Obstbaum pflanzen im Herbst: Sorte, Unterlage, Standort und die Pflanzung Schritt für Schritt
Ob ein Apfelbaum in zwanzig Jahren drei oder acht Meter hoch ist, entscheidet nicht die Sorte, sondern eine Zahl auf dem Etikett, die kaum jemand liest: die Unterlage. Dazu der richtige Monat, der richtige Platz, die Pflanzung mit Pfahl und Wühlmauskorb und der erste Schnitt.
Wann das dran ist
Jetzt idealApfel
Birne
Kirsche (Süß- und Sauerkirsche)
Saison: Herbst. Grün: ideal, Gelb: noch möglich, Rahmen: aktueller Monat. Angaben für mittlere Lagen in Süddeutschland (etwa 300 m); Norden ein bis zwei Wochen später, Weinbauklima ein bis zwei Wochen früher, Alpenraum bis zu drei Wochen später.
Wer im Gartencenter einen Apfelbaum kauft, wählt meistens nach der Sorte: rot, süß, lagerfähig. Das ist die zweitwichtigste Entscheidung. Die wichtigste steht klein auf dem Etikett, ein Buchstabe und eine Zahl, und legt fest, ob der Baum in zwanzig Jahren unter die Wäscheleine passt oder das Nachbarhaus beschattet. Dazu kommt der Monat, der Platz und eine Stunde Arbeit, die über die nächsten fünfzig Jahre entscheidet.
Wann pflanzt man Obstbäume?
Im Herbst, von Ende Oktober bis Ende November, sobald die Bäume ihr Laub abgeworfen haben und der Boden noch nicht gefroren ist. Containerbäume kannst du schon ab September pflanzen, im Frühjahr geht es bis Ende März.
Ende Oktober beginnen die Baumschulen, wurzelnackte Bäume zu roden. Das ist die frischeste und günstigste Ware, und sie wächst im Herbst am besten an: Der Boden ist noch warm, die Wurzeln bilden bis zum Frost neue Feinwurzeln, und im April versorgt der Baum seine Blätter von Anfang an. Ein im März gepflanzter Baum muss Wurzeln und Blätter gleichzeitig bilden und braucht im ersten Sommer bei jeder Trockenheit zwanzig Liter Wasser.
Bestellen solltest du jetzt, im September und Anfang Oktober. Gefragte robuste Sorten auf schwachen Unterlagen sind bei guten Baumschulen im November oft vergriffen.
Welche Unterlage für welchen Garten?
Ein Obstbaum aus der Baumschule besteht aus zwei Pflanzen: der Sorte oben, die die Früchte bestimmt, und der Unterlage unten, die Wurzeln und Wuchskraft bestimmt. Beide sind an der Veredelungsstelle zusammengewachsen, die als Knick oder Verdickung knapp über den Wurzeln zu sehen ist.
| Obst | Unterlage | Wuchs | Höhe nach 15 Jahren | Baumform | Pfahl |
|---|---|---|---|---|---|
| Apfel | M9 | schwach | 2 bis 2,5 m | Spindel, Säule, Spalier | lebenslang |
| Apfel | M26 | schwach bis mittel | 2,5 bis 3 m | Spindel, kleiner Buschbaum | lebenslang |
| Apfel | MM106 | mittel | 3,5 bis 4,5 m | Buschbaum, Halbstamm | 5 Jahre |
| Apfel | Sämling | stark | 6 bis 8 m und mehr | Hochstamm, Streuobst | 5 bis 8 Jahre |
| Birne | Quitte A | schwach | 3 bis 4 m | Spindel, Buschbaum | lebenslang |
| Birne | Sämling | stark | 8 bis 12 m | Hochstamm | 5 bis 8 Jahre |
| Süßkirsche | GiSeLa 5 | schwach | 3 bis 4 m | Buschbaum | 5 Jahre |
| Zwetschge | St. Julien A, WaVit | schwach bis mittel | 3 bis 4 m | Buschbaum, Halbstamm | 5 Jahre |
Kleine Gärten nehmen schwache Unterlagen. Ein Apfel auf M9 trägt ab dem zweiten oder dritten Jahr, lässt sich vom Boden aus pflücken und schneiden und passt auf fünf Quadratmeter. Der Preis dafür: Die Wurzeln sind flach und brüchig, der Baum braucht guten, nicht zu trockenen Boden, eine freie Baumscheibe und zeitlebens einen Pfahl.
Größere Gärten nehmen MM106 oder einen Halbstamm. Das ist der Baum, unter dem man im Sommer sitzt, der mit normalem Gartenboden zurechtkommt und nach fünf Jahren ohne Pfahl steht.
Hochstämme auf Sämling sind Bäume für Streuobstwiesen und große Grundstücke. Sie tragen erst nach sechs bis acht Jahren, werden hundert Jahre alt und sind im Alter Lebensraum für Steinkauz, Gartenrotschwanz und Siebenschläfer.
Welche Sorte?
Für den Hausgarten zählt vor allem die Robustheit. Eine Sorte, die jedes Jahr Schorf bekommt, bringt fleckige Äpfel und kahle Bäume im August, und ohne Spritzmittel gibt es dagegen wenig. Gute Baumschulen führen Sorten mit Schorfresistenz, darunter die Re-Sorten aus der Obstzüchtung in Dresden-Pillnitz wie ‘Rewena’ und ‘Rebella’ und neuere Sorten wie ‘Topaz’ und ‘Santana’. Regional bewährte alte Sorten sind eine zweite Möglichkeit; welche das in deiner Gegend sind, weiß die Baumschule vor Ort oder der Kreisfachberater für Gartenkultur.
Drei weitere Punkte gehören in die Sortenwahl. Erntezeit: Sommeräpfel wie ‘Klarapfel’ halten zwei Wochen, Winteräpfel wie ‘Topaz’ bis März im Keller; wie das Lagern geht, steht im Artikel Äpfel richtig lagern. Befruchtung: Apfel, Birne und Süßkirsche brauchen eine andere, gleichzeitig blühende Sorte in der Nähe, Hauszwetschge und Schattenmorelle nicht. Verwendung: Tafelobst, Saft, Kuchen oder alles zusammen. Mehr zu den einzelnen Obstarten in den Steckbriefen Apfel, Birne, Kirsche und Zwetschge.
Der Standort
Sonne. Mindestens sechs Stunden am Tag, besser mehr. Im Schatten trägt ein Obstbaum wenig, die Früchte bleiben sauer, und Pilzkrankheiten nehmen zu.
Luft. Ein offener, leicht windiger Platz trocknet die Blätter nach dem Regen schnell ab. Das ist der beste Schutz gegen Schorf und Mehltau. Direkt an der Hauswand in der windstillen Ecke ist nur für Spaliere richtig, und die brauchen dann einen Abstand von zwanzig Zentimetern zur Wand.
Keine Frostsenke. Kalte Luft fließt nachts bergab und sammelt sich am tiefsten Punkt des Gartens. Dort erfrieren die Blüten im April bei Spätfrost. Lieber am Hang oder auf ebener Fläche.
Boden. Tiefgründig, humos, ohne Staunässe. Auf schwerem, nassem Lehm gedeihen Äpfel auf M9 und Kirschen schlecht; dort sind Birne auf Sämling oder Zwetschge die robustere Wahl. Wo im Winter das Wasser im Pflanzloch steht, pflanzt du auf einen flachen Hügel.
Kein Nachbau. Wo ein alter Apfelbaum gerodet wurde, wächst ein neuer Apfel schlecht, auch nach Jahren. Diese Bodenmüdigkeit betrifft vor allem Apfel, Birne und Quitte. Dann entweder eine andere Obstart pflanzen oder das Pflanzloch großzügig mit Erde von einer anderen Stelle des Gartens füllen.
Grenzabstand. Das Nachbarrecht ist Landessache. In Bayern müssen Gehölze bis zwei Meter Höhe einen halben Meter von der Grenze entfernt stehen, höhere zwei Meter, gemessen von der Mitte des Stamms. In anderen Bundesländern gelten eigene Abstände. Ein Blick ins Landesgesetz vor dem Pflanzen spart Streit in zehn Jahren.
Obstbaum pflanzen: Schritt für Schritt
- Wurzeln wässern. Wurzelnackte Bäume nach dem Kauf für zwei bis zwölf Stunden in einen Eimer Wasser stellen. Nie in der Sonne oder im Wind liegen lassen; die Feinwurzeln trocknen in einer halben Stunde aus.
- Pflanzloch graben. Doppelt so breit wie das Wurzelwerk, bei wurzelnackten Bäumen etwa 60 mal 60 Zentimeter, und so tief, dass die Wurzeln ohne Knick hineinpassen. Die Grasnarbe abstechen und umgedreht unten ins Loch legen, die Sohle mit der Grabegabel lockern.
- Wühlmauskorb einsetzen. Bei Apfel, Birne und Quitte in Gärten mit Wühlmäusen einen Korb aus engmaschigem Drahtgitter ins Loch legen, der oben zehn Zentimeter aus der Erde ragt. Ein junger Apfelbaum kann in einem Winter von unten abgefressen werden.
- Pfahl einschlagen. Vor dem Einsetzen des Baums, auf der Westseite, also der Hauptwindrichtung, zehn Zentimeter neben der späteren Stammposition. Die Oberkante endet eine Handbreit unter dem Kronenansatz. Wer den Pfahl nachträglich einschlägt, trifft die Wurzeln.
- Wurzeln schneiden. Beschädigte, geknickte und sehr lange Wurzeln mit einer scharfen Gartenschere glatt anschneiden. Frische Schnittflächen bilden schneller neue Wurzeln.
- Baum einsetzen. Die Veredelungsstelle muss nach dem Pflanzen eine Handbreit über der Erde bleiben, etwa zehn Zentimeter. Kommt sie in die Erde, bildet die Edelsorte eigene Wurzeln, und die schwache Unterlage verliert ihre Wirkung: Aus dem kleinen Spindelbaum wird ein großer Baum. Eine Latte quer über das Loch zeigt die spätere Erdoberfläche.
- Erde einfüllen. Den Aushub mit ein bis zwei Schaufeln reifem Kompost mischen, schichtweise einfüllen, den Baum dabei leicht rütteln, damit sich die Erde zwischen die Wurzeln setzt. Rundum mit dem Fuß festtreten, vom Rand zum Stamm.
- Anbinden. Mit Kokosstrick in einer liegenden Acht zwischen Stamm und Pfahl, damit der Stamm nicht an der Rinde des Pfahls scheuert. Nicht zu fest: Der Stamm wird dicker.
- Einschlämmen. Einen Gießrand formen und zwanzig Liter Wasser langsam einlaufen lassen. Nach dem Einschlämmen setzt sich die Erde, der Baum sackt ein paar Zentimeter nach. Deshalb die Veredelungsstelle vorher nicht zu knapp setzen.
- Baumscheibe mulchen. Einen Meter Durchmesser frei von Gras halten und mit Laub, Häcksel oder Grasschnitt mulchen. Gras rund um einen jungen Baum nimmt ihm Wasser und Stickstoff, besonders auf schwachen Unterlagen. Wie Mulch funktioniert, steht im Artikel Richtig mulchen.
Der Pflanzschnitt
Nach einer Herbstpflanzung wird der Baum nicht sofort geschnitten, sondern im Februar oder März vor dem Austrieb. So schützen die Triebe über den Winter die Knospen, die später gebraucht werden.
- Mitteltrieb bestimmen. Der kräftigste, senkrechte Trieb in der Mitte bleibt die Stammverlängerung.
- Drei bis vier Leitäste auswählen. Kräftige, gleichmäßig um den Stamm verteilte Seitentriebe in einem flachen Winkel. Alle anderen Triebe, besonders steil nach oben wachsende Konkurrenten des Mitteltriebs, werden am Ansatz entfernt.
- Leitäste einkürzen. Um etwa ein Drittel, jeweils über einer nach außen zeigenden Knospe. Die Spitzen aller Leitäste enden auf gleicher Höhe, das nennt man Saftwaage.
- Mitteltrieb einkürzen. So, dass er eine Handbreit über den Spitzen der Leitäste endet.
Bei Spindeln auf M9 wird anders geschnitten: Der Mitteltrieb bleibt ungeschnitten, und flach stehende Seitentriebe bleiben ebenfalls. Nur steile Konkurrenztriebe kommen weg. Ob ein Baum als Spindel oder als Buschbaum mit Krone erzogen wird, sagt dir die Baumschule beim Kauf.
Häufige Fehler
Veredelungsstelle in der Erde. Die Sorte wurzelt selbst, die Unterlage verliert ihre Wirkung, der kleine Baum wird groß. Eine Handbreit darüber.
Unterlage nicht beachtet. Ein Hochstamm auf Sämling im Reihenhausgarten ist nach zehn Jahren ein Problem für Haus, Nachbarn und Rücken. Beim Kauf nach der Unterlage fragen.
Pfahl nach dem Pflanzen eingeschlagen. Wurzeln durchstoßen, Baum wackelt. Erst der Pfahl, dann der Baum.
Rasen bis an den Stamm. Wasser- und Stickstoffkonkurrenz, dazu Mäharbeit am Stamm, die die Rinde verletzt. Einen Meter Baumscheibe frei halten.
Dünger ins Pflanzloch. Frischer Mist und Mineraldünger verbrennen die jungen Wurzeln. Nur etwas reifer Kompost.
Kein Pflanzschnitt. Der Baum treibt oben ein paar lange Triebe aus und verkahlt von innen. Im Februar Leitäste um ein Drittel kürzen.
In die Frostsenke gepflanzt. Jedes zweite Jahr erfrieren die Blüten. Hang oder ebene Fläche.
Wurzeln austrocknen lassen. Eine halbe Stunde im Wind reicht, damit die Feinwurzeln sterben. Im Eimer oder in feuchtem Tuch bis zur Pflanzung.
Regionale Unterschiede
In mittleren Lagen Süddeutschlands ist Anfang bis Mitte November der beste Pflanztermin; die Böden sind noch offen, und die Baumschulen haben wurzelnackte Ware. In milden Lagen am Rhein, am Main und am Bodensee geht es bis Mitte Dezember, und frühblühende Sorten wie Aprikose und Pfirsich haben dort überhaupt eine Chance. In Höhenlagen über 600 Metern sollten die Bäume bis Anfang November stehen; dort sind spät blühende, frostharte Sorten und robuste Obstarten wie Zwetschge und Sauerkirsche die sicherere Wahl. Welche Sorten in deiner Gegend gut tragen, weiß der Obst- und Gartenbauverein. Was im Oktober sonst noch zu tun ist, steht im Gartenjahr für den Oktober, und wer neben dem Baum Beerenobst setzen will, findet alles dazu im Artikel Beerensträucher im Herbst pflanzen.
Fazit
Einen Obstbaum pflanzt du im November, auf einer Unterlage, die zum Garten passt, an einen sonnigen, luftigen Platz außerhalb der Frostsenke. Der Pfahl kommt vor dem Baum ins Loch, die Veredelungsstelle bleibt eine Handbreit über der Erde, die Baumscheibe bleibt frei von Gras. Im Februar folgt der erste Schnitt. Nach drei Jahren trägt der Baum Äpfel, und das die nächsten Jahrzehnte.
Häufige Fragen
Wann pflanzt man Obstbäume am besten?
Im Herbst nach dem Laubfall, von Ende Oktober bis Ende November, solange der Boden nicht gefroren ist. Dann gibt es wurzelnackte Bäume frisch aus der Baumschule, und die Wurzeln wachsen bis zum Frost weiter. Im Frühjahr geht es bis Ende März, der Baum braucht dann aber im ersten Sommer deutlich mehr Wasser. Containerbäume lassen sich von September bis Mai pflanzen.
Welche Unterlage ist die richtige für einen kleinen Garten?
Für Apfel die Unterlagen M9 oder M26: Der Baum bleibt bei zwei bis drei Metern, trägt nach zwei bis drei Jahren und passt als Spindel oder Buschbaum auf fünf bis sechs Quadratmeter. Er braucht aber zeitlebens einen Pfahl und guten Boden. Für Birne entsprechend Quitte A, für Süßkirsche GiSeLa 5, für Zwetschge St. Julien A oder WaVit.
Braucht ein Apfelbaum einen zweiten Baum zur Befruchtung?
Fast immer ja. Äpfel, Birnen und Süßkirschen sind fremdbefruchtend und brauchen eine andere, gleichzeitig blühende Sorte in etwa hundert Metern Umkreis. In Wohngebieten steht die meist schon im Nachbargarten. Zwetschgen wie die Hauszwetschge und die Sauerkirsche Schattenmorelle sind selbstfruchtbar. Alte Apfelsorten wie Boskoop taugen selbst nicht als Befruchter und brauchen zwei andere Sorten.
Wie viel Abstand muss ein Obstbaum zur Grundstücksgrenze haben?
Das regelt das Nachbarrecht der Bundesländer. In Bayern gilt nach Artikel 47 des Ausführungsgesetzes zum BGB ein halber Meter für Gehölze bis zwei Meter Höhe und zwei Meter für alles, was höher wird, gemessen von der Stammmitte. Andere Länder haben eigene, teils nach Baumart gestaffelte Abstände. Vor dem Pflanzen im Landesgesetz nachsehen oder bei der Gemeinde fragen.
Muss ich den Baum nach dem Pflanzen düngen?
Nein. Ins Pflanzloch kommen höchstens ein bis zwei Schaufeln reifer Kompost, gut mit dem Aushub gemischt. Frischer Mist und Mineraldünger verbrennen die jungen Wurzeln. Im Frühjahr darauf reicht eine dünne Schicht Kompost unter der Mulchdecke auf der Baumscheibe.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Royal Horticultural Society: How to grow apples: rootstocks, planting, pruning
- Royal Horticultural Society: Fruit trees
- Royal Horticultural Society: How to grow pears
- Royal Horticultural Society: How to grow plums
- Bayerisches Ausführungsgesetz zum BGB, Artikel 47: Grenzabstand von Pflanzen
- Julius Kühn-Institut, Institut für Züchtungsforschung an Obst (Dresden-Pillnitz): Pi- und Re-Sorten
Geschrieben von
Susi & das Gartenteam
Ich bin Susi, die Stimme unseres Gartenteams. Wir gärtnern ohne Chemie, filmen, was wir tun, und schreiben es hier so auf, dass es sich im eigenen Garten nachmachen lässt, auch das, was bei uns schiefgegangen ist. Auf YouTube, TikTok und Instagram zeigen wir die Handgriffe im Video, hier stehen sie ausführlich zum Nachlesen.
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