeckt | Ruten auf 25 cm |
| Herbsthimbeere | 50 cm in der Reihe | flach | Ruten bodennah im Februar |
| Brombeere | 2,5 m | so tief wie im Topf | Triebe auf 25 cm |
| Kulturheidelbeere | 1,2 m | so tief wie im Topf, nie tiefer | nur schwache und beschädigte Triebe raus |
Warum Johannisbeeren tiefer? Johannisbeeren bilden ihre neuen Triebe aus dem Boden. Tiefer gesetzt, treiben sie mehr Bodentriebe, und der Strauch wird breit und langlebig statt einstämmig.
Warum Himbeeren flach? Himbeerwurzeln brauchen Luft. Auf verdichtetem oder nassem Boden faulen sie, die Ruten welken im Frühsommer und sterben ab. Auf schwerem Lehm pflanzt du Himbeeren deshalb auf einen Wall, zwanzig bis dreißig Zentimeter hoch und einen halben Meter breit, aus Gartenerde, Kompost und Laub.
Warum der harte Pflanzschnitt? Er fühlt sich falsch an, weil man den gerade gekauften Strauch halbiert. Aber die gekürzten Triebe treiben im Frühjahr kräftig aus dem Boden und von unten nach. Ungeschnittene Sträucher tragen im ersten Jahr ein paar Beeren an langen, dünnen Ruten und bleiben dann jahrelang spillerig. Bei schwarzen Johannisbeeren und Sommerhimbeeren ist der Rückschnitt fast bis zum Boden der Standard, bei roten Johannisbeeren und Stachelbeeren reicht die Hälfte. Nach einer Herbstpflanzung kannst du den Schnitt auch im Februar machen, dann schützen die Triebe im Winter die Knospen.
Johannisbeeren pflanzen: Schritt für Schritt
- Wässern. Wurzelnackte Sträucher zwei Stunden in einen Eimer Wasser stellen, Containerpflanzen samt Topf so lange tauchen, bis keine Blasen mehr aufsteigen.
- Pflanzloch graben. Doppelt so breit wie der Wurzelballen und so tief, dass der Strauch fünf Zentimeter tiefer steht als vorher im Topf. Die Sohle mit der Grabegabel lockern.
- Erde verbessern. Den Aushub mit zwei bis drei Schaufeln reifem Kompost mischen. Keinen frischen Mist, keinen Mineraldünger ins Pflanzloch.
- Wurzeln kürzen. Bei wurzelnackter Ware beschädigte und sehr lange Wurzeln mit der Gartenschere glatt anschneiden.
- Einsetzen. Strauch leicht schräg einsetzen, Erde einfüllen, zwischendurch am Strauch rütteln, damit keine Hohlräume bleiben. Rundum festtreten.
- Einschlämmen. Einen Gießrand formen und zehn Liter Wasser langsam einlaufen lassen. Das Wasser spült die Erde an die Wurzeln.
- Pflanzschnitt. Rote Johannisbeere: alle Triebe auf die Hälfte. Schwarze Johannisbeere: alle Triebe auf ein bis zwei Knospen über dem Boden.
- Mulchen. Eine Handbreit Laub oder Häcksel auf die Pflanzscheibe, eine Handbreit Abstand zu den Trieben. Wie das über Jahre funktioniert, steht im Artikel Richtig mulchen.
Für Stachelbeeren und Brombeeren gilt dasselbe, nur ohne Tieferpflanzen. Himbeeren setzt du flach auf den Wall, Heidelbeeren in ein eigenes Beet.
Himbeeren: Sommer oder Herbst, Reihe mit Gerüst
Bei Himbeeren entscheidet die Sorte über den Schnitt. Sommerhimbeeren tragen im Juli an den Ruten des Vorjahres; die abgeernteten Ruten werden direkt nach der Ernte bodennah abgeschnitten, die jungen bleiben stehen. Herbsthimbeeren tragen ab August an den diesjährigen Ruten; im Februar werden alle Ruten bodennah abgeschnitten. Herbsthimbeeren sind für Einsteiger einfacher, bekommen kaum Rutenkrankheiten, und die Himbeermade hat bei ihnen weniger Chancen.
Gepflanzt wird in einer Reihe mit fünfzig Zentimeter Abstand, an einem Gerüst aus zwei Pfosten und zwei oder drei Drähten auf sechzig, hundertzwanzig und hundertsechzig Zentimeter Höhe. Himbeeren wandern mit Ausläufern. Wer sie im Beet halten will, gräbt an der Reihe entlang eine Rasenkante dreißig Zentimeter tief ein oder mäht die Ausläufer im Weg einfach ab. Mehr zu Sorten und Pflege im Steckbrief Himbeere.
Heidelbeeren: das eigene Beet
Kulturheidelbeeren sind die einzige Beere, bei der die normale Gartenerde nicht passt. Sie brauchen einen pH-Wert zwischen 4 und 5. In neutraler oder kalkhaltiger Erde werden die Blätter gelb mit grünen Adern, und die Pflanze verkümmert innerhalb von zwei Jahren.
Dafür hebst du eine Grube aus, vierzig Zentimeter tief und einen Meter breit, und füllst sie mit einer Mischung aus Rindenhumus, Nadelstreu und Holzhäcksel von Nadelbäumen, ohne Torf. Auf lehmigem Boden besser ein erhöhtes Beet oder ein großer Kübel mit mindestens vierzig Litern, damit das Kalkwasser aus dem Umgebungsboden nicht einsickert. Gegossen wird mit Regenwasser, gemulcht mit Nadelstreu oder Rindenmulch. Zwei verschiedene Sorten nebeneinander bringen deutlich mehr Beeren. Details im Steckbrief Heidelbeere.
Stachelbeere und Brombeere
Stachelbeeren sind robust und tragen auch im Halbschatten. Das Problem ist der Amerikanische Stachelbeermehltau, ein weißer Belag auf Trieben und Beeren. Dagegen helfen ein luftiger Standort, ein offener Strauch mit acht bis zehn Trieben und mehltaufeste Sorten wie ‘Invicta’ oder ‘Hinnonmäki Rot’. Als Hochstämmchen brauchen sie einen Pfahl bis in die Krone. Mehr im Steckbrief Stachelbeere.
Brombeeren brauchen vor allem Platz und ein Gerüst: einen Zaun, eine Pergola oder zwei Pfosten mit Drähten. Dornenlose Sorten wie ‘Loch Ness’ oder ‘Navaho’ machen die Ernte im August erträglich. Im Naturgarten ist eine wilde Brombeerecke außerdem ein Brutplatz und Winterquartier; mehr dazu im Beitrag Naturgarten anlegen und im Steckbrief Brombeere.
Häufige Fehler
Im Frühjahr gepflanzt, im Sommer vergessen. Frühjahrspflanzungen brauchen im ersten Sommer bei jeder Trockenheit zehn Liter pro Strauch. Besser gleich im Oktober.
Keinen Pflanzschnitt gemacht. Ein paar Beeren im ersten Jahr, danach jahrelang ein dünner Strauch. Schwarze Johannisbeeren und Sommerhimbeeren fast bodennah, rote und Stachelbeeren auf die Hälfte.
Johannisbeeren zu flach gesetzt. Weniger Bodentriebe, der Strauch wird einseitig und kurzlebig. Fünf Zentimeter tiefer als im Topf.
Himbeeren in nassen Lehm. Wurzelfäule im zweiten Jahr. Auf einen Wall pflanzen.
Heidelbeeren in normale Gartenerde. Gelbe Blätter, kein Wachstum, nach zwei Jahren tot. Saures Beet oder Kübel mit Regenwasser.
Unter den Sträuchern gehackt. Flachwurzler verlieren dabei ihre Feinwurzeln. Mulchen statt hacken.
Zu eng gepflanzt. Zwei Johannisbeeren mit einem Meter Abstand stehen nach vier Jahren ineinander und bekommen Pilzkrankheiten. Anderthalb Meter.
Regionale Unterschiede
In mittleren Lagen Süddeutschlands reicht das Pflanzfenster bis Mitte November; der Boden gefriert dort selten vor Dezember. In milden Lagen am Rhein und an der Küste kannst du bis in den Dezember pflanzen. In Höhenlagen über 600 Metern sollten die Sträucher bis Ende Oktober in der Erde sein, und rote Johannisbeeren brauchen dort einen Platz, an dem die Blüte im April nicht erfriert, also am Hang oder an einer Hauswand, nicht in der Senke. Was im Oktober sonst noch ansteht, steht im Gartenjahr für den Oktober. Wie die Beeren später in die Gläser kommen, zeigt der Beitrag Ernte haltbar machen.
Fazit
Beerensträucher pflanzt du im Oktober, dann wachsen sie über den Winter an. Rote Johannisbeeren kommen mit Halbschatten zurecht, alle anderen Beeren wollen Sonne. Johannisbeeren setzt du etwas tiefer, Himbeeren flach auf einen Wall, Heidelbeeren nur in saure Erde. Dazu gehört der Pflanzschnitt, der sich brutal anfühlt. So trägt der Strauch ab dem zweiten Sommer und zwanzig Jahre lang.
Häufige Fragen
Kann ich Beerensträucher auch im Frühjahr pflanzen?
Ja, bis Ende März, solange die Sträucher noch nicht ausgetrieben haben. Sie wachsen aber schlechter an als im Herbst gepflanzte, weil sie Wurzeln und Blätter gleichzeitig bilden müssen, und sie brauchen im ersten Sommer bei jeder Trockenheit Wasser. Containerware lässt sich ganzjährig pflanzen, außer bei Frost und in Hitzeperioden.
Wurzelnackt oder im Topf kaufen?
Wurzelnackte Sträucher gibt es nur von Ende Oktober bis März. Sie kosten oft die Hälfte, wachsen bei Herbstpflanzung genauso gut an und sind bei Himbeeren die übliche Ware. Sie müssen aber am Tag des Kaufs gepflanzt werden, vorher zwei Stunden in einen Eimer Wasser. Containerware ist teurer, dafür flexibler im Pflanztermin.
Wann tragen neu gepflanzte Beerensträucher?
Herbsthimbeeren schon im ersten Jahr nach der Pflanzung ab August. Sommerhimbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren tragen im zweiten Jahr die ersten Beeren und ab dem dritten Jahr voll. Heidelbeeren brauchen drei bis vier Jahre bis zur vollen Ernte.
Brauchen Johannisbeeren eine zweite Sorte zur Befruchtung?
Rote und weiße Johannisbeeren sind selbstfruchtbar, tragen aber mit einer zweiten Sorte in der Nähe etwas mehr und verrieseln weniger. Schwarze Johannisbeeren und Heidelbeeren bringen mit einer zweiten Sorte deutlich bessere Ernten. Stachelbeeren und Himbeeren kommen gut allein zurecht.
Was pflanze ich unter Beerensträucher?
Am besten nichts, was gehackt werden muss. Johannisbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren sind Flachwurzler. Unter den Sträuchern liegt eine Mulchdecke aus Laub, Rasenschnitt oder Häcksel. Zulässig sind Schnittlauch, Knoblauch und Kapuzinerkresse am Rand; unter Heidelbeeren nur Nadelstreu oder Rindenmulch.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Royal Horticultural Society: How to grow redcurrants
- Royal Horticultural Society: How to grow blackcurrants
- Royal Horticultural Society: How to grow raspberries
- Royal Horticultural Society: How to grow gooseberries
- Royal Horticultural Society: How to grow blueberries
- Bayerische Gartenakademie (LWG): Der Garten im Herbst: Pflege der Stauden und Gehölze
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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